Wahl in Guben 2024
: Die Wahlvorschläge sind bestätigt – darauf kommt es jetzt an

Die Sitze in der Stadtverordnetenversammlung Guben werden am 9. Juni 2024 neu vergeben. Und sie sind heiß umkämpft.
Von
Bernd Töpfer,
Kathleen Weser
Guben
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Sitzung der Ratsrunde in Guben. Sie wird sich mit dem Urnengang im Juni 2024 verändern. Die Wahlvorschläge für die nächste Stadtverordnetenversammlung sind jetzt bestätigt, die Einspruchsfrist läuft. (Archivfoto)

Daniel Schauff

Zur Kommunalwahl treten in Guben mehr Kandidaten an, als sich zuletzt um die Mandate für die Ratsrunde beworben hatten. Der Wahlausschuss hat jetzt die Weichen gestellt. Noch aber läuft die Einspruchsfrist zu den Wahlvorschlägen für die nächste Stadtverordnetenversammlung.

28 Plätze sind in der Ratsrunde für Guben zu vergeben. Außerdem werden die Bürgervertretungen für die Ortsteile, die Ortsbeiräte, gewählt.

Ein Mann kann sich bei diesem Urnengang entspannt zurücklehnen: Bürgermeister bleibt Fred Mahro (CDU). Er steht bei dieser Wahl nicht zur Debatte. Mahro ist im Jahr 2018 für acht Jahre als hauptamtliches Stadtoberhaupt bestimmt worden. Die Geschicke von Guben führt er nach dem erklärten Verzicht auf eine Bewerbung um ein Landtagsmandat damit weiter. Mit welchen Vorgesetzten, das haben etwa 13.000 wahlberechtigte Bürger der Stadt zu entscheiden. Die Stadtverordnetenversammlung ist die Legislative, die gesetzgebende Gewalt – auch der Kommune. Der Bürgermeister ist mit der Verwaltung, die er führt, der Vollziehende.

Welche Parteien und politische Vereinigungen treten in Guben an?

Für die Kommunalwahl in Guben gibt es zwölf Wahlvorschläge:

  • die Alternative für Deutschland (AfD)
  • die Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)
  • die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
  • Die Linke
  • FDP
  • Bündnis 90/Grüne
  • die Gruppe Unabhängiger Bürger Spree-Neiße (GUB-SPN)
  • Gemeinsam für Guben (GFG)
  • Wir Gubner Bürger (WGB)
  • Freie-Gubner
  • und zwei Einzelkandidaten

Insgesamt werden 86 Personen auf den Wählerlisten stehen. Das ist das Ergebnis der Wahlausschuss-Sitzung, das sich innerhalb der Einspruchsfrist aber noch ändern kann.

Damit treten mehr Kandidaten als zur Wahl für die noch laufende Legislaturperiode an. Vor vier Jahren waren es 79 Bewerber um die Sitze in der kommunalen Ratsrunde. Das bestätigt Wahlleiterin Nadine Städter.

Guben steht vor neuen Herausforderungen

Die Stadt an der Lausitzer Neiße hat im Strukturabbruch in den 1990er-Jahren extrem gelitten. Junge Menschen, vor allem Frauen, haben Guben verlassen – weil sie nur jenseits der Heimat einen guten Job und damit eine neue Lebensperspektive finden konnten. Noch immer wird Guben als „stark schrumpfende und alternde Gemeinde in einer strukturschwachen Region“ geführt. Das ist statistisch betrachtet noch immer korrekt. Denn mehr als die Hälfte der Einwohner ist älter als 53 Jahre – mit steigender Tendenz. Der Anteil der über 80-Jährigen liegt bei mehr als acht Prozent. Die Einkommen sind eher unterdurchschnittlich. Die gebliebenen betagten Menschen zufriedenzustellen und im Ort weiter gut zu versorgen, ist viele Jahre die große Priorität auch der Stadtpolitik gewesen.

Doch Guben hat die Kehrtwende von der schrumpfenden zur wieder aufblühenden Stadt eingeleitet. Im mit dem Kohleausstieg begonnenen Lausitzer Strukturwandel nimmt Guben eine beeindruckende Entwicklung: Der Wirtschaftsstandort an der Neiße wird immer stärker. Zum Trevira-Werk, dem einzigen vollstufigen Filamentgarnhersteller in Europa als industrieller Platzhirsch, und dem Unternhmen ATT Polymers als Produzent von Polyamid 6-Granulat für die Automobilbranche kommen Neuansiedlungen. Die Bifi-Fabrik des amerikanischen Fleischsnack-Herstellers Jack Link`s ist im Bau. Das kanadisch-deutsche Unternehmen Rock Tech Lithium, das in Guben batteriefähigen Lithiumhydroxid für die Elektro-Batterien herstellen will, steht in den Startlöchern. Die chinesische Firma Botree Cyling, die Batterien recyceln will, plant eine Ansiedlung in Guben.

Wahl entscheidet über Erfolg des eingeschlagenen Weges

Mehrere Hundert neue Jobs entstehen in der Stadt an der Neiße. Von der Hilfskraft über Facharbeiter bis zu Ingenieuren ist die Nachfrage am Arbeitsmarkt schon aktuell. Und Guben macht sich schick für Zuzügler, die diese Arbeitsplätze besetzen und auch die Stadt wieder verjüngen und beleben können.

Keine Kleinstadt in der Lausitz ist in der Wirtschaft schon so international aufgestellt wie Guben. Ohne Arbeitskräfte ausländischer Herkunft geht hier nichts mehr.

Die Stadt an der Neiße hat sich erfolgreich auf einen Weg begeben, der den Lausitzer Nachbarn großen Respekt und auch anerkennenden Neid abringt. Doch Guben ist noch nicht am Ziel. Mit der Kommunalwahl werden auch Weichen für die Zukunft gestellt. Die Programme der Parteien und Wählergruppierungen liegen größtenteils vor. Den Kandidaten können die Bürger in den nächsten Wochen gehörig auf den Zahn fühlen – um die richtige Wahl für ihre Stadt zu treffen beim Urnengang im Juni. Der Wahlkampf ist spätestens jetzt eröffnet.

*In einer früheren Version des Textes fehlte die FDP