Emma ist weg. Ihre Familie hat die junge Hündin nur ein paar Minuten aus den Augen gelassen. Gut, dass während des Silvesterfeuerwerks wenigstens die Wohnungstür verschlossen ist. Der Familienfrieden ist aber jetzt dahin. Die Suche beginnt.
Wenig später wird die Hundedame gefunden. Sie hat sich unter dem Sofa verkrochen und möchte nicht mehr hervorkommen. Emma zeigt defensives Verhalten, während die jubelnden Menschen auf den Straßen mit Silvesterknallern das alte Jahr verabschieden, um das Neue willkommen zu heißen.
Die junge Hündin hechelt stattdessen, zeigt deutliche Spannungsfalten und eine eingeklemmte Rute. Ihr Blick ist abgewendet und ihre Augen blinzeln.

Viele Hunde haben Probleme mit Silvester

Emma ist ein Beispiel für viele andere Hunde, die ein großes Problem mit lautstarken Jahreswechseln haben. Das ist keineswegs ungewöhnlich. Stammt doch der Hund vom Wolf ab. Die Tiere würden in freier Wildbahn bei solch extremen Geräuschen instinktiv das Weite suchen ob der drohenden Gefahr, verletzt zu werden oder daran zu sterben.
Freilich sind unsere Haustierhunde an die Gegebenheiten des Alltags angepasst. Dennoch braucht es behutsame Gewöhnung an den Alltag von uns Menschen, um dem Tier möglichen Stress zu ersparen. Im besten Fall passiert die langsame und behutsame Gewöhnung an Geräusche und Alltagssituationen bereits vom Welpenalter an. Sonst droht ein massiver Deprivationsschaden und damit Entwicklungsstörungen. Ein Mangel von Umwelt- und Sozialreizen lässt sich im fortgeschrittenen Alter nur sehr schwer bis gar nicht kompensieren.
Es gibt viele Hunde, die ähnlich reagieren wie Emma. Starkes Angstzittern und Unsicherheit, das spontane Verlieren von Kot und Urin inklusive Langzeitschäden sind nicht selten. Dann können auch normale, unvermeidliche allgegenwärtige Geräusche wie das etwas lautere Zuknallen von Mülltonnendeckeln, das Geräusch einer geöffneten Sektkorkenflasche oder andere für Menschen normale Alltagsgeräusche zu Verhaltensauffälligkeiten führen.

So kann man Hunden zu Silvester helfen

Doch was können Hundebesitzer tun, damit es ihren Tieren gut geht? „Es gibt Kopfhörer für Hunde, man kann ihnen auch ein Tuch über die Ohren binden. In Häusern kann der Hund gemeinsam mit seinen Menschen die Zeit der Knallerei im geschützten Keller verbringen“, sagt Hundelehrer Torsten Kurz aus Obergurig. „Alles dient der Dämpfung von Geräuschen. Urlaub auf Sylt oder anderen Orten, wo Knallerei sowieso verboten ist, wäre auch eine gute Möglichkeit“, sagt er.
Der 55-Jährige ist auch der Meinung, dass die wunschgemäße Entspannung eines Hundes nicht am Silvestertag entschieden wird – sondern viel eher. „Und Finger weg von Eierlikör zur Angsttherapie. Alkohol hat noch nie Konflikte gelöst. Hunde sind Schutzbefohlene und auf uns angewiesen. Was im Fernsehen und im Internet dazu propagiert wird, ist nur Sensationshascherei und dient keinem Hund. CBD-Öle können helfen, und auch homöopathische Hilfe kommen bei Hunden dagegen gut an“, empfiehlt der 55-jährige Hundeexperte. CBD ist ein Hanfprodukt.
Auch Madlen Fischer, ehrenamtliche Trainerin beim Hoyerswerdaer Hundesportverein „Pfote drauf“ rät dazu, Hunde zu Silvester keinesfalls allein zu lassen. Zudem helfen geschlossenen Rollos, seichte Hintergrundmusik oder ein ruhiges Fernsehprogramm ohne Silvestergeräusche. „Eine Höhle, wohin der Hund sich zurückziehen kann, wie eine Hundebox oder Zimmerkennel, wirkt oft auch für viele Hunde entspannend. Natürlich bei entsprechender vorheriger Gewöhnung“, erklärt die 35-Jährige aus Lauta.
Neben homöopathischen Mitteln können auch bestimmte Hormone durch Futterzugabe als unterstützende Maßnahme zum Einsatz kommen. „Hier wäre der Rat eines Experten aus der Tierheilkunde empfehlenswert. Denn pauschal würde ich kein Mittel empfehlen, da jeder Hundekörper anders reagiert“, meint Madlen Fischer.