Schwierige Verhältnisse bestimmen momentan den Strom- und Gasmarkt weltweit. Seit Wochen steigen die Großhandelspreise für die Beschaffung exorbitant in die Höhe.
Die Krise hat inzwischen schon mehrere Energieversorger auch in der Lausitz in die Pleite getrieben – und darunter leiden Zehntausende Verbraucher, die sich mit gekündigten Stromverträgen und horrenden Preissteigerungen für ihre Elektrizität auseinandersetzen müssen.

Hoyerswerdaer Dreischtrom GmbH geht in die Insolvenz

So wurde zum Beispiel für die in Hoyerswerda ansässige Dreischtrom GmbH kurz vor Weihnachten ein Insolvenzverfahren angeordnet. Hintergrund sei die Insolvenz eines Vorlieferanten, teilt das Unternehmen auf seiner Internetseite mit. Die Lieferung von Strom und Gas hat Dreischtrom seitdem eingestellt – doch das kommt die Kunden teuer zu stehen. Denn Betroffene fallen jetzt automatisch in die Ersatzversorgung durch den örtlichen Grundversorger.
Das ist jenes Energieversorgungsunternehmen, das in einer Region die meisten Haushaltskunden mit Strom beliefert – und das inzwischen meist ebenfalls empfindlich höhere Tarife für die Grund- und Ersatzversorgung aufruft.
Das Schicksal teilen noch viele andere Endverbraucher in Sachsen und Brandenburg, wie beispielsweise jene des Billig-Stromanbieters Stromio, der ebenfalls noch vor dem Jahreswechsel seinen Kunden die bestehenden Stromlieferverträge kündigte. Hunderttausende Stromio-Kunden müssen für ihre Elektroenergie nun spürbar tiefer in die Tasche greifen.

Betroffene suchen Rat bei der Verbraucherzentrale

Immer mehr Menschen wollen sich dagegen wehren, wie mit ihnen als Kunden umgegangen wird. Die Welle der Vertragskündigungen und der von Kunden als ungerecht empfundenen Preissteigerungen macht sich deshalb gerade in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Sachsen bemerkbar – als eine Flut von Anfragen und Klientengesprächen zu genau diesem Thema.
„Seit dem Jahreswechsel ist der Beratungsbedarf rasant gewachsen. Schon weit mehr als die Hälfte aller Klientengespräche befassen sich momentan mit Lieferstopps und Vertragskündigungen von Stromanbietern“, sagt Angelika Große, Leiterin der Verbraucherberatungsstelle in Hoyerswerda. Zwischen drei und sechs Klientengespräche hat sie pro Tag zu diesen Vorgängen.
Angelika Große leitet die Verbraucherberatungsstelle in Hoyerswerda. Zu Beginn des Jahres kamen besonders viele Klienten mit gekündigten Stromverträgen auf sie zu.
Angelika Große leitet die Verbraucherberatungsstelle in Hoyerswerda. Zu Beginn des Jahres kamen besonders viele Klienten mit gekündigten Stromverträgen auf sie zu.
© Foto: Catrin Würz
Ein Teil der Strom-Vertragskündigungen sei nach Ansicht der Verbraucherschützer nicht rechtens. „Das betrifft insbesondere Verträge, die innerhalb der Mindestlaufzeit vom Versorger gekündigt werden“, erklärt die Expertin. Hier sollte per Widerspruch auf die Einhaltung des Vertrages gepocht werden, empfieht sie.

Preisdifferenz als Schadensersatzforderung beim Stromanbieter anzeigen

Die durch die Ersatzversorgung deutlich höheren Stromkosten sollten Verbraucher nicht einfach schlucken. „In einigen Fällen sind die Verbrauchspreise für die Kilowattstunde Strom oder Gas sogar fast doppelt so teuer wie vorher“, sagt Angelika Große. Steigerungen von zuvor rund 30 Cent pro kWh auf 54 bis 58 Cent pro kWh sind keine Seltenheit. Betroffene Verbraucher sollten versuchen, die entstandene Preisdifferenz in Form von Schadenersatz bei ihrem alten Stromanbieter geltend machen.
Inzwischen haben in den vergangenen Wochen fast alle Energieversorgungsunternehmen Preissteigerungen für Strom und Gas bekannt gegeben. Doch auch dabei gibt es einiges zu kritisieren. „Nicht selten geschieht die Ankündigung in verklausulierten und verwirrenden Formulierungen und nicht transparent genug“, so die Verbraucherschützerin.
Wenn eine Preiserhöhung als „Tarifinformation“ getarnt ist oder nicht der alte und der neue Preis gegenübergestellt sind, bleibt die Bedeutung des Schreibens für manchen Kunden diffus. „Wer die Brisanz dieser Briefe jetzt nicht gleich erkennt, hat mit der nächsten Stromabrechnung vielleicht ein böses Erwachen“, sagt Angelika Große. Sie rät dazu, sich solche Schreiben vom Versorger immer sehr genau durchzulesen, um dann darauf richtig reagieren zu können.

Verbraucherschützer warnen vor steigenden Energieschulden

Der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt indes vor einer alarmierenden Zunahme der Energiearmut in Deutschland. Die drastische Entwicklung bei den Energiepreisen – gepaart mit anderen finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie – werde besonders Haushalte mit niedrigem Einkommen bedrohen. „Experten gehen davon aus, dass sich die Zahl der Privatinsolvenzverfahren im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln wird“, heißt es in einer Mitteilung des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen.
Hoyerswerdas Chef-Verbraucherschützerin Angelika Große rät hingegen noch zu einer ganz speziellen Sparmaßnahme: „Die Verbraucher sollten wieder mehr Bewusstsein für das Energiesparen entwickeln“, sagt sie. Die explodierenden Strompreise sollten Familien zum Anlass nehmen, um ihren eigenen Stromverbrauch zu überprüfen und zu minimieren. „Einsparpotenziale finden sich in jedem Haushalt“ ist Angelika Große überzeugt. Welche elektrischen Geräte immerzu laufen müssen, wie lange in leeren Zimmern Licht brennt und ob sparsame LED-Lampen statt Stromfresser verwendet werden, „das hat jeder selbst in der Hand“. Die kostenfreie Energieberatung gibt dazu zweimal im Monat die richtigen Tipps.

Tipps für das Energiesparen

Die Verbraucherberatungsstelle Hoyerswerda führt aufgrund der Corona-Pandemie allgemeine Beratungen derzeit telefonisch, per E-Mail, als Video-Beratung sowie als persönliches Gespräch nur unter der 2G-Regel und mit Terminvereinbarung durch. Mehr Infos auf www.verbraucherzentrale-sachsen.de
Die kostenfreie individuelle Energieberatung für Mieter, Vermieter, Haus- und Wohnungseigentümer und Bauherren ist an zwei Tagen im Monat möglich. Im Monat Januar 2022 finden diese am Mittwoch, 19. Januar, sowie am Mittwoch, 26. Januar, jeweils von 13 bis 16 Uhr statt. Ort ist die Verbraucherschutz-Beratungsstelle Hoyerswerda, Albert-Einstein-Str. 47 (Einsteinhaus, Haus D). 
Für die Beratungen sind Terminvereinbarungen unter der kostenfreien Rufnummer 0800-809 802 400
(Mo-Do 8-18 Uhr, Fr 8-16 Uhr) erforderlich. 
Beratungsschwerpunkte sind Strom- und Heizkosten, Heizkostenabrechnungen, baulicher Wärmeschutz, Ersatz von Heizungsanlagen, Einsatz erneuerbarer Energien, Fördermittel für energetische Sanierungen u.a.m.