Der Hoyerswerdaer Bahnhof steht seit Jahren in der Kritik. Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen kommen wegen eines fehlenden Aufzugs kaum zu den Gleisen. Unkundige scheitern mitunter am Fahrkartenautomat, das Bahnhofsgebäude steht großenteils leer. Jetzt gibt es auch noch Ärger um die neuen Zugverbindungen.
Auf den ersten Blick scheint alles gut: Ab dem 11. Dezember 2022 gilt der neue Fahrplan der Deutschen Bahn. Eine größere Änderung betrifft die Strecke von Hoyerswerda und Leipzig. Anstatt der S4 pendelt nun der Regionalexpress RE11 zwischen Elster und Pleiße. Die Verbesserung für alle Leipzig-Pendler: Der Zug ist bis zu 14 Minuten schneller als zuvor die S4.

Pendler müssen öfter als bislang umsteigen

Doch der Schein trügt. Denn Hoyerswerda – und damit die gesamte Region im Norden des Kreises Bautzen – ist durch den Fahrplanwechsel künftig schlechter angebunden als vorher. Denn der neue RE11 fährt nicht immer nach Leipzig durch. Von acht täglichen Fahrten müssen Nutzer montags bis freitags in zwei Fällen in Falkenberg (Elbe-Elster) umsteigen. Samstags fährt nur die Hälfte nonstop von Hoyerswerda nach Leipzig, am Sonntag sogar nur drei von acht Fahrten.
Für einige Bahnnutzer aus Richtung Hoyerswerda wird Falkenberg künftig zum Drehkreuz. Dort müssen Passagiere bei einigen Verbindungen in den RE10 (Frankfurt (Oder) – Cottbus – Doberlug-Kirchhain) umsteigen, um in die Messestadt Leipzig zu kommen. Hoyerswerdas Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (SPD) kritisiert diese Verschlechterung: „Dadurch wird die Infrastruktur in unserer Region geschwächt. So kann der Strukturwandel nicht erfolgreich gestaltet werden.“
Der Bahnhof Hoyerswerda: Die Deutsche Bahn will ihr Areal in den kommenden Jahren renovieren. Womöglich bekommt der Bahnhof dann auch einen Aufzug.
Der Bahnhof Hoyerswerda: Die Deutsche Bahn will ihr Areal in den kommenden Jahren renovieren. Womöglich bekommt der Bahnhof dann auch einen Aufzug.
© Foto: Sascha Klein

Hoyerswerda kämpft um bessere Dresden-Anbindung

Vor allem auf eine schnelle Bahnverbindung von und nach Hoyerswerda setzt die Stadtverwaltung, um Pendler aus den Metropolen dazu zu bewegen, sich in Richtung Lausitz zu orientieren. „Wir werden auf Einpendler angewiesen sein“, sagt Ruban-Zeh. „Wenn wir das verkehrstechnisch nicht hinkriegen, wird es sehr schwierig.“ Unter anderem sollen Mitarbeiter des geplanten Forschungscampus der TU Dresden im Gewerbegebiet Schwarzkollm ab 2026 auf die Bahn zurückgreifen können. Zurzeit dauert die Verbindung von Dresden nach Hoyerswerda noch eineinhalb Stunden.
Nach Dresden dauert es per Bahn von Hoyerswerda aus weiterhin 90 Minuten. Auch nach dem Fahrplanwechsel gibt es den RE15, der unter anderem über Hoyerswerda, Lauta, Ruhland, Ortrand und Großenhain nach Dresden fährt. Auf eine wichtige Änderung müssen sich Bahnnutzer dennoch einstellen: „In Zukunft gilt ab Hoyerswerda nach Dresden: Ohne Umsteigen klappt das zu den ungeraden Stunden – also beispielsweise um 7.33 Uhr und 9.33 Uhr, bei den Fahrten zur geraden Stunde steigt man in Ruhland um“, fasst Maik Kiehn zusammen. Er ist Fahrplaner im Verkehrsverbund Oberelbe (VVO). „Bis zum 10. Dezember ist es genau andersherum“, so Kiehn.
Hoyerswerdas OB Ruban-Zeh und Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel kämpfen weiterhin für eine schnellere Verbindung zwischen Hoyerswerda und Dresden über Kamenz und Straßgräbchen-Bernsdorf. Der Wunsch: Möglichst im Jahr 2024 soll es eine Zwischenlösung für die Strecke geben, die im Rahmen des Strukturwandels bis 2038 elektrifiziert und bis Hoyerswerda ausgebaut werden soll.
Der Bahnhof in Hoyerswerda: Meist sieht es so aus - Leere am Bahnsteig. Mit dem Fahrplanwechsel am 11.Dezember 2022 wird es nicht besser.
Der Bahnhof in Hoyerswerda: Meist sieht es so aus - Leere am Bahnsteig. Mit dem Fahrplanwechsel am 11.Dezember 2022 wird es nicht besser.
© Foto: Sascha Klein

Bahn will in neuen Zügen mehr Service bieten

Auf eine schnelle Verbesserung können sich Fahrgäste jedoch freuen: Mit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2022 setzt DB Regio Nordost auf den Strecken des „Netz Lausitz“ neue Züge vom Typ „Mireo“ ein. Die als Regionalexpress verkehrenden Fahrzeuge verfügen in der 1. Klasse unter anderem über Ledersitze, in der 2. Klasse über mehr Beinfreiheit und eine größere Anzahl an Sitzplätzen. Zum Komfort gehören laut Bahn klappbare Armlehnen, praktische Klapptische und Ladesteckdosen an allen Sitzen. Im Mittelwagen gibt es der Bahn zufolge einen Bereich für Eltern und Kinder – mit bunten Sitzen, Spieltisch und Bildern. Alle Fahrzeuge sind zudem mit WLAN ausgestattet.

Das Netz Lausitz und Strecken nach Hoyerswerda

Ab Dezember 2022 bis Dezember 2035 übernimmt DB Regio Nordost das neu aufgeteilte „Netz Lausitz“. Das Streckennetz umfasst nach Bahn-Angaben insgesamt 4,3 Millionen Zugkilometer.
Diese Linien sind Teil des Lausitz-Netzes:
RE 10: Leipzig – Falkenberg (Elster) – Cottbus – Frankfurt (Oder)
RE 11: Leipzig – Falkenberg (Elster) – Ruhland – Hoyerswerda
RE 13: Cottbus – Senftenberg – Elsterwerda
RB 43: Falkenberg (Elster) – Cottbus – Frankfurt (Oder)
RB 49: Cottbus – Senftenberg – Falkenberg (Elster)
Nicht Teil des Lausitz-Netzes sind:
RE 15: Dresden – Großenhain – Ruhland – Hoyerswerda
RE 18: Dresden – Großenhain – Ortrand – Ruhland – Senftenberg – Cottbus
Weitere Verbindung für Hoyerswerda:
RB 64: Hoyerswerda – Niesky – Görlitz (Anbieter: Odeg)