Nachruf: Bewegendes Gedenken an Trebendorfer Ortsvorsteher Reiner Brauer
Mit einer Schweigeminute und einer bewegenden und sehr emotionalen Ansprache ist während der Sitzung des Amtsausschusses Döbern-Land dem Trebendorfer Ortsvorsteher Reiner Brauer gedacht worden. Der 74-Jährige, seit vielen Jahren Mitglied im Ausschuss, war vor wenigen Tagen in seinem Heimatort von einem Auto angefahren und dabei tödlich verletzt worden.
Reiner Brauer war seit Jahrzehnten kommunalpolitisch engagiert
Seit Jahrzehnten war Reiner Brauer, gelernter Landmaschinenschlosser, kommunalpolitisch aktiv. Anfangs als Gemeindevertreter und stellvertretender Bürgermeister, seit 1996 durchgehend als Ortsbürgermeister. Seit der Eingemeindung nach Wiesengrund im Jahr 2003 als Ortsvorsteher. Zudem engagierte er sich im Amtsausschuss Döbern-Land.
Brauer kannte sich aus, mischte überall mit, war Vorsitzender der Jagdgenossenschaft, Mitglied der Feuerwehr, stellvertretender Vorsitzender des Dorfclubs. „Es gibt nur einen Verein, in dem ich nicht Mitglied bin, das ist die Frauen-Gymnastikgruppe“, verriet er einmal der Lausitzer Rundschau.
Reiner Brauer war Zusammenhalt wichtig
„Er war immer derjenige, der sich um einen Konsens bemüht hat“, sagt Döberns Bürgermeister und Amtsausschuss-Vorsitzender Jörg Rakete. „Nicht, dass er den Streit generell abgelehnt hätte, sondern er war es oft, der den kühlen Kopf behalten hat.“ Reiner Brauer habe sich dabei nie in den Vordergrund gedrängt, sondern immer darum bemüht, dass ein Grundzusammenhalt erreicht werden konnte.
„Wenn er etwas wichtiges mitteilen wollte dann gab es von ihm keine SMS, sondern noch einen handschriftlichen Brief“, erinnert sich Rakete. „Ich war regelmäßig bei ihm, wir haben viel geredet und dabei vereinbart, dass diese Dinge unter uns bleiben. Darauf konnte man sich verlassen.“
Reiner Brauer hatte ein gutes Verhältnis zu den jungen Leuten
Beeindruckend sei für ihn gewesen, dass Reiner Brauer auch auf den Rat von Jüngeren gehört habe. Überhaupt hatte der Trebendorfer Ortsvorsteher einen sehr guten Draht zu den jungen Leuten, vor allem in seinem Dorf. Marian Weiß, damals Jugendklubchef, verriet einmal gegenüber der Lausitzer Rundschau: „Wir sind froh, dass wir so einen Ortsvorsteher haben, der sich so für uns einsetzt. Er kümmert sich in allen Lebenslagen, klingelt überall und sucht, wer was helfen kann. Da ziehen wir alle einen sehr großen Hut vor ihm.“
So habe sich Brauer nicht nur dafür eingesetzt, dass Trebendorf eine Kita bekomme, habe dafür gesorgt, dass sich einige junge Familien in dem kleinen Ort ansiedeln. Auch für die neue Schule in Döbern, die derzeit gebaut wird, habe er den Grundstein gelegt.
„Er hat diesen großen Konflikt, den es anfangs um den Schulneubau gab, entschärft und für einen Zusammenhalt unter den Gemeinden gesorgt“, sagt Rakete. „Es wäre schön gewesen, hätte er die neue Schule in ihrer Gänze und mit Kindern und Lehrern gefüllt, noch erleben dürfen“, so Rakete.
Reiner Brauers Telefon klingelte oft bis in die Nacht
„Bei mir ist jeden Tag Sprechtag“, hatte Reiner Brauer einmal dem Reporter der Rundschau verraten. Selbst nachts um 22.30 Uhr hätten ihn schon Hilferufe ereilt, um Lärm zu beenden, Streitigkeiten zu schlichten und bei Kummer zu trösten.
Auch vor ein paar Wochen noch klingelte das Telefon beim Ortsvorsteher bis weit in den späten Abend hinein. Der Grund: Das Amt hatte die Gebührenbescheide für den Winterdienst verschickt, die Anwohner wurden mit zum Teil doppelt so hohen Gebühren wie bisher zur Kasse gebeten. Die Verwaltung hatte es dabei versäumt, die Gründe für die Erhöhung zu erklären. „Das“, so monierte Reiner Brauer, „hätte man den Bürgern in ein paar kurzen Erläuterungssätzen mit den Gebührenbescheiden mitteilen können.“
Reiner Brauer war respektiert und geachtet
„Es war Ruhe im Amtssaal, wenn Reiner Brauer gesprochen hat“, schildert Jörg Rakete noch eine Beobachtung. Es habe jeder hingehört. „Und ich hatte immer das Gefühl, dass jedem, egal welcher politischer Grundhaltung oder welchen Alters, es wichtig war zu erfahren, was Reiner Brauer sagt, welche Meinung er vertritt und welche Vorschläge er unterbreitet.“
Denn dem Trebendorfer habe eines besonders am Herzen gelegen: „Dass wir alle gut unser Leben gemeinsam führen können.“

