„Seit dem 2. Weltkrieg hat es keine Situation gegeben, die so außergewöhnliche Maßnahmen verlangt“, meint die Forster Bürgermeisterin Simone Taubenek angesichts der Corona-Krise. Wobei die Verbreitung des Virus wohl nicht mehr verhindert, aber doch verlangsamt werden kann.

„Es geht darum, so viel Menschenleben wie möglich zu schützen. Deutschlandweit gibt es rund 30 000 Betten mit Beatmungsgeräten. Wir müssen jetzt alles tun, damit es nicht gleichzeitig 100 000 oder 200 000 schwere Coronafälle gibt“, begründet die Bürgermeisterin das Maßnahmenpaket ihrer Stadt. Wobei es in Forst bisher zwar eine Reihe infizierter Personen, aber noch keinen Schwerstkranken gibt.

Coronavirus: Schulen und Sportstätten in Forst geschlossen

Die wohl schwerwiegendste Maßnahme, die die Bürgermeisterin auf eine Pressekonferenz vorstellte, ist die Schließung der Schulen, Kitas und Horte ab 18. März - nach jetzigem Stand bis zum 19. April.

Das wird flankiert von der Schließung aller öffentlichen Einrichtungen - wie der Museen, der Bibliothek oder der Sportstätten. Nur Spielplätze würden vorerst zugänglich bleiben

„Wir können nicht Schulen schließen und gleichzeitig treffen große Menschenmengen in ihrer freien Zeit zusammen“, begründet die Bürgermeisterin.

Weiter arbeiten dürfen Tagespflegepersonen, da dieses nur sehr kleine Kindergruppen betreuen. Zudem wird - unter engen Voraussetzungen - von der Stadt die Betreuung von Kindern bis zur 6. Klasse gewährleistet. Dafür müssen die Eltern in der sogenannten „kritischen Infrastruktur“ arbeiten.

Wer gehört zur kritischen Infrastruktur in Forst?

Dazu gehörten beispielsweise die Gesundheitsbranche, Polizei, Feuerwehr, Energie- und Wasserversorgung, der Lebensmitteleinzelhandel aber auch die Landwirtschaft. „Kühe müssen jeden Tag gemolken werden. Wir können die Tiere nicht siechen lassen“, so Simone Taubenek.

Die Betreuung in diesen „kritischen“ Berufsgruppen wird allerdings nur für Kinder alleinstehender Eltern gewährt, oder wenn beide Eltern in kritischen Bereichen tätig sind.

„Wir haben uns zudem entschlossen, auch die Kinder zu betreuen, deren Eltern in der Freiwilligen Feuerwehr sind“, sagt Simone Taubenek.

Zu dem Ablauf der Schulschließung und zu den Betreuungsmöglichkeiten hat die Stadt einen Elternbrief verschickt. Das Formular auf Betreuung muss von Arbeitgeber und Arbeitnehmern unterschrieben werden.

Coronavirus: Forst behält sich Prüfung vor

„Wenn die Leiter der Einrichtungen den Antrag akzeptieren, werden wir am 18. März kein Kind zurückweisen“, erklärt Sven Zuber, Leiter der städtischen Koordinierungsgruppe zur Corona-Bekämpfung. Allerdings behalte sich die Stadt in strittigen Fällen eine Prüfung vor. Das betrifft auch die freien Träger.

Die Stadt hat sich bewusst entschlossen, alle Schulen und Kitas für die Betreuungsangebote offen zu halten. „Wenn die Kinder dezentral untergebracht sind, müssen wir nicht alles schließen, wenn doch bei einem Corona auftritt“, so Simone Taubenek.

Coronavirus: Einschnitte bei Verwaltung in Forst

Im Bereich der Verwaltung gibt es ebenfalls rigorose Einschnitte. So werden die Sprechzeiten ausgesetzt. Die Verwaltung ist im Prinzip nur noch telefonisch oder per E-Mail zu erreichen. Ausgenommen sind nur solche Bereiche wie das Ordnungsamt, wo Mitarbeiter weiter im öffentlichen Raum ihren Aufgaben nachgehen.

In Absprache mit Daniela Reuter, der Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung (Fraktion „Gemeiensam für Forst“), werden bis zum 17. April auch keine Ausschusssitzungen mehr stattfinden.

Abgesagt sind zudem Veranstaltungen wie der Frühjahrsputz am 25. März, der Zukunftstag am 26. März oder der Feuerwehrball am 28. März.

Coronavirus: Feiern über 50 Personen in Forst unerwünscht

Bei Trauungen werden, bis 3. Mai, nur schon angemeldete Termine durchgeführt. „Ich appelliere an alle Hochzeitspaare, nicht mit mehr als 50 Personen zu feiern“, erklärt die Bürgermeisterin. Das gleiche gelte für Beerdigungen, wobei dies schon ein sehr schwerer Einschnitt sei. Grundsätzlich werden Vereine und andere Organisationen gebeten, die Notwendigkeit all ihrer Termine kritisch zu prüfen.

„Es sind Entscheidungen nötig, die weh tun werden“, fasst die Bürgermeisterin zusammen und betont, dass aus ihrer Sicht das Ende der Aktionen wohl noch nicht erreicht sei. Die Koordinierungsgruppe bespreche mit ihr täglich die Lage, um bei Bedarf schnell reagieren zu können.

Coronavirus: Forst will Firmen helfen

Im Rahmen ihre Möglichkeiten will die Stadt auch die hiesige Wirtschaft unterstützen. Eine entsprechende Anfrage des Gewerbevereins liegt vor. Großen Spielraum für eigene finanzielle Hilfen an die Unternehmen in der Stadt sieht die Bürgermeisterin allerdings nicht. Sie hofft auf konkrete Informationen, wie die Hilfen von Bund und Land organisiert werden sollen.

Auf die Frage, wie es denn nach dem 19. April weitergehen soll, antwortet Simone Taubenek: „Da müssen wir auf Sicht fahren. Entweder ist die Seuche eingedämmt, oder es gibt weitere Maßnahmen.“

Informationen zu aktuellen Maßnahmen der Stadt online unter www.forst-lausitz.de oder am Notruftelefon 03562/989289.