Coronakrise: Warum Spree-Neiße kaum Corona-Details verrät

Michael Koch, Leiter des Dezernats für Soziales, Gesundheit, Jugend, Bildung und Kultur des Landkreises Spree-Neiße, begründet den zurückhaltenden Umgang des Kreises mit Corona-Fallzahlen.
Katrin KunipatzIn den letzten Tagen häuften sich die Anfragen in der Rundschau-Redaktion über konkrete Corona-Fallzahlen für die Stadt Forst. „Ich war gerade beim Einkaufen, die Leute waren dort sehr unvernünftig, viele haben keinen Abstand gehalten“, schilderte eine Leserin am Telefon die Sitiuation in einem Supermarkt. Offenbar sei ihnen der Ernst der Lage nicht bewusst, ergänzte sie. Was möglicherweise auch daran liege, so ihre Mutmaßung, dass bislang über Erkrankungen in der Stadt kaum etwas bekannt sei.
Selbst Forster Bürgermeisterin muss passen
Wieviele Corona-Erkrankte gibt es derzeit in Forst? Bei dieser Frage muss selbst die Forster Bürgermeisterin Simone Taubenek (parteilos) passen. „Wir kennen die Zahlen nicht“, sagte sie vor ein paar Tagen.
Der Grund: Der Landkreis Spree-Neiße gibt bislang lediglich Informationen über Erkrankte im gesamten Landkreis preis. Michael Koch, Dezernent und Beigeordneter, begründet diese Strategie: „Der erste Fall einer Infektion in Forst führte dazu, dass der Name des Betroffenen innerhalb von Stunden bekannt war. Leider entwickelte sich dann ein Sturm von Anfeindungen.“ Ein Forster Unternehmer hatte vor ein paar Wochen über die Plattform Facebook selbst seine Erkrankung öffentlich gemacht.
Der Landkreis sei bemüht, so Koch weiter, die Sicherheit aller Bürger, aber auch den Datenschutz im Auge zu behalten. „Bislang haben wir deshalb keine detaillierten Angaben zu den infizierten Personen gemacht. Sie wurden unter Quarantäne gestellt und diese wurde auch kontrolliert“, so Koch.
Spree-Neiße ändert Umgang mit Informationen
Mit Zunahme der erkrankten Personen werde jetzt ein anderer Ansatz im Umgang mit der Information der Öffentlichkeit möglich sein. „Ich gehe davon aus, dass wir in der nächsten Woche genauere Angaben veröffentlichen können“, so der Dezernent.
Andere Städte und Landkreise sind in dieser Frage von Beginn an wesentlich offener in der Kommunikation. Neben Alter und Geschlecht gibt es beispielsweise von der Stadt Cottbus regelmäßig Angaben zum Wohnort, aber auch zur möglichen Infektionsquelle.
Mit Stand vom 3. April gab es im Spree-Neiße-Kreis 49 bestätigte Infektionen und damit zwei mehr als am Vortag. Zwei Personen befanden sich in stationärer Behandlung. 150 in angeordneter Quarantäne. 26 wurden in der Statistik als geheilt geführt.