Hund in Hohenleipisch
: Dogge Boja im Wald entsorgt – so geht es ihr heute

Eine ehemalige Züchterin aus Hohenleipisch ist als Ratgeberin nach wie vor gefragt. Hundehalter kommen bis aus Sachsen. Der Fall von Hund Boja schockiert.
Von
Veit Rösler
Hohenleipisch
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Ferienbeginn = Ende der Freundschaft zwischen Mensch und Tier - Ausgesetzte Dogge findet neue Heimat und wieder Vertrauen zu Menschen: Ferienbeginn = Ende der Freundschaft zwischen Mensch und Tier - Ausgesetzte Dogge findet neue Heimat und wieder Vertrauen zu Menschen
- Züchterin im Ruhestand Gudrun Tempel (83) aus Hohenleipisch mit Hundehalterin Simone Zobel (48) und Charly Zobel (9) mit der aufgegriffenen Deutschen Dogge Boja

Die ausgesetzte Deutsche Dogge hat ein neues Zuhauses mit viel Liebe bei Simone Zobel und ihrer Tochter Charly gefunden. Aufgrund der vermuteten traumatischen Erlebnisse des Hundes suchen die Pirnaer Rat bei der ehemaligen Züchterin Gudrun Tempel (l.) in Hohenleipisch.

Veit Rösler
  • Deutsche Dogge Boja wurde traumatisiert in einem Wald bei Großröhrsdorf ausgesetzt.
  • Hund fand ein neues Zuhause bei Simone Zobel und Tochter Charly in Pirna.
  • Ex-Züchterin Gudrun Tempel aus Hohenleipisch hilft bei der Betreuung des Tiers.
  • Experten schätzen, dass jährlich 50.000–80.000 Tiere in Deutschland ausgesetzt werden.
  • Peta warnt: Aussetzen von Tieren ist strafbar – Geld- oder Freiheitsstrafen drohen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Bald beginnen die großen Ferien, in Brandenburg am 24. Juli. Dann heißt es für viele Tiere: Abschied nehmen von Frauchen und Herrchen und der geliebten Familie. Im Idealfall übernehmen Nachbarn, Freunde, Verwandte oder eine zu bezahlende Pflegestelle die Urlaubsversorgung.

In nicht wenigen anderen Fällen, wie in jenem der Deutschen Dogge Boja, werden die nunmehr lästigen Haustiere vor dem Abflug einfach ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen. Es betrifft vor allem Katzen und Hunde. Mit etwas Glück können sie sich ein paar Tage in der Wildnis durchschlagen, bis sie eingefangen im Tierheim landen oder dem Jagdrecht zum Opfer fallen. Viele müssen sich gegen Fressfeinde, insbesondere Artgenossen durchsetzen und sich ihre Nahrung in ungewohnter Weise erkämpfen.

Hund in Hohenleipisch: Boja war lange Zeit allein unterwegs

Wie bei der Dogge Boja können Tiere seelische Schäden davontragen, die nicht selten bis zum Lebensende anhalten. Körperliche Leiden können hinzukommen. Die neuen Besitzer haben es dann sehr schwer.

Die vierjährige Boja könnte in einem Wald unweit der sächsischen Gemeinde Großröhrsdorf ausgesetzt worden sein. So genau lässt sich das nicht sagen. Denn als der große Hund aufgegriffen worden war, ließ sein Zustand darauf schließen, dass er eine lange Zeit herrenlos unterwegs gewesen sein muss.

Züchterin aus Hohenleipisch vermutet der Hund wurde ausgesetzt

Gudrun Tempel aus Hohenleipisch ist noch immer entsetzt darüber, dass so ein Tier einfach in der ihm fremden Natur freigelassen wird. Die 83-jährige Züchterin ist davon überzeugt, dass der Hund nicht weggelaufen ist, sondern dass ihn der Besitzer auf diese Art loswerden wollte.

Der große, schwarze Hund war dem Tierschutz Bischofswerda gemeldet worden. Er hatte offensichtlich die Nähe von Menschen gesucht – vorsichtig zumindest. Denn er ist beim Überqueren vieler Straßen gesehen worden. Um ihn einfangen zu können, wurde er zunächst mit Futter gelockt. Das misslang. Offenbar hatte er mit manchen Menschen schlechte Erfahrungen gemacht. Polizei und Ordnungsamt wurden schließlich informiert.

Für ihre Zuchtergebnisse bei Doggen hat Gudrun Tempel aus Hohenleipisch auch international Anerkennung erhalten.

Für ihre Zuchtergebnisse bei Doggen hat Gudrun Tempel aus Hohenleipisch auch international Anerkennung erhalten.

