Demo in Guben: Bürger und Unternehmer zeigen Flagge – ohne Ausländer geht nichts
Guben ist dabei, sich zu verändern. Seit der Wende hat sich die Einwohnerzahl der Kleinstadt fast halbiert. Jetzt investieren internationale Unternehmen in der Stadt. Guben wächst als Wirtschaftsstandort und will das auch als Lebensmittelpunkt der Beschäftigten.
Das chinesische Unternehmen Botree Cycling will in Guben bald Batterien recyceln. Das US-amerikanische Unternehmen Jack Link`s will in die erste Werkhalle zur Produktion von Bifi-Snacks einziehen. Rock Tech Lithium, ein deutsch-kanadisches Unternehmen, hat sich Guben für den ersten Lithium-Konverter Europas ausgesucht. Und der Kunstgarne-Hersteller Trevira hat mit Indorama Ventures PLC eine thailändische Mutter.
Die Alternative für Deutschland (AfD), die Zuwanderung nach Deutschland deutlich reduzieren will und Ausländerhass in ihren Reihen pflegt und duldet, ist in Guben präsent. Bei der Bundestagswahl 2021 gaben mehr als 29 Prozent der Wählerinnen und Wähler ihre Erststimme an AfD-Kandidaten. Bei der Wahl der Stadtverordnetenversammlung 2019 wurde die AfD stärkste Kraft.
Wie in anderen Städten in der Umgebung formiert sich jetzt auch in Guben der Protest gegen rechts und für eine offene und demokratische Gesellschaft. Die Initiative „Guben bleibt bunt“ ruft am Sonntag (11. Februar) um 14 Uhr zu einer Kundgebung am Gubener Dreieck auf. Auf der Bühne werden Sprecher des Deutschen Gewerkschaftsbundes und des örtlichen Krankenhauses, dem Naëmi-Wilke-Stift, erwartet. Auch Bürgermeister Fred Mahro (CDU) soll kommen.
Der CDU-Ortsverband und die Gruppe unabhängiger Bürger (GUB) haben sich dem Aufruf zur Demo nicht angeschlossen. Ortsansässige Unternehmen indes haben ihr Logo unter den Aufruf zur Demo gesetzt.
Warum Unternehmen eine offene Stadt brauchen
Grundsätzlich haben Gubener Unternehmer positiv auf die Anfrage nach Unterstützung zur Demo reagiert, erzählt ein Sprecher von „Guben bleibt bunt“. Einige aber wollten ihr Logo nicht auf dem Veranstaltungsflyer sehen, aus Angst vor negativen Reaktionen bei ihrer Kundschaft.
Für die Unternehmer, die den Aufruf unterstützen, geht es neben dem Einsatz für eine offene Gesellschaft und demokratische Werte auch ganz praktisch um ihre Mitarbeiter. Gunnar Geilich, Inhaber eines Gerüstbau-Unternehmens in Guben, sagt: „Niemand im Handwerk kommt nur noch mit deutschen Mitarbeitern aus. Ich bin angewiesen auf meine Leute aus Polen und aus Gambia.“ Geilich führt den Gubener Betrieb seit 1990 und beschäftigt 15 Mitarbeiter und Lehrlinge.
Neben den ortsansässigen Betrieben unterstützt auch das Naëmi-Wilke-Stift den Aufruf zur Kundgebung. „Jede und jeder, egal aus welchem Land jemand ursprünglich kommt, trägt dazu bei, dass hier in Guben gesundheitliche Versorgung für alle Menschen möglich ist“, erklärt der Rektor des Krankenhauses, Markus Müller.
Die Nachfrage nach gut ausgebildeten Arbeitskräften dürfte in Guben in Zukunft noch steigen. Einige hundert Mitarbeitende werden Bifi, Bortree Recycling und Rock Tech an ihren Standorten in Guben brauchen. Einige dieser neuen Fachkräfte werden aller Voraussicht nach auch aus dem Ausland kommen.
Demo in Guben, alle nötigen Infos
► Unter dem Motto „Gesicht zeigen für Demokratie, Menschlichkeit und Solidarität“ ruft die Initiative Guben bleibt bunt zu einer Demo in Guben auf.
► Treffpunkt ist um 14 Uhr am Dreieck in Guben
►Neben Guben finden Sonntag, den elften Februar um 15 Uhr auch in Lauchhammer eine Demo unter dem Motto „Nie wieder ist jetzt“ statt.



