Mütterpflege
: Ute Richter plant Vortrag und Ausbildung in Falkenberg

Die dienstälteste und einzige Mütterpflegerin in Sachsen möchte einen besonderen Mutterschutz in der Elbe-Elster-Region etablieren. Was genau steckt dahinter?
Von
Isabell Hartmann
Falkenberg
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Ute Richter, hier gemeinsam mit Bestsellerautor Hermann Scherer, der den internationalen Speaker Slam in Dresden organisiert hat.

Ute Richter, hier gemeinsam mit Bestsellerautor Hermann Scherer, der den internationalen Speaker Slam in Dresden organisiert hat.

Ute Richter
  • Ute Richter, Sachsens einzige Mütterpflegerin, plant Vorträge und Ausbildung in Falkenberg.
  • Sie möchte besonderen Mutterschutz in der Elbe-Elster-Region etablieren.
  • Ihre eigene Geburtserfahrung und Depression führten sie zur Mütterpflege.
  • Kritisiert fehlende Vorbereitung auf Geburt und Mutterwerden, fordert bessere Nachsorge.
  • Kontakt mit AWO, plant Vortragsreihe, sucht Interessierte, auch Männer, für die Ausbildung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ute Richter ist nicht nur Sachsens dienstälteste Mütterpflegerin, sondern auch die einzige im Bundesland. Die gebürtige Falkenbergerin hat es sich zur Aufgabe gemacht, frisch gebackene Mütter in ihrer oft herausfordernden Zeit zu unterstützen. In Dresden, wo sie seit Jahren lebt, hat sie am 30. Januar 2025 beim 1. Internationalen Speaker Slam in Dresden-Radebeul mit ihrem Vortrag „Mütterfürsorge nach der Geburt“ das Publikum beeindruckt.

Der Speaker Slam ist ein internationaler Wettbewerb, bei dem Teilnehmer in nur vier Minuten ihre Botschaft präsentieren müssen. Ute Richters Botschaft lautete: „Die Geburtenrate könnte steigen, wenn die Lebensqualität nach der Geburt verbessert wird“. Dieses Thema will sie jetzt auch in der Elbe-Elster-Region bekannt machen.

In Deutschland sind Mütterpflegerinnen anerkannte Fachkräfte, deren Arbeit durch den Berufsverband MDEV Mütterpflege Deutschland e.V. reguliert wird. Die Leistungen einer Mütterpflegerin werden oft privat finanziert oder durch soziale Unterstützungssysteme abgedeckt. Ute Richter betont jedoch, dass Mütterpflegerinnen keine Hebammen ersetzen sollen. Vielmehr sei es wichtig, die Frauen zu Hause zu unterstützen, gerade wenn keine Hebamme zur Verfügung steht.

Von der Elektromonteurin zur Mütterpflegerin: Ein ungewöhnlicher Weg

Ihr Weg zur Mütterpflegerin begann für sie selbst mit einer traumatischen Geburtserfahrung, die sie in eine schwere Depression stürzte. Ihre tiefgreifenden Erfahrungen weckten in ihr den Wunsch, anderen Frauen zu helfen. „Aus Wunden wurden Wunder“, sagt sie heute. Ursprünglich ausgebildete Elektromonteurin, fühlte sie sich nach den schwierigen Erlebnissen nur noch mit ihrem Kopf verbunden, nicht aber mit ihrem Körper. Dies motivierte sie, als Tagesmutter zu arbeiten und schließlich Mütterpflegerin zu werden.

Nach einem Umzug nach Gießen in Hessen und der Begegnung mit einer Lehrhebamme, die sie zur Mütterpflegerin ausbildete, zog Ute Richter nach Dresden. Ihr Ziel war es, näher bei ihrer Familie in Falkenberg zu sein und die Mütterpflege in der Region zu etablieren. Seitdem setzt sie sich unermüdlich für die Unterstützung von Müttern ein und arbeitet eng mit Hebammen zusammen, um deren Empfehlungen umzusetzen. „Schonen Sie sich!“ – Dafür sorgt die Mütterpflegerin im Haushalt, beim Essen zubereiten und beim Kopf hoch, „Mama, das wird schon“-Trösten.

Nach ihrer Ausbildung gründete Ute Richter 2017 die erste deutschlandweite Filiale der Schule für Mütterpflege in Dresden. Obwohl die Schule 2020 wegen der Corona-Pandemie geschlossen wurde, arbeiten inzwischen zunehmend mehr Mütterpflegerinnen im Bundesland. Ihr Berufsverband setzt sich dafür ein, dass Mütterpflege ein gesetzlich geregelter Ausbildungsberuf wird. „Frauen sollten nicht nur Zugang zu Wissen haben, sondern auch Empathie und Körpergespür entwickeln und leben“, betont sie.

Kritik an fehlender Vorbereitung auf Geburt und Mutterwerden

Sie beklagt zudem die fehlende Vorbereitung auf Geburt und Mutterwerden und will das in Zukunft weiter thematisieren: „Es gibt immer noch zahlreiche Probleme, berichten mir viele Mütter. Internationale Forschungen haben die Prävalenz von Geburtstrauma in Deutschland und die psychologischen Auswirkungen auf werdende Mütter deutlich gezeigt. Die Ergebnisse veranschaulichen, dass Geburtstrauma weit verbreitet ist und psychologische Unterstützung für werdende Mütter sehr wichtig ist.“ Auch die Nachsorge sei entscheidend. „Als Tagesmutter entwickelte ich Mitgefühl für andere und mich selbst“, erklärt die Mütterpflegerin.

Zukunftsvisionen und Engagement in Falkenberg

Ute Richter steht derzeit in Kontakt mit der AWO Sozialstation in Falkenberg, um auch in dieser Region Mütterpflegerinnen auszubilden. Erstmal plant sie jedoch eine Vortragsreihe im Haus des Gastes zu halten. „Ich denke, die Umsetzung erfolgt in den nächsten Monaten“, fügt sie hinzu. Sie sucht Interessierte, idealerweise aus Pflegeberufen, die die Mütter tatkräftig vor, während und nach der Geburt unterstützen.

Ihr Wunsch ist, dass sich auch Männer ausbilden lassen, da es immer mehr Väter gäbe, die in Elternzeit gehen. „Junge Familien im Ganzen, also auch Väter, würden von der Mütterpflege profitieren“. Ihre Vision ist eine gemischte Wohnform der Generationen zur gegenseitigen Unterstützung. „Es braucht einen neuen Aufbruch und ernsthafte Umsetzung des Mutterschutzgesetzes“, fordert sie.

Informationen zum Netzwerk der Mütterpflege:

- Interessierte können sich an das Verena Netzwerk der Mütterpflege wenden

- Dies ist eine ehrenamtliche Initiative, die Frauen im Wochenbett unterstützt. Es wurde von Frauen für Frauen gegründet und bietet eine Community, in der sich Mitglieder gegenseitig unterstützen können.

- Das Netzwerk hilft Müttern, indem es ihnen bei alltäglichen Aufgaben wie Kochen, Einkaufen, Kinderbetreuung und Haushaltsarbeiten hilft. Es gibt auch emotionale Unterstützung durch Gespräche und ein offenes Ohr für die Sorgen und Freuden der Mütter.

- Das Netzwerk ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv und organisiert sich über regionale WhatsApp-Gruppen und Instagram.