Zecken in Cottbus: Mann der Weinfreundin schwer an FSME erkrankt

Maeriaen Neuenfeldt, in Cottbus bekannt als die Weinfreundin und ihr Mann, Marco Forth-Neuenfeldt, bei ihrer Hochzeit auf dem Weingut Wolkenberg. Marco Forth-Neuenfeldt ist an FSME erkrankt.
Antje Müller- Ehemann der Vinothekinhaberin erkrankt schwer an FSME nach Zeckenbiss im August 2023.
- Nach starkem Kopfschmerz und epileptischem Anfall kommt Marco Forth-Neuenfeldt ins Krankenhaus.
- FSME führt zu schwerer Entzündung im Gehirn und Rückenmark, künstliches Koma notwendig.
- Familie erlebt große Hilfsbereitschaft während schwieriger Zeit, Spendenaufruf erfolgreich.
- Forth-Neuenfeldt bleibt pflegebedürftig, Vinothek zeitweise geschlossen, Zustand verbessert sich langsam.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es ist der Biss einer Zecke im August 2023, der das Leben von Marco Forth-Neuenfeldt und seiner Frau Maeriaen – der Inhaberin der Vinothek „Die Weinfreundin“ – total verändert. Forth-Neuenfeldt erinnert sich nicht genau, wo er die Zecke eingesammelt hat. „Es könnte bei uns hier im Eichenpark gewesen sein“, sagt seine Frau.
Etwa zwei Wochen nach dem Zeckenbiss kommt der 43-Jährige mit starken Kopfschmerzen von seiner Arbeit in einer Schmellwitzer Grundschule nach Hause. Innerhalb eines Tages verschlimmern sich die Symptome. „Mein Mann konnte sich nicht einmal mehr selbst krankmelden“, erinnert sich Maeriaen Neuenfeldt.
Wie der Biss einer Zecke das Leben des Paares verändert
Zuerst vermutet das Paar einen sehr starken Migräne-Schub und versucht, die Symptome mit Tabletten zu bekämpfen. „Gleichzeitig war das Weinfest in Branitz, bei dem ich unbedingt arbeiten musste“, erzählt die Vinothek-Inhaberin.
Seine Mutter bleibt so lange bei ihrem kranken Mann. „Da hatte er dann einen epileptischen Anfall und kam ins Krankenhaus“, erzählt Neuenfeldt. Die Ärzte vermuten eine Gehirnblutung. Glücklicherweise habe sie schnell an den Zeckenbiss gedacht, sagt die Vinothek-Inhaberin heute. Ihr Mann wird sofort ins künstliche Koma versetzt.
Einige Tage später ist klar: der Erzieher ist an der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) erkrankt. Seine Vitalwerte sind schlecht. Er muss über eine Trachealkanüle in der Luftröhre künstlich beatmet werden. Die Prognosen der Ärzte in dieser Zeit sind düster. Das Virus hat eine Entzündung im Gehirn (Enzephalitis) und im Rückenmark (Myelitis) des 43-Jährigen verursacht.
Zusätzlich zur emotionalen Belastung beginnt für seine Frau in dieser Zeit ein bürokratischer Spießrutenlauf. „Gott sei Dank sind wir verheiratet“, sagt sie heute. Eine Patientenverfügung haben die beiden damals nicht. Ohne Eheurkunde hätte ein Betreuungsgericht alle Entscheidungen über den 43-Jährigen treffen müssen.
„Ich kann heute nur allen ins Gewissen reden, sich schon im jungen Alter mit einer Patientenverfügung auseinanderzusetzen“, sagt Neuenfeldt. „Vor solch einem Schicksalsschlag ist niemand gefeit.“
Über einen Monat liegt ihr Mann im Koma. Darauf folgt eine neurologische Frühreha. Forth-Neuenfeldt ist fast vollständig gelähmt, er kann nicht sprechen, nicht schlucken. Mit Ergo- und Physiotherapie versucht er, seinen Zustand zu verbessern – über mehrere Monate. „Aber irgendwann ging es nicht mehr weiter, da war er austherapiert“, erzählt Neuenfeldt.
