Nach Querelen um einen geeigneten Standort für das Corona-Impfzentrum des Landkreises Bautzen laufen die Vorbereitungen in der nun favorisierten Sporthalle in Kamenz inzwischen auf Hochtouren. Trennwände und Möbel werden herbeigeschafft, Markierungen und Sicherheitsstandards hergestellt.
Die Mehrzweck- und Schulsporthalle am Kamenzer Flugplatz wird eilig als eines von insgesamt 13 zentralen Impfzentren im Freistaat Sachsen vorbereitet – eines in jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt.

Holpriger Start für Impfzentrum im Landkreis Bautzen

Im Kreis Bautzen war der Start für dieses Impfzentrum zunächst etwas holprig verlaufen. Die anfangs favorisierte Sporthalle am Schützenplatz in Bautzen war vom Eigentümer – der Stadt Bautzen – nicht zur Verfügung gestellt worden. Sportvereine hatten gegen den voraussichtlich monatelangen Wegfall der größten Halle Bautzens für den Vereins- und Schulsport protestiert.
Die Stadt Bautzen selbst hatte ihre Absage auch noch damit begründet, dass die Schützenplatzhalle als Ausweichquartier im Katastrophenfall eingestuft ist.
In dieser Schulsport- und Mehrzweckhalle am Kamenzer Lessing-Gymnasium wird das Impfzentrum für den Landkreis Bautzen aufgebaut. Die Halle befindet sich direkt am Flugplatz Kamenz.
In dieser Schulsport- und Mehrzweckhalle am Kamenzer Lessing-Gymnasium wird das Impfzentrum für den Landkreis Bautzen aufgebaut. Die Halle befindet sich direkt am Flugplatz Kamenz.
© Foto: Catrin Würz
Daraufhin handelte der Landkreis umgehend und rigoros, indem er eine eigene Immobilie als Impfzentrum zur Verfügung stellte. Dabei handelt es sich mit der Halle am Kamenzer Flugplatz zwar ebenfalls um eine Schulturnhalle des Lessing-Gymnasiums Kamenz und um einen Ort für Vereinssport. Die deshalb aufkeimende neue Kritik erstickte die Spitze der Landkreisverwaltung jedoch sofort im Keim.
„Der Standort ist nicht verhandelbar“, sagte Vize-Landrat Udo Witschas (CDU) kurz vor Weihnachten. „Wir können bei den hohen Infektionszahlen niemandem vermitteln, dass wir keine Klarheit über eine geeignete Immobilie für ein Impfzentrum herstellen können.“

DRK koordiniert den Aufbau der Impfzentren in Sachsen

Den Ausbau und die Einrichtung aller Impfzentren in Sachsen hat im Auftrag des Sozialministeriums das Deutsche Rote Kreuz Sachsen übernommen. Dafür wurde gemeinsam mit dem Landeskommando der Bundeswehr und dem Technischen Hilfswerk ein Arbeitsstab eingerichtet, der auf der Ebene der Landkreise durch lokale Einsatzstäbe ergänzt wird. Örtlich sind auch weitere Hilfsorganisationen wie der Arbeiter-Samariter-Bund, die Malteser oder die Johanniter Unfallhilfe einbezogen.
Das inzwischen ausgerufene Ziel ist klar: Am 11. Januar sollen die Impfzentren in Sachsen ihren Betrieb aufnehmen, wenn ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht und kontinuierlich nach Sachsen geliefert wird. Erst dann beginnt auch die Anmeldung für Impftermine in den 13 Impfzentren, teilt Juliane Morgenroth, Pressesprecherin im Sozialministerium, mit.

