Silvester mit Tieren
: So stark stresst Knallerei Hund und Katze – das können Menschen tun

Silvester bedeutet für die meisten Menschen Freude – Party, Bowle und ab dem frühen Abend auch Böller und Raketen. Für viele Tiere bedeutet der Jahreswechsel jedoch viel Angst und Unsicherheit. Manche bezahlen die Knallerei mit ihrem Leben.
Von
Silke Richter
Hoyerswerda
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Das Einwickeln mit einem Tuch, wie hier bei Hund Karl zu sehen, kann die Ohren des Tieres zu Silvester etwas schützen.

Silke Richter

Es ist Jahr für Jahr das gleiche Bild: Menschen tanzen auf der Straße, jubeln und prosten sich zu, während am Nachthimmel grelle Blitze zucken, Silvesterraketen zischend in die Höhe schnellen und ohrenbetäubender Lärm ertönt. Für viele Wild- und Haustiere ist dieses Ereignis zum Jahreswechsel ein Ausnahmezustand. Es fallen mancherorts Vögel völlig entkräftet vom Himmel, Wild- und Haustiere erleiden Schockzustände oder Verbrennungen. Nicht selten sterben Tiere in dieser Nacht, weil sie dem Lärm und Beschuss nicht entkommen können.

Für Vögel kann eine Silvesterfeier tödlich enden, sagt Sophia Hauswald von der Naturschutzstation in Neschwitz. Einmal aufgeschreckt finden sich einige in der Dunkelheit der Nacht nicht mehr zurecht oder fliegen, vor Panik völlig orientierungslos, an Fensterscheiben, erleiden schwere Verletzungen oder sogar Genickbrüche, berichtet die Koordinatorin der Naturschutzstation.

All das sei ein sehr hoher Preis für das „bisschen Rumknallen“ zum Jahreswechsel, ganz zu schweigen von der Feinstaubbelastung und der immensen Müllentwicklung in dieser Nacht. Es müsse nicht immer Feuerwerk sein. Musik begleitete Licht- und Lasershows oder liebevoll gestaltete Feuershows seien sehr gute Alternativen und weitaus friedvoller, sagt Sophia Hauswald. Sie hofft darauf, dass zum Jahreswechsel Feuerwerke in der Nähe von Wäldern, Parks und Schutzgebieten gemieden werden.

Der Zoo Hoyerswerda schützt Tiere in Innengehegen

Auch der Zoo Hoyerswerda ergreift Vorkehrungen für den letzten Tag dieses Jahres und den ersten des kommenden. Das heißt: Zu Silvester und Neujahr bleibt der Zoo geschlossen – auch um die Tiere vor der Lärm- und Lichtbelästigung durch Feuerwerkskörper zu schützen. Je nach Abhängigkeit von der Witterung und der aktuellen Situation an diesen Tagen können die Tiere somit kurzfristig von den Außenanlagen in die Innenställe gebracht werden.

Um unnötige Lärm- und Lichtbelästigungen zu vermeiden, werden operativ Türen und Fenster geschlossen. Wenn erforderlich, werden sie auch abgehängt oder verdunkelt. Im Extremfall könne durch den Tierarzt ein Beruhigungsmittel verordnet werden. Aus Sicherheitsgründen werde der Tierbestand schon im Laufe des 31. Dezember in die Innenställe gebracht.

In der Regel gibt es bedingt durch diese Verfahrensweise nur selten größeren Stress oder Unruhe im Tierbestand. Sofern erforderlich müssen die Zootierpfleger bei Problemtieren, wie Fluchttiere, die Kontrollen erhöhen, wobei oftmals die Anwesenheit des speziellen Tierpflegers und die ruhige Ansprache des Tieres eine beruhigende Wirkung erziele.

