Affenzoo Jocksdorf bei Forst: Was Dietmar Woidke und die verklaute Luise verbindet

Die Rhesusäffin Luise, das Patentier von Dietmar Woidke im Affenzoo Jocksdorf, hat Geschichte im Mini-Tierpark geschrieben.
Angela HanschkeRudi, das kecke Weißbüscheläffchen im Jocksdorfer Affenzoo hat nun Paten. Vier Monate ist der jüngste Spross des kleinen Tierparkes jetzt jung. Für den Namen haben Katrin Fischer und ihre Söhne Jan (10) und Aiven (7) aus Forst bei einer Versteigerung 200 Euro investiert. Geboten haben Tierfreunde aus ganz Brandenburg und Niedersachsen. Das Trio aus Forst hat das Rennen in Euro-Scheinen gewonnen – will sich aber länger engagieren.
„Wir haben im Laufe der Jahre eine enge Bindung zum Affenzoo aufgebaut. Jan ist schon regelmäßig hier, seit er ein Baby war“, berichtet die Mutter. Der Entschluss steht fest: „Solange Rudi hier in Jocksdorf lebt, bekommt er von uns auch einen monatlichen Verpflegungszuschuss von zehn Euro“, sagt Katrin Fischer.

Für Aiven und Jan Fischer aus Forst ist das Weißbüscheläffchen Rudi, das Patenkind der Familie, der Hit.
Angela HanschkeMit der Patenschaft vor Ort ist die Familie aus Forst sichtlich glücklich. Und Tierpflegerin Sybille Mai ist es auch. Denn Vollpatenschaften wie diese für Weißbüschel Rudi sind sehr rar in Jocksdorf. Dabei leben mehrere hundert Tiere in dem Affenzoo, der in Vereinsregie geführt wird. Hier leben neben Affen und Halbaffen auch Emus, Kängurus, Schildkröten und Fasane. Viele sind noch namenlos und haben auch keine Paten.
Der lustige Fehlgriff des prominenten Tierpaten Woidke
Einen lustigen Fehlgriff hat übrigens ein sehr prominenter Pate verzeichnet: Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) lebt in Forst und hat – damals noch als Minister für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg – ein Rhesusaffenmädchen unterstützt. Die kleine Dame hat die Leviten vom Paten aber nicht wirklich gelesen bekommen. Denn erzieherischer Einfluss auf die Äffin ist nachweislich fruchtlos geblieben.
Wegen ihrer zupackenden Vorliebe für die Brillen und den Schmuck der Besucher ist das Affenmädchen als die verklaute Luise in die Jocksdorfer Zoogeschichte eingegangen. Wobei sie sich an der Sehhilfe ihres Paten übrigens nie vergriffen haben soll. Vor der verklauten Luise musste jedoch ausdrücklich gewarnt werden. Der Affenvater hat Zirkusblut. Das Geschicklichkeits-Gen hat er wohl an die Affentochter weitergegeben. Sie hatte einer Besucherin die Zuchtperlenkette entwendet. Auch in Einkaufstüten fassten Luises kleine Hände blitzschnell und auch unbemerkt. Die Erfahrung war schließlich, dass sich in den raschelnden Plastebeuteln meist etwas Leckeres finden ließ. Dietmar Woidke hatte die Patenschaft über die Äffin übrigens in dem Wissen über deren einnehmendes Wesen übernommen.

Tierpflegerin Sybille Mai (r.) überreicht der Familie aus Forst die Patenurkunde für Rudi, das Weißbüscheläffchen.
Angela HanschkeDie Tierpatenschaft im Zoo vor der Haustür
Tierpatenschaften wie diese helfen bundesweit vielen Zoos. Die freiwillig übernommene Fürsorgepflicht ist verbunden mit regelmäßigen Geldzahlungen der Paten an einen Zoo – wie hier – oder eine Tierschutzinstitution. Für die Kinder Jan und Aiven ist die Fütterung in der Familie Weißbüschel ein besonderes Ereignis. Tierpflegerin Sybille Mai erklärt den Kindern alles. Familie Fischer kann und will ihren tierischen Patenjungen regelmäßig besuchen, sein Wohlergehen und seine Entwicklung jederzeit aktiv mitverfolgen.
Guter Rat: Das ist bei Tierpatenschaften zu beachten
Tierpatenschaften, mit denen Menschen einem Tier fern des nächstgelegenen Zoos etwas Gutes tun wollen, sind auch mit Vorsicht zu genießen. Das rät das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI). Gemeinsam mit Finanztest der Stiftung Warentest haben sie Empfänger geprüft. Das Ergebnis: Die meisten Tierschutzorganisationen und Zoos, die Patenschaften anbieten, setzen die damit verbundene Spende nicht nur für ein einzelnes Tier ein – auch wenn sie zuvor mit konkreten Fällen um die Patenschaft gebeten haben.
Nur eine Organisation, der Bund gegen Missbrauch der Tiere, hat das Geld eigenen Angaben zufolge ausschließlich für den ausgewählten Vierbeiner verwendet. Bei den anderen Patenschaften im Test sei das Angebot hingegen eher ein Türöffner. Das Geld diene dann dazu, auch andere Tiere derselben Art regelmäßig zu versorgen. Oder es werde Projekte zum Schutz der natürlichen Lebensräume eingesetzt. Der Test stammt vom Dezember 2023. Nach dem vorbildlichen Bund gegen Missbrauch der Tiere haben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und die Deutsche Umwelthilfe am besten abgeschnitten. Beide Umweltorganisationen haben laut Finanztest eine mittlere bis hohe Transparenz und legten den Testern ihre Finanzen offen.
Potenzielle Tierpaten sollen sich im Vorfeld genau informieren. Der Tipp der Finanztester dazu: Bei der Auswahl einer Tierpatenschaft soll geprüft werden, ob die Organisation auf ihrer Internetseite umfassend über die Projekte informiert, ihre Einnahmen und Ausgaben angibt, Leitung und Kontaktadressen nennt und auch einen aktuellen Jahresbericht veröffentlicht. Die Kosten pro für Verwaltung und Werbung müssen getrennt ausgewiesen sein.