Gesundheitsministerin verteidigt Priorisierung

Seit dem 27. Dezember laufen in Sachsen und auch im Landkreis Bautzen Schutzimpfungen gegen das Coronavirus durch mobile Impfteams in Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie in den Krankenhäusern für Klinikpersonal mit besonders hohem Ansteckungsrisiko. Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping sagt dazu: „Es ist absolut wichtig, dass die Versorgung im medizinischen und pflegerischen Bereich aufrecht erhalten bleibt. Deshalb müssen wir dort zuerst impfen und mit der Öffnung der Impfzentren noch so lange warten, bis ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht. Dies wird um den 11. Januar der Fall sein.“

Impfung für Mitarbeiter im Lausitzer Seenland Klinikum Hoyerswerda

Für das Lausitzer Seenland Klinikum in Hoyerswerda bestätigt Pressesprecher Gernot Schweitzer, dass am 28. Dezember die ersten 55 Impfdosen für die Corona-Impfung im Hoyerswerdaer Klinikum eingetroffen sind. „Kurze Zeit später waren bereits die ersten Mitarbeiter aus den priorisierten Bereichen geimpft. Dabei gehen wir nach den Richtlinien des Robert-Koch-Institutes und der Ständigen Impfkommission vor. Demnach erhalten bei uns im Haus Pflegekräfte und Ärzte der Bereiche ITS, Notfallambulanz, ISO-Stationen, Kinder- und Intensiv-Kinderstation und Funktionsdienst als erstes die Möglichkeit zur Impfung“, so Gernot Schweitzer.

Weißwasser/Dresden

Die Verteilung der Impfdosen erfolgt über das Corona-Netzwerk Ostsachsen. Das Lausitzer Seenland Klinikum bekommt diese direkt von der Uniklinik Dresden geliefert. Am 4. Januar sind weitere Impfungen im Klinikum Hoyerswerda geplant. „204 Mitarbeiter stehen auf der Liste“, bestätigt der Klinikumssprecher.

Vergabe von Impfterminen startet erst Mitte Januar

Für den Start des Impfzentrums in Kamenz gibt es indes ebenfalls bereits eine Priorisierung: Zuerst erhalten Menschen, die älter als 80 Jahre sind, die Möglichkeit zur Impfung, neben medizinischem Personal in den Risikobereichen sowie Mitarbeitern in der stationären und ambulanten Pflege. In der zweithöchsten Priorität sind Menschen über 70, enge Kontaktpersonen von Risikopatienten, Pflegebedürftigen und Schwangeren genannt.
Die Anfragen von Bürgern nach individuellen Impfterminen in den Impfzentren laufen indes schon heiß. Doch noch ist unklar, wann die Terminvergabe startet. Nach Angaben des Sozialministeriums wird das voraussichtlich nicht vor Mitte Januar sein und bevor in Sachsen genügend Impfstoff zur Verfügung steht.
Die Vergabe der Impftermine werde über eine zentrale Telefon-Hotline oder online erfolgen. „Die Kontaktdaten werden dazu rechtzeitig veröffentlicht. Die Termine zur Impfung werden an entsprechend priorisierte Personengruppen je nach Verfügbarkeit vergeben“, erklärt Pressesprecherin Juliane Morgenroth.

So sollen die Impfzentren starten


In Sachsen sollen 13 Impfzentren voraussichtlich am 11. Januar in Betrieb gehen, wenn mehr Impfstoff verfügbar ist. An den Werktagen plant das DRK Öffnungszeiten von zehn Stunden, am Wochenende von acht Stunden. Ein Impfzentrum wird mindestens mit zwei Impfstrecken ausgestattet werden, in größeren Objekten kann das nach Bedarf auf bis zu zehn Strecken erweitert werden. Auf diese Weise könnten pro Tag bis zu 13 000 Bürgerinnen und Bürger geimpft werden.

Personen, die sich impfen lassen wollen, müssen im Vorfeld einen Termin online, per App oder telefonisch vereinbaren. Am Tag der Impfung kommen sie mit einem bereits ausgefüllten ärztlichen Anamnese-Bogen, einem Bogen zur Impfaufklärung, mit Personalausweis und Krankenversicherungskarte ins Impfzentrum. Dort wird geprüft, ob der Termin korrekt und die Unterlagen vollständig sind. Ein Arzt prüft die Impftauglichkeit. Nach der Impfung ist eine kurze Wartezeit nötig, um auf eventuell unerwünschte Reaktionen unter ärztlicher Aufsicht reagieren zu können.