Zeitenwende on Tour in Cottbus
: Münchener Sicherheitskonferenz will mit Cottbusern reden

Mit dem Format „Zeitenwende on Tour“ lädt die Münchener Sicherheitskonferenz (MSC) Bürger in Cottbus zum Diskutieren ein. Auch die Unzufriedenheit mit deutscher Außenpolitik wird Thema sein. Gesprächspartner in Cottbus ist MSC-Chef Christoph Heusgen.
Von
Kevin Santy
Cottbus
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Mit Akteuren aus Politik und Wirtschaft über Außenpolitik reden: Am 30. Juni können Bürger in Cottbus Fragen stellen und Sorgen äußern.

MSC/Kuhlmann

Die Münchener Sicherheitskonferenz als Organisation tourt durch Deutschland und sucht das Gespräch mit Bürgern, um über die Herausforderungen zu sprechen, die der Krieg in der Ukraine verursacht. Nun kommt sie nach Cottbus. Alles, was es über das Event zu wissen gibt:

Was ist die Münchener Sicherheitskonferenz?

Die Münchener Sicherheitskonferenz ist ein Diskussionsforum für außenpolitische Themen. Es ist kein politisches Instrument, sondern kann vielmehr als Think-Tank (Denkfabrik) verstanden werden. Vertreter von Politik, Medien und Wirtschaft treffen sich jährlich in der bayrischen Landeshauptstadt, um verschiedene Lösungsansätze für die Krisen der Welt zu besprechen.

Was passiert am 30. Juni in Cottbus?

Am 30. Juni kommt die Münchener Sicherheitskonferenz mit ihrem Programm „Zeitenwende on Tour“ in das Alte Stadthaus in Cottbus. Dort will der Chef der Sicherheitskonferenz, Botschafter Christoph Heusgen, mit diskussionsfreudigen Lausitzern ins Gespräch kommen. Schwerpunkt der Diskussion soll die Frage sein, wie die sogenannte Zeitenwende Südbrandenburg und die Lausitz beeinflusst. Jeder kann sich anmelden und den Vertretern der Sicherheitskonferenz direkt Fragen stellen.

„Zeitenwende on Tour“ in Cottbus

30. Juni 2023

Altmarkt 21, Altes Stadthaus Cottbus

18 bis 20 Uhr

Was hat Cottbus mit der „Zeitenwende“ zu tun?

Für Cottbus und ganz Ostdeutschland gelten in der Diskussion um die Zeitenwende ein paar besondere Bedingungen, über die am 30. Juni gesprochen wird. Zeitenwende als Begriff wurde von Bundeskanzler Olaf Scholz geprägt und beschreibt die schlagartigen Veränderungen, die der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine auslöste. Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, nennt drei Faktoren, die Südbrandenburger Wirtschaft seitdem besonders getroffen hätten.

Gestiegene Energiekosten, gestörte Lieferketten und hohe Zinsen würden Druck auf Unternehmen machen. Eine Konjunkturumfrage hatte ergeben, dass ein Drittel der Befragten von einer weiterhin ungünstigen Entwicklung ihrer Geschäftstätigkeit ausgehen. Krüger hält die Veranstaltung als Diskussionsformat für hoch spannend, gerade in Cottbus.

Botschafter Christoph Heusgen beobachtet darüber hinaus, dass es in der Region einen besonders starken Willen gibt, Verhandlung mit Russland einzugehen und keine Waffen an die Ukraine zu liefern.

Christoph Heusgen, langjähriger Diplomat und Chef der Münchner Sicherheitskonferenz

Jörg Carstensen/dpa

Den Verhandlungsweg anzustreben, liege in der Natur der Sache, Sagte Heusgen LR.de. Dies habe auch mit historischer Verantwortung zu tun, auch dadurch, dass Nazi-Deutschland für den Tod von mehr als 20 Millionen auf sowjetischem Territorium verantwortlich ist. Auch ein Gefühl der Dankbarkeit gegenüber Gorbatschow sei hierzulande spürbar, weil der die Wiedervereinigung Deutschlands erst ermöglicht habe. Dass es auch heute noch in Ostdeutschland Sympathien für Russland gebe, sei daher gut nachvollziehbar. Einen vorsichtigen Umgang habe man lange Zeit angestrebt.

Christoph Heusgen sagt aber auch: „Putin ist kein Gorbatschow. Putin ist ein Imperialist, der versucht, das zaristische Russland wiederherzustellen.“ Dagegen müsse man anhalten.

Diese Themen und weitere werden am 30. Juni besprochen werden.

Wie kann ich teilnehmen?

Die Teilnahme ist für jeden kostenfrei möglich, solange es Plätze gibt. Hier (auf der Internetseite: securityconference/zeitenwende/anmeldung/) geht es zur Anmeldung. Dort können Interessensfelder angegeben werden, welche diskutiert werden sollten. Sie können auch bereits Fragen formulieren, die aufgegriffen werden sollen.

Wer spricht auf der Tour?

Diese Gesprächspartner kommen zur Zeitenwende-Debatte nach Cottbus:

● Vorsitzender der Münchener Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen

● Chefredakteur der Lausitzer Rundschau, Oliver Haustein-Teßmer

● Sprecher der Bundesregierung und Chef des Presse- und Informationsamtes, Steffen Hebestreit

● Senior Fellow, Forschungsgruppe Osteuropa und Eurasien, Stiftung Wissenschaft und Politik, Sabine Fischer

● stv. Vorsitzender des EU-Rechtsausschusses, Vorsitzender der EU-Türkei Delegation, Sergey Lagodinsky (Bündnis 90/Die Grünen)

● Mitglied des Ausschusses für Inneres und Heimat, Linda Teuteberg (FDP)

Wer ist Christoph Heusgen?

Christoph Heusgen ist ein erfahrener Diplomat und Dozent für Politikwissenschaft an der Universität Sankt Gallen. Seit dem Jahr 2022 ist er Vorsitzender der Münchener Sicherheitskonferenz. In den 80er Jahren arbeitete Christoph Heusgen im deutschen Konsulat in Chicago und in der deutschen Botschaft in Paris, bevor er 1988 Persönlicher Referent des Koordinators für Deutsch-Französische Zusammenarbeit wurde.

In den 2000er-Jahren leitete Christoph Heusgen leitete den Politischen Stab des Hohen Vertreters für Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU. Später beriet er Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in außen- und sicherheitspolitischen Fragen. Von 2017 bis 2021 arbeitete er als Ständiger Vertreter Deutschland bei der UN, 2018 bis 2020 saß er außerdem dem UN-Sicherheitsrat vor.