Veit Rösler

Gudrun Tempel war viele Jahre eine leidenschaftliche Doggenzüchterin. Ihr Rat wird bis heute geschätzt. Die ausgebildete Lehrerin für Deutsch, Geschichte, Staatsbürgerkunde, Französisch und Russisch ist geübt im Umgang mit Tieren. Von 1988 bis 2010 hat sie mit viel Hingabe Deutsche Doggen gezüchtet. In ihrem Hobbyraum in der Bahnhofstraße in Hohenleipisch stehen unzählige Pokale und hängen viele Urkunden. Mehrere Jahre war sie Landesgruppenzuchtwart und Landesgruppenchefin in Brandenburg.

Dogge in einem Wald in Sachsen einfach entsorgt

Die Dogge Boja beschäftigt sie sehr. „Wir ziehen auch in Betracht, dass der Hund von einem Züchter entsorgt worden ist, weil er als Welpe möglicherweise nicht verkauft werden konnte. Er könnte in einem Alter von nur sechs Monaten in den Wald entlassen worden sein, bis er von den Behörden eingefangen und zum Tierschutzverein gebracht werden konnte. Was er in den Monaten der Einsamkeit alles erlebt haben muss, wird nie jemand herausfinden“, sagt Gudrun Tempel. In ihrer Stimme schwingt großes Mitgefühl für das Tier.

Scheu und unsicher gegenüber Menschen, sei es für die Tierschützer in Sachsen sicher nicht leicht gewesen, die Deutsche Dogge in passende Hände zu vermitteln. Als Expertin für diese Hunderasse hat Gudrun Tempel nicht nur Kontakt zu Tierschutzorganisationen, sie kennt naturgemäß auch viele Hundehalter, die jahrelang Erfahrungen gesammelt haben.

Das gesuchte Profil für das scheue Tier passte auf Simone Zobel aus Pirna. Sie hat bereits zwei Hunde aus Hohenleipisch bezogen. Die 48-Jährige berichtet, dass es zunächst nicht einfach gewesen sei, das Vertrauen des Hundes zu gewinnen. Hier sprang ihre Tochter Charly ein. Die Neunjährige schenkte dem Tier sofort ihr Herz. Ihre Mutter berichtet, dass sie sich liebevoll und mit Hingabe bis heute dem Tier widmet.

Guter Rat aus Hohenleipisch an Tierfreunde

Charly erzählt, dass sie von ihren Eltern schon zeitig die Achtung vor Tieren beigebracht bekommen hat, egal, ob es sich um Hund, Katze oder Vogel handelt.

Die neuen Halter sind überzeugt, dass die Dogge die vormals ungekannte Zuwendung mag. Dennoch bleibt es aufgrund seiner wahrscheinlich schlechten Erfahrungen ein Tier mit Problemen, die nur ganz langsam zurückgedrängt werden können. Dabei helfen die regelmäßigen Besuche bei der erfahrenen Doggenzüchterin Gudrun Tempel in Hohenleipisch. Boja mache Fortschritte, heißt es.

Ungeduld sei aber falsch. „Das Tier darf nicht bedrängt werden. Ihm muss man viel Zeit geben. Wir wissen nicht, welchen Gefahren es im Wald ausgesetzt war und welche schrecklichen Ereignisse es geprägt haben. Man muss sehr lieb zu ihm sein, aber auch konsequent.

Dieses Hundeleben verläuft nun wieder in geordneten Bahnen. Die Dogge gewöhnt sich an die Menschen, die sie versorgen. Es ist ein tolles Tier geworden“, meint Gudrun Tempel. Sie mahnt aber auch, bei der Anschaffung von Haustieren sorgfältig vorzugehen. Jede zu erwartende Lebenssituation sollte berücksichtigt werden. „Nicht immer geht alles so gut aus“, sagt die Hohenleipischerin.

Ausgesetzte Tiere

  • Nach Angaben der Tierrechtsorganisation Peta werden in Deutschland in jedem Jahr während der Sommermonate zwischen 50.000 und 80.000 Haustiere ausgesetzt. Dabei handele es sich vor allem um Hunde, Katzen, Exoten und Kaninchen. Diese Tiere findet man dann in Wäldern, auf Feldwegen und auch an Autobahnrastplätzen.
  • Nicht wenige Tiere würden dieses Martyrium nicht überleben. Sie verdursten, verhungern, werden überfahren oder von anderen Tieren angefallen. Jeder sei aufgefordert, dort wo er unterwegs ist, genauer hinzusehen und die Fälle umgehend zu melden, um das Leben der Tiere zu retten.
  • Peta: „Grundsätzlich gilt: Wer Tiere aussetzt, begeht eine Straftat nach dem Tierschutzgesetz und muss mit einer Geld- oder sogar Freiheitsstrafe rechnen.“