In diesem Jahr begeht Hoyerswerda ein ganz anderes Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 als sonst. Natürlich ist Russlands Angriff auf die Ukraine Thema. Die Ereignisse im Donbass und in Mariupol überschatten das Gedenken. Hoyerswerdas Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (SPD) sagt: Dieser 8. Mai müsse lauter sein als bisher.
Eines ist wie immer: Vertreter aus Politik, Verwaltung, von Verbänden, von Vereinen und Schulen versammeln sich – diesmal am 9. Mai – am Ehrenhain in der Hoyerswerdaer Neustadt. Einige haben Kränze dabei, andere Blumen. Eines ist jedoch anders: „Wir wissen, welche besondere Bedeutung das Gedenken in diesem Jahr hat“, sagt Ruban-Zeh. In der Ukraine ist Krieg. Wenige Stunden zuvor hat am Montag Russlands Parade auf dem Roten Platz in Moskau stattgefunden.
Der Hoyerswerdaer OB spürt eine „innerliche Zerrissenheit“. In seiner Familie gibt es sowohl Russen als auch Ukrainer. Er deutet auf die Betonplatten des Ehrenmals, auf denen in Russisch Namen von gefallenen Soldaten stehen. „Ich habe mir das am Sonntag genau angesehen“, sagt er. Es seien russische Namen zu lesen ebenso wie ukrainische, litauische, lettische und kasachische. „Das sind die Großväter der Söhne, die gerade gegeneinander kämpfen“, sagt Ruban-Zeh leise.
Hoyerswerdas OB betont, es sei unstrittig, dass Russlands Präsident Putin den Krieg begonnen hat und führt. „Dieser Krieg muss ein Ende finden“, betont er. Auch Deutschland müsse nach außen so klug agieren, dass der Konflikt nicht zu einem dritten Weltkrieg wird. „Dieser 8. Mai darf kein stiller sein“, sagt Ruban-Zeh. „Er muss lauter sein für den Frieden.“
In Richtung der Schüler sagt er: Bisher sei das Gedenken an den 8. Mai nur eines in die Vergangenheit gewesen. Seit dem Krieg in der Ukraine sei es nun auch ein Tag für die Zukunft. „Ab heute wird es noch wichtiger, den 8. und 9. Mai nicht zu vergessen“, betont Ruban-Zeh.