Munition in Forst
: Granaten in der Neiße gefunden – was damit passiert ist

Gefährliche Altlasten: In Forst-Keune hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst Granaten und einen Artilleriewagen aus der Lausitzer Neiße geborgen.
Von
Antje Posern
Forst
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Enrico Schnick (rechts), Sprengmeister beim Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg, untersucht das Erdreich in Groß Bademeusel bei Forst mit einem Metalldetektor, um weitere Waffen und Munition auszuschließen.

Rund um Forst wird immer wieder Munition aus dem Zweiten Weltkrieg geborgen. Hier Enrico Schnick (r.), Sprengmeister beim Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg, bei Untersuchungen in Groß Bademeusel bei Forst. Er hat auch den jüngsten Einsatz in Forst-Keune geleitet. (Archiv)

Marcel Laggai
  • In Forst-Keune wurden 20 russische Artilleriegranaten und Infanteriemunition aus der Neiße geborgen.
  • Ein versunkener sowjetischer Artillerie-Protzenwagen wurde ebenfalls aus dem Fluss gehoben.
  • Munitionsfunde in Brandenburg nehmen ab, doch das Land bleibt Spitzenreiter bei Verdachtsflächen.
  • 2024 wurden 340 Tonnen Kampfmittel entdeckt; die Räumung kostete Brandenburg 12,8 Mio. Euro.
  • Die Stadt warnt: Munition niemals berühren, Verdachtsfälle sofort der Polizei melden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In und um Forst (Spree-Neiße) werden immer wieder Granaten und andere Munition aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Vor einigen Tagen musste der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg nach Hinweisen aus der Bevölkerung im Ortsteil Keune anrücken.

Dort war Munition in der Lausitzer Neiße vermutet worden. Der Verdacht habe sich bei der Untersuchung durch die Spezialisten bestätigt, teilt die Forster Stadtsprecherin Susanne Joel mit. Die Kampfmittel wurden ihren Angaben zufolge in Zusammenarbeit mit einer Fachfirma geborgen. Da sie transportfähig waren, mussten sie nicht an Ort und Stelle neutralisiert werden, wie beispielsweise bei einem Fund in Groß Bademeusel.

Gefahr in der Neiße: Artilleriegranaten in Forst geborgen

Insgesamt seien unter anderem 20 Artilleriegranaten russischer Bauart sowie eine größere Menge
Infanteriemunition geborgen worden, informiert Susanne Joel. „Diese befanden sich auf einem im Fluss versunkenen Artillerie-Protzenwagen sowjetischer Bauart“, ergänzt sie. Dabei handele es sich um eine universellen Munitions- und Ausrüstungsträger für leichte Geschütze, der ebenfalls
aus der Neiße an Land gebracht wurde.

Die Stadt Forst weist ausdrücklich darauf hin, dass bei Munitionsfunden stets äußerste Vorsicht geboten sei. „Kampfmittel dürfen keinesfalls eigenständig berührt oder bewegt werden“, appelliert Susanne Joel. Verdachtsfälle seien umgehend der Polizei zu melden.

Brandenburg Spitzenreiter bei Kampfmittel-Verdachtsflächen

In ganz Brandenburg sind im Jahr 2024 rund 340 Tonnen Kampfmittel gefunden worden – von am meisten Handwaffenmunition, gefolgt von Granaten und Raketen. Das geht aus einer Bilanz des Kampfmittelbeseitigungsdienstes hervor, die das Innenministerium Ende 2024 veröffentlicht hat. Das seien im Vergleich zum Jahr 2023 zwar rund 230 Tonnen Kampfmittel weniger, doch nach wie vor sei Brandenburg bundesweit Spitzenreiter im Vergleich der Kampfmittelverdachtsflächen, hieß es aus Potsdam. Die Kampfmittelräumung kostete das Land Brandenburg bis Ende November 2024 12,8 Millionen Euro.

Die Oder-Neiße-Linie gehört zu den lokalen Schwerpunkten bei der Kampfmittelsuche. Ein Grund dafür sind die Frontverläufe zwischen der Neiße und der Stadt Cottbus in den letzten Zügen des Zweiten Weltkriegs.