Winkel feiert 725 Jahre
: Als die Schweden Kinder aus dem Dorf geklaut haben

Vom 30-jährigen Krieg bis zum Hubschrauberabsturz – was in Winkel in mehr als 700 Jahren alles passiert ist. Und wie am Wochenende drei Jubiläen gefeiert werden.
Von
Veit Rösler
Winkel
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Ein kleines Dorf mit großer Geschichte – Winkel feiert am Wochenende am 05. und 06. Juli drei große Jubiläen – 725 Jahre Ersterwähnung – 50 Jahre Steinerne Chronik und 25 Jahre Glockenturm – Mit schöner Bevölkerungsexplosion und dramatischen Flugzeugabstu: Ein kleines Dorf mit großer Geschichte – Winkel feiert am Wochenende am 05. und 06. Juli drei große Jubiläen – 725 Jahre Ersterwähnung – 50 Jahre Steinerne Chronik und 25 Jahre Glockenturm – Mit schöner Bevölkerungsexplosion und dramatischen Flugzeugabsturz 
- Ausgerechnet am heißesten Tag des Jahres wurden die schweren und warmen Kostüme zur Vorbereitung der 725 Jahre Ersterwähnung anprobiert

Ein kleines Dorf mit großer Geschichte. Winkel begeht am Wochenende gleich drei Jubiläen. Ausgerechnet am heißesten Tag des Jahres, wurden die schweren und warmen Kostüme in Vorbereitung der Feierlichkeiten anprobiert.

Veit Rösler
  • Winkel feiert 725 Jahre: Ersterwähnung 1300, 50 Jahre Steinerne Chronik, 25 Jahre Glockenturm.
  • Festprogramm: Umzüge, Ausstellungen, Comedy, Tanz und historische Szenen im Festzelt.
  • Highlight: Darstellung des Kinderraubs durch Schweden im 30-jährigen Krieg.
  • Tragödie 1996: Bundeswehr-Hubschrauberabsturz mit drei Todesopfern.
  • Historische Fakten: Kloster Dobrilugk besiedelte Region ab 1185; Winkel erstmals als „Winkil“ erwähnt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das war heiß! Zum Höhepunkt der Hitzewelle haben am Mittwochabend (2. Juli) Einwohner von Winkel ihre warmen und schweren Kostüme anprobiert. Denn die Uhr läuft, weil an diesem Wochenende gleich drei Jubiläen begangen werden: die Ersterwähnung vor 725 Jahren, 50 Jahre Steinerne Chronik und 25 Jahre Glockenturm. Die Besucher dürfen sich darauf freuen.

„Es war einmal vor 725 Jahren ein kleines, zähes Flachlandvolk. Es hatte es sehr schwer, die kargen Böden zu bearbeiten und das ohne Strom, ohne Motoren, ohne elektrisches Licht, ohne Kühlschrank, ohne Handy, kein Google und keine KI“, wird es zur Eröffnung im großen Festzelt hinter dem alten Gemeindeamt heißen.

Große Festumzüge mit vielen Fahrzeugen aus der ganzen Region gab es in dem kleinen Ort zuletzt 1975 zur 675-Jahr-Feier und zur dreitägigen Regenschlacht im Jahr 2000, als die Ersterwähnung vor 700 Jahren ein Grund zum Feiern war. Diesmal soll es nur einen kleinen Umzug im großen Festzelt geben, in den die Winkler allerdings jede Menge Herzblut investiert haben. Dabei werden alle wichtigen Eckpunkte der Geschichte des Ortes penibel in Szene gesetzt, quasi 725 Jahre auf zwei Stunden komprimiert.

Einen großen Umzug kann sich Winkel nicht mehr leisten

„Einen großen Umzug, noch dazu auf der Bundesstraße, können wir uns in diesen Zeiten nicht leisten. Zu viele Auflagen und dadurch zu teuer“, lässt Jens Uhlemann (58) vom Vorbereitungskomitee durchblicken. Das Fest hat es trotzdem in sich. Am Sonnabend (5. Juli) wird zunächst um 10 Uhr an der Steinernen Chronik deren halbes Jahrhundert gefeiert. Danach geht es zu dem nur halb so alten Glockenturm, wo um 10.45 Uhr in einer Andacht Gottes Segen von Pfarrer Michael Seifert empfangen werden kann. Im Dorfgemeinschaftshaus werden danach gleich zwei Ausstellungen mit alten Fotos sowie mit Utensilien aus der DDR-Geschichte eröffnet.

Beweissicher wurde Winkel im Jahr 1300 erstmalig erwähnt. Der Nachweis ist ein Schriftstück, das auf den 2. September 1300 datiert ist. Damals wurde Winkel als „Winkil“ geführt. Mit diesem Dokument wurde das Mahlrecht in den Mühlen zu Wahrenbrück von Otto von Ileburg erkauft. Eine Siedlung muss es also schon lange vorher gegeben haben. Doch weiter zurückliegende Dokumente gibt es nicht oder sie wurden in noch keinem Archiv entdeckt.