Auf die Fasane regnet es oftmals Böllerreste

Am empfindlichsten reagieren die Vögel in der Fasanerie auf die Lärmbelästigung. „In den vergangenen Jahren wurden nach Silvester vermehrt Reste der Feuerwerkskörper in den Gehegen der Tiere gefunden. Besonders die Plastikkappen der Raketen oder Reste von Böllern, an denen sich noch Spuren der Inhaltsstoffe befinden, können zu gesundheitlichen Problemen bei den Tieren führen“, erklärt Zoo-Sprecherin Stefanie Jürß.

Doch was können die vielen Hunde-, Katzen- und Kleintierbesitzer in ihren Wohnungen und Häusern tun, wenn es zu Silvestern rundherum blitzt und kracht? In Zeiten der Corona-Pandemie sei Silvester ein Segen für ihre Katzen gewesen, sagt Ariane Tietze. Doch inzwischen ist das Knallen wieder erlaubt. Ihre Katzen reagieren darauf panisch: Sie hätten sich Verstecke gesucht. Auch in diesem Jahr wird die Hoyerswerdaerin deshalb wieder Vorsorgemaßnahmen treffen und ihren Tieren im Vorfeld schallgeschützte Höhlen aus Decken und Kissen bauen. „Es gibt ja auch die Möglichkeit, Beruhigungsmittel vom Tierarzt zu bekommen. Aber davon bin ich kein Freund“, sagt Ariane Tietze.

Diese Notfalltipps können Hunden helfen

Auch viele Hunde reagieren auf die Silvester-Knallerei. Generell, so sagt Madlen Fischer, Inhaberin der Hundeschule „Lausitzer Seenlanddogs“, sollte eine Gewöhnung an die Situation zu Silvester weit vor dem letzten Tag des Jahres beginnen. Hundehalter müssten solche Momente gemeinsam mit ihren Tieren trainieren. Für den Ernstfall gibt die Fachfrau jedoch einige Silvester-Notfalltipps.

Tipp Nummer eins: Ängstliche Hunde sollten zu Silvester nicht allein gelassen werden. Es sei sehr hilfreich, dem Hund ein gutes Vorbild zu sein, indem man selbst ruhig und entspannt bleibt, die Nähe des Hundes zulässt und – wenn der Hund es als etwas Positives empfindet – ihn festhält oder Entspannungsmassagen durchführt.

Tipp Nummer zwei: Es sei ratsam, so Madlen Fischer, bereits an den Tagen vor Silvester den Hund nicht mehr ohne Leine laufen zu lassen, damit er nicht panisch wegrennen kann. Knallfreie Gassi-Runden und am Silvestertag und ein ausgedehnter Spaziergang in ruhiger Umgebung seien sehr hilfreich, damit der Hund müde und ausgelastet ist.

Tipp Nummer drei: Für die Silvesternacht kann eine leicht zugängliche Höhle vorbereitet werden. Geschlossene Fenster und Gardinen, Kopfverband, Ohrenschützer oder eine Kappe sowie das „Einwickeln“ mit einem Pullover oder ähnlichem um Brust und Hals könne sich beruhigend auswirken. „Die sicherste Notfallvariante ist das Wegfahren zu Flughäfen, Naturschutzgebieten oder eben den ganzen Abend mit dem Auto unterwegs sein“, sagt Madlen Fischer.

Kritik an Feuerwerken außerhalb von Silvester

Silvester ist nur einmal pro Jahr. Begehschein-Jäger kritisieren jedoch vor allem die Feuerwerke, die das ganze Jahr über bei privaten Veranstaltungen durchgeführt werden. Das habe zur Folge, dass der Ansitz auf nachtaktive Tiere in der Regel erschwert wird. „Ich habe es schon erlebt, dass durch Raketenirrläufer Fledermäuse in ihren Überwinterungsquartieren gestört wurden und durch die Folgen verstorben sind“, erklärt Dr. Alexander Harter. Der Geschäftsführer des Naturschutzgroßprojekts Lausitzer Seenland (NGP) ist aber dennoch der Meinung, dass man Silvester-Feuerwerke an passenden Orten nicht verbieten sollte.