Kanone in Forst
: Taucher heben schweres Geschütz aus der Neiße

In der Neiße bei Forst ist erstaunlich gut erhaltenes Kriegsgerät entdeckt worden. Was es mit dem Geschütz auf sich hat und wie die Bergung vonstattenging.
Von
Marcel Laggai
Forst
Kriegsgerät in der Neiße

In der Neiße bei Forst (Lausitz) wurde erneut schweres Kriegsgerät aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Nun wurde es geborgen und versetzt die Fachleute ins Staunen.

Enrico Schnick/KMBD
  • In der Neiße bei Forst wurde eine sowjetische 76-mm-Regimentkanone M1943 geborgen.
  • Taucher befreiten das Geschütz vom Schlick, danach hob ein Großkran die Kanone aus dem Fluss.
  • Der Zustand erstaunt Fachleute – Stahlbau und drehbare Räder sind gut erhalten.
  • Laut Behörde bestand keine Gefahr; die Kanone kam zunächst nach Kummersdorf.
  • Bereits zuvor gab es Funde bei Forst – 2025 ein Protzenwagen, 2024 heikle Minensprengungen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Neiße gibt ihre totbringende Vergangenheit nur nach und nach preis: Mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist bei Forst (Lausitz) erneut Kriegsgerät aus dem Grenzfluss geborgen worden.

Diesmal handelt es sich nicht um rostige Munitionsreste oder unscheinbare Metallteile. Spezialisten haben im aktuellen Fall eine erstaunlich gut erhaltene sowjetische Kanone aus dem Wasser geholt. Ein Fund, der selbst erfahrene Fachleute staunen lässt. Besonders die letzten Kriegstage hatten Forst und die Region schwer gezeichnet.

Die Neiße wurde damals zu einer blutigen Trennlinie zwischen Wehrmacht und Sowjetischer Armee. Die Kämpfe waren erbittert, die Verluste auf beiden Seiten enorm. Bis heute stößt man entlang des Flusses immer wieder auf Relikte dieser Zeit. Doch der aktuelle Fund ist besonders.

Kampfmittelbeseitigungsdienst hebt Kanone aus Neiße bei Forst

Wie Enrico Schnick vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Zentraldienstes der Polizei Brandenburg sagt, handelt es sich um eine 76-mm-Regimentkanone des Typs M1943 sowjetischer Bauart. Entdeckt wurde das Geschütz demnach bei geplanten Arbeiten am Gewässer.

Wie genau die Arbeiter aber auf die Waffe im Wasser aufmerksam wurden, ist bislang zumindest nicht bekannt. Fest steht, dass die Bergung alles andere als Routine war. Nach Angaben von Schnick mussten Taucher den Einsatz mehrere Tage lang vorbereiten.

Zunächst wurde die Kanone unter Wasser mit technischem Gerät weitgehend von Sand und Schlick befreit. Erst danach konnte ein Großkran anrücken. Dann ging es laut Schnick aber recht schnell. Das Geschütz wurde mit Gurten angehangen, aus der Neiße gehoben und im Abschluss abtransportiert.

Kanone

Sprengmeister Enrico Schnick vom Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) mit der 76-mm-Regimentkanone des Typs M1943 sowjetischer Bauart, die nun bei Forst (Lausitz) aus der Neiße geborgen wurde.

Enrico Schnick/KMBD

Bemerkenswert ist dem Kampfmittel-Spezialisten zufolge vor allem der Zustand der Waffe. Weil die Regimentkanone nahezu vollständig aus Stahl besteht, hat sie das jahrzehntelange Wasserbad in der Neiße erstaunlich gut überstanden. Selbst die Räder hätten sich noch gut gedreht, berichtet Schnick.

Eine unmittelbare Gefahr für Anwohner oder Passanten habe zu keinem Zeitpunkt bestanden, betont derweil die Behörde. Laut Informationen ist die Kanone nun zunächst nach Kummersdorf zum Munitionszerlegebetrieb gekommen. Dort wird sie vorerst zwischengelagert. Genau dorthin war bereits ein anderer spektakulärer Fund aus der Neiße gebracht worden.

Im September 2025 war bei Forst nämlich ein sowjetischer Artillerie-Protzenwagen geborgen worden. Der zweirädrige Wagen war noch voll bestückt und quasi einsatzbereit. Unter anderem fanden die Spezialisten 20 Artilleriegranaten russischer Bauart sowie eine größere Menge Infanteriemunition. Schon damals war von einer Sensation die Rede.

Nun legt die Neiße also erneut ein Kriegsgeheimnis offen. Für Fachleute sind solche Funde hochinteressant. Für viele Anwohner sind sie vor allem beunruhigend. Denn die Relikte des Krieges liegen nicht nur im Fluss, sondern auch im Boden. Besonders im Ortsteil Bademeusel werden immer wieder Waffen und Munition entdeckt.

Wie heikel solche Einsätze sein können, zeigte sich im November 2024 in Groß Bademeusel. Damals mussten zwei Splitterminen vom Typ S35 noch vor Ort gesprengt werden, weil eine sichere Bergung nicht möglich war. Schnick hatte seinerzeit erklärt, diese Minen reagierten äußerst sensibel auf Druck und Zug. Deshalb wurde ein 300-Meter-Sperrkreis eingerichtet. Alle Bewohner in diesem Bereich mussten ihre Häuser verlassen und wurden vorübergehend in der Sporthalle des Ortsteils untergebracht.

Der neue Fund bei Forst ist damit weit mehr als eine spektakuläre Bergung. Er ist ein weiteres Echo aus den letzten Kriegstagen an der Neiße. Und er erinnert daran, dass der Krieg in der Landschaft bis heute Spuren hinterlassen hat, die immer wieder ans Licht kommen.