Der alte Ritter Ileburg, dessen Vorfahren schon 1228 das Kloster Mühlberg gestiftet haben, muss 300 Jahre gelebt haben, könnte man meinen. Denn so lange taucht der gleiche Name in verwandtschaftlicher Folge immer wieder in den Chroniken auf.

Als Mönche die Gegend um Dobrilugk besiedelten

Bereits 1185 besiedelten die Mönche an der Kleinen Elster in Doberlug das moorige Land. Sie machten die Gegend urbar, rodeten Wälder, legten sumpfige Niederungen trocken und bewirtschafteten das Land. Es entstand das Kloster Dobrilugk. Im Jahr 1300 gehörtem zum Kloster nahezu 60 Orte, auch Winkel.

Trotz seiner geringen Größe hat Winkel manch ein Detail der Weltgeschichte und damit auch sehr unruhige Zeiten erlebt. Selbst der 30-jährige Krieg machte um das Dorf keinen Bogen. Es hält sich die Erzählung, dass die seinerzeit ungeliebten, weil eingefallenen Schweden in den ländlichen Gegenden Kinder geraubt haben. Dazu soll es auch eine Szene in der Geschichtsdarstellung während der Feierlichkeiten geben.

Ein kleines Dorf mit großer Geschichte – Winkel feiert am Wochenende am 05. und 06. Juli drei große Jubiläen – 725 Jahre Ersterwähnung – 50 Jahre Steinerne Chronik und 25 Jahre Glockenturm – Mit schöner Bevölkerungsexplosion und dramatischen Flugzeugabstu: Ein kleines Dorf mit großer Geschichte – Winkel feiert am Wochenende am 05. und 06. Juli drei große Jubiläen – 725 Jahre Ersterwähnung – 50 Jahre Steinerne Chronik und 25 Jahre Glockenturm – Mit schöner Bevölkerungsexplosion und dramatischen Flugzeugabsturz 
- So könnte es im 30- Jährigen Krieg ausgesehen haben. Die Schweden haben an vielen Stellen Kinder geraubt

Auch wenn es solche Wagen bei den alten Schweden nicht gegeben hat, soll diese Szene den einstigen Kinderraub der Besatzer darstellen.

Veit Rösler

„Die schönsten Ereignisse“, so Jens Uhlemann, „gab es 1964.“ In jenem Jahr wurden in der seit 1905 geführten Registratur sieben Kinder geboren, fünf Jungen und zwei Mädchen. Sozusagen eine Art Bevölkerungsexplosion, denn der Durchschnitt lag zu DDR-Zeiten bei zwei bis drei Kindern im Jahr.

Ursache für den Kindersegen in Winkel vermutet

Die Winkler, als Karnevalisten immer mit einem zwinkernden Auge unterwegs, führen diesen positiven Ausrutscher auf den schlechten Empfang des Westfernsehens im Jahr 1963 zurück. Heute ist genau das Gegenteil der Fall. Eine Medien- und Informationsflut überrollt die Menschen. Sie haben kaum noch Zeit. Die Folge: Die Geburtenrate ist auf ein Kind im Jahr gesunken.

Der Ort hat in der Neuzeit aber auch ein traumatischstes Ereignis erleben müssen. Am 20. Mai 1996 sorgten ein Feuerball und ein lautes Krachen für ein jähes Ende der Winkler Ruhe. Etwas war vom Himmel gestürzt. „Ich saß im Büro. Draußen brüllte irgendwer Feuer, Feuer!“, erinnert sich Jens Uhlemann. Die ganze Straße lag voller Trümmer. Nur noch ein Motorblock und Rotorblätter waren als Teile eines Fluggerätes zu erkennen. An jenem Nachmittag gegen 14.30 Uhr war ein Hubschrauber vom Typ BO 105 der Bundeswehr abgestürzt. Dabei kamen alle drei Besatzungsmitglieder ums Leben.

Winkel feiert

Sonnabend: 10 Uhr Steinerne Chronik, 10.45 Uhr Andacht am Glockenturm, 11.30 Uhr Eröffnung der Bilder- und der DDR-Ausstellung, 12 Uhr dampfende Gulaschkanone, 14 Uhr Kaffeetafel, 14.30 Uhr Winkel im Wandel der Zeit, 16 Uhr DDR-Comedyshow, 19 Uhr Tanz in die Nacht, 20 Uhr Auftritt Winklischer Carnevalclub und 21 Uhr  „Die Rotkäppchens“.

Sonntag: 11 Uhr Bauernolympiade, 11.30 Uhr Gulaschkanone und mehr, 14.30 Uhr Kaffeetafel, 15 Uhr lustige Modenschau „Omi, wie sahst du früher aus?“, 16 Uhr Dorfquiz, 17 Uhr Siegerehrung im Kegeln, Bierglasschieben und Glücksrad und 17.30 Uhr musikalischer Ausklang.