So meistern die Weinfreundin und ihr Mann die schwere Situation
Im März 2024 kommt der Erzieher nach Hause. Das Paar versucht den Alltag mit einer Intesivpflegehilfe zu meistern. Aber Forth-Neuenfeldt wird krank. Auf eine Lungenentzündung folgen weitere Infekte. Seine Frau bemüht sich um einen Intensiv-Rehaplatz und wird fündig. Acht Monate verbringt der 43-Jährige in einer Klinik in Sachsen. Und tatsächlich, sein Zustand verbessert sich langsam.
Im Februar 2025 kommt Forth-Neuenfeld wieder nach Hause. Aber er ist weiterhin auf den Rollstuhl und Pflege angewiesen. Für seine Frau ist klar, dass sie sich nicht gleichzeitig um ihn und die Vinothek kümmern kann. „Diese Grätsche zwischen zu Hause und dem Laden hätte ich nicht geschafft.“ Im Februar 2025 beschließt sie, „Die Weinfreundin“ für einen Monat zu schließen.
Rücklagen für den Monat ohne Einkommen hat sie kaum, Corona und die Inflation haben die meisten Ersparnisse aufgefressen. Außerdem kosten auch die Pflege und Hilfsmittel, die Forth-Neuenfeld braucht, Geld.
Diese Hilfsbereitschaft erfahren die Weinfreundin und ihr Mann in Cottbus
Da schlägt ihr eine Freundin vor, einen Spendenaufruf zu starten. „Zuerst wollte ich nicht, aber dann dachte ich: Wenn ich wenigstens die Hälfte der Ladenmiete hereinbekomme, dann wäre uns schon sehr geholfen“, sagt die Vinothek-Inhaberin.
Das Ausmaß an Hilfsbereitschaft, welches sie in den folgenden Tagen erleben, gibt dem Paar heute noch Kraft. Nach kurzer Zeit ist ein Vielfaches von dem zusammengekommen, das für die Ladenmiete notwendig ist.
Aber Mitgefühl kommt nicht nur in Form von Spenden. Neuenfeld öffnet einen großen Karton voller Briefe, Fotos, Schokolade und Glückwünschen von Nachbarn und den Grundschulkindern. Der Erzieher scheint an seinem alten Arbeitsplatz zu fehlen. „Dass wir so viel Mitgefühl erleben, ist eine der positiven Seiten der Erkrankung“, sagt Neuenfeldt rückblickend.
Auch heute, eineinhalb Jahre nach dem Zeckenbiss, muss Forth-Neuenfeldt immer wieder ins Krankenhaus, erlebt Rückschläge und schwere Phasen. Therapeuten, die ihn zu Hause behandeln, sind nur schwer zu finden. Doch der Erzieher kann seinen Körper wieder etwas bewegen. Sogar ein oder zwei Schritte am Rollator sind möglich. Aber das Sprechen fällt ihm noch immer schwer.
Das Paar versucht, optimistisch zu bleiben. Die Vinothek ist wieder geöffnet und Neuenfeldt plant die nächsten Veranstaltungen: Zum Ostersonntag lädt sie zum Brunch in die Vinothek ein. Früher hat ihr Mann bei solchen Anlässen geholfen. Heute muss die Weinfreundin das alleine stemmen.
Trotzdem: Die Erkrankung hat das Paar mehr denn je zusammengeschweißt. Und auch Forth-Neuenfeld hat Pläne: Irgendwann möchte er ein Bienenvolk anschaffen und mit dem Imkern beginnen. „Das will ich schon ewig machen“, sagt er. Natürlich langsam und mit der Hilfe seiner Frau.
FSME – wie groß ist die Gefahr in Cottbus?
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird durch Viren des Typs Tick-borne encephalitis (TBE) verursacht. Diese können durch Zecken auf den Menschen übertragen werden. Die Viren können Entzündungen in der Hirnhaut, im Gehirn und im Rückenmark verursachen. In einem Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Da es sich bei FSME um eine Viruserkrankung handelt, ist eine Behandlung mit Antibiotika nicht möglich. Durch eine Impfung ist aber ein guter Schutz gegen eine Erkrankung möglich. Im Stadtgebiet Cottbus treten derzeit nur vereinzelte Fälle von FSME auf. Aber der Spree-Neiße-Kreis und der ganze Südosten Brandenburgs zählen zum Hochrisikogebiet.

