In Bad Liebenwerda kennen ihn viele als Feuerwehrmann in der freiwilligen Feuerwehr. Es ist eine Berufung, die Christian Burkhardt auch zu seinem Beruf gemacht hat. Er ist bei der Berufsfeuerwehr in Hoyerswerda angestellt. Doch wer weiß schon, dass der 40-Jährige sein Herz außerdem an Bäume, Sträucher, die gesamte Natur des Waldes verloren hat? Und wer weiß, dass ihm das bereits in Deutschland, der Schweiz und in Österreich Anerkennung eingebracht hat?
Er ist Mitglied des Regionalverbandes Brandenburg des Deutschen Waldbesitzerverbandes, hat im Jahr 2019 an der Gründung der „Jungen Waldeigentümer“ im Verband teilgenommen. Und im Jahr 2020 hat er den Deutschen Waldpreis in der Kategorie „Waldbesitzer des Jahres“ gewonnen. Weitere Preise wurden in den Kategorien Forstunternehmer und Förster des Jahres von forstpraxis.de, nach eigener Aussage „das Informationsportal für Förster, Forstunternehmer und Waldbesitzer“, vergeben.

Bad Liebenwerdaer besitzt 4,5 Hektar Wald

Larissa Schulz-Trieglaff von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände hat den Bad Liebenwerdaer auf einem Rundgang durch seinen Wald begleitet und das Porträt als Pressemitteilung der Rundschau zur Verfügung gestellt:
Wer mit Christian Burkhardt durch den Wald geht, spürt ihm die Waldbegeisterung an. Er zeigt auf die jungen Bäume, die er gepflanzt hat, auf Stellen mit Naturverjüngung und auf hochgewachsene Bäume, er kann fast zu jedem Baum, an dem wir vorbeigehen, etwas sagen. Burkhardt ist Waldbauer – im wahrsten Sinne des Wortes. Seinen Wald in einer Größe von rund 4,5 Hektar hat er teils von seinem Großvater geerbt und teils vor kurzem dazugekauft. „Sich um einen Wald zu kümmern, ist etwas Großartiges“, sagt Burkhardt, „ich habe mich nie für Fußball interessiert, sondern immer nur für Wälder“. Seit er sich um dieses Stück Natur in der Nähe von Bad Liebenwerda kümmert, baut er es zu vielfältigen Mischwäldern um.
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Hohenleipisch

Bad Liebenwerdaer hat viel von seinem Großvater gelernt

Von seinem Großvater, einem Waldbauer, hat er nicht nur Teile des Waldes, von ihm hat er auch die Verbundenheit zum Wald geerbt, die einhergeht mit einem hohen Engagement und einem Gefühl der Verantwortung für die Natur. Darüber hinaus hat er von seinem Großvater viel Waldbauliches gelernt: „Der Wald ist am stabilsten je vielfältiger er ist – das war ein Leitmotiv meines Großvaters“, erklärt der 40-Jährige.
Folglich hat er die ursprünglichen Baumarten Eiche, Sandbirke und Kiefer erweitert um Edelkastanie, Elsbeere und Eberesche, Bergahorn, Weißtanne und Waldhasel, Douglasie, Lärche und Roteiche. Mit seiner Familie hat er einen Waldrand naturnah mit Schlehen, Hagebutten und Holunder umgestaltet. Der Brandenburger hat viel selbst gepflanzt und einiges der Natur überlassen. In seinen Wald sollen Fledermäuse einziehen und Vögel nisten. Dafür hat er Nistkästen oben an mehreren Bäumen angebracht und Totholz liegenlassen für seine Untermieter. Burkhardts Wald ist PEFC-zertifiziert: Er zeigt auf ein Schild, das er in seinem Wald aufgestellt hat, um deutlich zu machen, dass er sich der nachhaltigen Waldwirtschaft verpflichtet fühlt.

Domsdorf/Schmerkendorf

Bad Liebenwerdaer genießt den Wald zusammen mit seiner Familie

Zwischen seien 24-Stunden-Schichten und Bereitschaftsdiensten als Feuerwehrmann kümmert er sich um seinen Wald. Nach Feierabend pflanzt er Setzlinge mit seiner ältesten Tochter Zoe, schaut nach, wie sich die Jungpflanzen entwickeln, kontrolliert die Flächen nach Stürmen oder Starkregen, berät sich mit dem Förster oder entsorgt den Müll, den andere einfach abwerfen, und der zu einem immer größeren Problem für Waldbesitzer und Förster geworden ist. Manchmal am Wochenende nimmt der Vater von drei Töchtern seine ganze Familie mit in den Wald, um hier zu arbeiten oder einfach nur die Seele baumeln zu lassen.

