Kein Böllern und auch kein Paukenschlag in Saxdorf. Die Mitglieder des Kunst- und Kultursommer Saxdorf halten es wie die Pflanzen. In aller Ruhe entwickeln sie neue Kraft.
Jörg Schuster, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, setzt dabei eine Tradition fort, die die verstorbenen Gartenschöpfer Hanspeter Bethke und Karlheinz Zahn begründet haben. Er schreibt den Mitgliedern des Vereins einen Brief. Jörg Schusters beginnt so: „Von den Herren Bethke und Zahn gab es um diese Zeit des Jahres einen maschinengeschrieben Brief, in dem launisch das Geschehen des zurückliegenden Jahres reflektiert wurde. Dazu gab es noch individuelle handschriftliche Ergänzungen, die den Adressaten meist nahe legten, rasch mal wieder in Saxdorf aufzutauchen.“ Der Vizechef hält die Grüße zum Jahreswechsel aufrecht. Jetzt aber moderner, als E-Mail. „Nun sind wir es, die die Geschicke des Gartens und der Kultur in Saxdorf übernommen haben und andere ermuntern, mal wieder zu Besuch zu kommen“, schreibt er und Stolz klingt durch, wenn er konstatiert: „In Saxdorf wird durchgeblüht und deshalb gibt es weder einen Saisonauftakt noch ein Saisonende.“
Musikalische Begrüßung in der Kirche in Saxdorf: Andreas Pöschl und Steffi Marschner als besondere Gesangsschüler.
Musikalische Begrüßung in der Kirche in Saxdorf: Andreas Pöschl und Steffi Marschner als besondere Gesangsschüler.
© Foto: Jürgen Weser
Für viele Besucherinnen und Besucher sind die Frühblühertage Anfang März der erste Anlass nach Saxdorf zu kommen. Im Jahr 2022 war die Resonanz enorm. Viele seien durch den Garten gebummelt, hätten Pflanzen gekauft und sich an Imbiss und Kuchen gelabt. Der Vereinskasse habe das sehr gutgetan! Die milde Witterung lässt bereits jetzt den Garten langsam neu erwachen. In diesem Jahr finden die Frühblühertage am 4. und 5. März statt.

Glücksfall: Einstiger Kulturamtsleiter im Unruhestand

Dass Saxdorf auch 2022 immer wieder im Gespräch war, dafür hat vor allem Andreas Pöschl gesorgt. Der ehemalige, nun im Ruhestand befindliche Kulturamtsleiter hat sich nämlich nicht zur Ruhe gesetzt. Er ist Mitglied des Vereins geworden, gab, so Jörg Schuster „2022 sein Debüt mit einem fulminanten Programm. Fast alle Veranstaltungen waren ausverkauft!“ Er sei es auch gewesen, der ein engagiertes Team von Helferinnen mitgebracht habe, das sich um die Versorgung der Konzertgäste kümmerte. Katrin Brunk, „die gute Seele des Vereins“, wie der Vizechef würdigt, sorge sich um alle diesbezüglichen Arbeiten. Viel Arbeit finde, nicht sichtbar für die Gartenbesucher, hinter den Kulissen statt. Der Vereinsvorsitzende Klaus-Peter Manig pflege die regionalen Netzwerke und die Technik, Finanzerin Jana Hirschnitz halte das Geld zusammen, Andreas Rothe kümmere sich noch immer um den Nachlass der beiden Gartenschöpfer. Die attraktive Webseite pflegt Jörg Schuster.
Höhepunkte gab es im zurückliegenden Jahr einige. Der wohl besondere war die Eröffnung der neuen Dauerausstellung. Kurator Andreas Pretzel sei es wunderbar gelungen, den Werdegang Saxdorfs als Ort der Gartenkultur zu vermitteln. Immer wieder würden Besucher ihre Wertschätzung äußern. Bundesweit noch bekannter sei der Garten durch die Künstlerin Marisa Benjamim geworden, die mit ihrem Projekt „Diesseits von Eden“ essbare Blumen und Kräuter künstlerisch verarbeitete.