Klimawandel macht den Wäldern zu schaffen

Einen Wald zu hegen und zu pflegen, bedeutet viel Arbeit und Engagement. Erst recht angesichts des Klimawandels, der mit Dürre, Trockenheit und Stürmen seit dem Sommer 2018 in den Wäldern angekommen und mittlerweile auch für den Laien sichtbar ist. Auch Christian Burkhards Wald wurde geschädigt, betroffen war vor allem der Kiefernbestand. Einen halben Hektar musste er komplett beräumen. „Das hat mir einmal mehr vor Augen geführt: Reine Kiefernbestände sind ein Auslaufmodell“, sagt der engagierte Waldbesitzer, „mit der Anpflanzung vielfältiger Baumarten stellen wir uns auf die Wetterextreme ein.“ Seine Flächen, auf denen er den Waldumbau macht, waren folglich fast nicht betroffen.
Mit Sorge beobachtet der Feuerwehrmann auch die zunehmenden und größer werdenden Waldbrände. Gerade Brandenburg ist besonders betroffen, im Jahr 2019 waren 1388 Hektar Wald von Bränden betroffen, in 2018 rund 1674 Hektar. Damit liegt fast die Hälfte der Waldbrandgebiete Deutschlands in dem östlichen Bundesland. Auch Teile seines Waldes waren vor einiger Zeit betroffen, die Bäume sind stehen geblieben, jedoch sieht man an einigen die durch Feuer schwarz gewordene Rinde.

Ein Feuerlöschbrunnen mitten im Wald

Um sich zu wappnen, hat Burkhardt einen Feuerlöschbrunnen angelegt, von dem auch die benachbarten Waldeigentümer profitieren. „Angesichts der hohen Waldbrandgefahr muss die Feuerwehr schnell über ausreichend Wasser verfügen können“, sagte der Feuerwehrmann. Darüber hinaus müssten die Zufahrtswege ausgebaut und die Feuerwehren besser ausgerüstet werden. Der Kreisbrandmeister des Landkreises Elbe Elster hat ihn zum Koordinator der Arbeitsgemeinschaft Waldbrand berufen. Als Feuerwehrmann und Waldbesitzer soll Burkhardt die Interessen von Feuerwehr und Waldbesitzern unter einen Hut bringen.
Christian Burkhardt hat nicht viel Aufhebens um seine Erfahrung gemacht und sich trotzdem gefreut, dass Brandenburgs Forstminister Axel Vogel (Bündnis 90/Grüne) ihm gratulierte. „Er hat mir gesagt, froh und stolz zu seien, den Preis endlich mal wieder in Brandenburg zu haben“, so der Bad Liebenwerdaer.

Bei Wahrenbrück entsteht ein Schulwald

Nun hat er bereits ein neues Projekt unter seinen Fittichen, eins das im bundesweit erschienenen Porträt nur kurz angerissen werden konnte. Er legt mit einigen Unterstützern unweit der Grundschule Erich Schindler in Wahrenbrück einen Schulwald an. Akteure sind vor allem, die Kinder, denen er bei Pflanzaktionen Wissen zum wald vermittelt. Mit ihnen legt er einen Walderlebnispfad an. Er hat Schautafeln befestigt und einen Mini-Jägerstand aufgebaut. „Wir errichten ein grünes Klassenzimmer, damit die Kinder Wald erleben können, Baumarten lernen und Verantwortung für die Pflege übernehmen können“, so der Waldbauer. Dass ihm die Fürst-Pückler-Baumschulen aus Zeischa 250 Bäume spenden wollen, das Leuchtturmprojekt der Brikettfabrik Louise Förderer sein möchte und sich bereits zahlreiche Eltern ins Projekt einbringen, zeige ihm: „Wir packen da was richtig Gutes an.“

Die Arbeitsgemeinschaft Deutsche Waldbesitzerverbände


- Die AGDW - Die Waldeigentümer ist eine Arbeitsgemeinschaft der 13 Waldbesitzerverbände aus den 13 waldreichen Bundesländern. Sie setzt sich für die Interessen der kommunalen, körperschaftlichen und der rund zwei Millionen privaten Waldeigentümer ein, die mit ihrer nachhaltigen Waldbewirtschaftung rund zwei Drittel der deutschen Waldfläche pflegen.

- Von den 11,4 Millionen Hektar Wald in Deutschland sind 67 Prozent Privatwald sowie Kommunal- und Körperschaftswald. Die privaten Waldeigentümer verfügen über 48 Prozent des Waldes, die Körperschaften (z.B. Kirchen) und Kommunen verfügen über 19 Prozent des Waldes, Bund und Länder über 33 Prozent.

- Neben seinen Funktionen als Kohlenstoffsenke, Klimaschützer und Erholungsgebiet ist der Wald in Deutschland ein bedeutender Wirtschaftsfaktor: Das Cluster Forst und Holz bietet rund 1,2 Millionen Menschen in fast 130.000 Betrieben Arbeit und steht für rund 180 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr.

Als eine Art Wald-TÜV ist das Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC) die weltweit größte und einzig unabhängige Institution zur Sicherstellung nachhaltiger Waldbewirtschaftung durch ein internationales Zertifizierungssystem. Waldbesitzer und Unternehmen, die sich nach dem PEFC zertifizieren lassen, machen deutlich, dass ihre Wertschöpfung auf einem ökologischen und sozialen Fundament basiert. So wird unter anderem

  • nicht mehr Holz geschlagen als nachwächst,
  • wo Bäume gefällt werden, wird wieder aufgeforstet,
  • die Artenvielfalt bleibt erhalten.