Emotional: 30 Ehrenamtliche an einer langen Tafel im Garten

Einen besonderen Termin gab es im August. An einer langen Tafel hatten fast 30 Ehrenamtliche Platz genommen. Ein hausgemachtes Menü in sechs Gängen war ein Dankeschön für ihre fortwährende, unentgeltliche Hilfe. Auch dort sorgte Andreas Pretzel mit seinem Vortrag zur Entwicklung des Gartens und mit Episoden aus dem Leben von Bethke und Zahn für Ergriffenheit. „Für viele Beteiligte waren das Gänsehautmomente, sich als Teil eines mehr als 50-jährigen, großartigen Projekts zu fühlen und dieses in die Zukunft zu tragen“, sagt Jörg Schuster in Erinnerung an diesen Tag. Dem Wunsch, solche Begegnungen öfter zu ermöglichen, wolle der Verein Rechnung tragen.
Nicht mehr lange und dann wird es wieder so aussehen: Die Märzenbecher blühen prächtig im Saxdorfer Pfarrgarten.
Nicht mehr lange und dann wird es wieder so aussehen: Die Märzenbecher blühen prächtig im Saxdorfer Pfarrgarten.
© Foto: Frank Claus
Dabei sei der Verein offen für weitere Gleichgesinnte: „Wir freuen uns über weitere Ehrenamtliche, die uns im Garten, bei den Konzerten, beim Verkauf von Kaffee und Kuchen oder mit Wochenenddiensten unterstützen. Nehmen Sie gern mit uns Kontakt auf“, sagt er. Der Garten ist in guten Händen. Damit das so bleibt, habe der Verein beschlossen, ab Februar einen Profi als Gärtner einzustellen. Es ist Franz Heitzendorfer der schon im zurückliegenden Jahr auf Honorarbasis im Garten gearbeitet, den Verein überzeugt und sich in Saxdorf verliebt habe. Unterstützt von Dana Dietrich werde er dem Garten künftig die Pflege geben, „die er verdient hat und den Bestand behutsam ergänzen“, so Jörg Schuster. Etwas Sorge bereite die Absicherung der Wochenenddienste. Jeder, der sich einem Garten verpflichtet fühle, könne helfen. Dabei gehe es vor allem um die Aufsichtspflicht im Garten. Wer von etwas weiter anreise, könne sogar im Pfarrhaus übernachten.
Andreas Pöschl habe ein neues, nicht minder anspruchsvolles, Programm für 2023 schon in Sack und Tüten. Der Programmflyer ist in Vorbereitung und online können Interessierte schon mal ins Programm schauen unter www.saxdorf.de.
Der Garten ist pünktlich zum neuen 1.1. ins neue Jahr gestartet. Wenn die Witterung so bleibt, werden die ersten Schneeglöckchen das neue Jahr grüßen. Die ersten Christrosen zeigen bereits Blüten.

Kultur im Jahr 2023 im Pfarrgarten

29. März: LiteraTour: Andrej Hermlin stellt sein Buch „My Way“ vor und wird mit seinem Sohn David Swing-Standards präsentieren.
10. April: Ostermontagskonzert mit Natalia Lentas (Piano) und Jana-Sophia Gebhardt (Sopran).
29. Mai: Pfingstmontagskonzert mit Uschi Brüning und Christian von der Goltz.
18. Juni: Zauber der Rosen - bezaubernde Bläsermusik mit emBRASSment.
2. Juli: Stephan Hilsberg (Piano) & Johannes Przygodda (Cello) sowie Gastspiel des „Duos Infernale“ mit Dirk Zöllner.
20. August: Sommerentdeckungen: „Vom Rascheln im Wind“ – Vokalmusik mit dem Ensemble „Cantorianer“.
24. September: Abschlussveranstaltung des Internationalen Puppentheaterfestivals im Elbe-Elster-Land.
3. Oktober: Konzert zum Nationalfeiertag mit Andreas Göbel am Flügel.