Ob Amtsteich, Madlower, Branitzer oder Ströbitzer See oder gar Fließe im Spreewald: Niedrige Temperaturen und Dauerfrost am Tag haben Seen und Flüsse teilweise schon zu gefrieren lassen. Die Verlockung ist groß: Hält das Eis? Doch ein unbedachter Schritt aufs Eis kann in diesen frostigen Tagen lebensgefährlich sein.
Die Wasserschutzpolizei der Direktion Süd hat daher vor den Feiertagen noch einmal ausdrücklich vor dem Betreten der Eisflächen gewarnt. „Wir bitten Eltern, ihre Kinder sehr deutlich vor den damit verbundenen Gefahren aufzuklären“, sagt Polizeisprecher Ralph Meier. Es bestehe Lebensgefahr, die immer wieder auch von Erwachsenen unterschätzt werde.

Lebensgefährlicher Eis-Test

Im zurückliegenden Winter erst war auf dem Branitzer See in Cottbus ein unvorsichtiges Paar ein gebrochen. Beide wollten nach eigenen Aussagen die Festigkeit des Eises testen und wagten sich auf die zugefrorene Wasserfläche. Das ist dann gehörig schiefgegangen.
Passanten hatten nach diesem Unfall beiden geholfen, zügig aus dem Wasser zu kommen, sodass die herbeigerufenen Rettungskräfte nicht mehr eingreifen mussten. Der Branitzer See war daraufhin gesperrt worden.
Der Schein einer vermeintlich dicken Eisschicht trügt immer wieder. Und die Verlockungen sowie Abenteuerlust sind offenbar groß. Das weiß auch Elisa Buchwald von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, Stadtverband Cottbus (DLRG). „Man kann einfach nicht mit bloßem Auge erkennen, ob sich unter der gefrorenen Fläche Strömungen, warme Zuflüsse oder Wasserpflanzen befinden. Auch lässt sich nicht einschätzen, wie tragfähig das Eis an verschiedenen Stellen ist“, sagt die DLRG-Sprecherin. Aus diesem Grund werden in der Region grundsätzlich keine Seen, Flüsse oder Wasserarme offiziell zum Betreten freigegeben.

Minuten entscheiden über Leben und Tod

Die Eisstärken können sehr unterschiedlich sein, weil die Sonneneinstrahlungen und Schattenwürfe von Bäumen am Ufer Wirkungen auf die Eis-Beschaffenheit haben könnten. Einmal eingebrochen ins Eis, kann sich ein Mensch in der Regel maximal nur etwa drei Minuten über Wasser halten. Dann kann er sich aufgrund der Kälte kaum noch bewegen, weil ihn seine Kräfte verlassen. Der Kälteschock sei das größte Problem. Die Körpertemperatur verringert sich, die Gefäße werden eng. Die ersten 15 Minuten seien daher die entscheidenden Minuten für eine erfolgreiche Rettung.
Am Cottbuser Amtsteich trainiert die Feuerwehr die Rettung von ins Eis eingebrochene Menschen. Ein Rettungssteg wurde aufgeblasen, um zur Einbruchsstelle zu gelangen. Bei dem Training im Vorjahr sind mehrere Variante trainiert worden.
Am Cottbuser Amtsteich trainiert die Feuerwehr die Rettung von ins Eis eingebrochene Menschen. Ein Rettungssteg wurde aufgeblasen, um zur Einbruchsstelle zu gelangen. Bei dem Training im Vorjahr sind mehrere Variante trainiert worden.
© Foto: Michael Helbig

Eingebrochen im Eis: Reihenfolge der Rettung

Sollten Personen eingebrochen sein, sind schnelle Reaktion und zielgerichtetes Handeln von Helfern oft die einzige Chance. „Zuerst die Feuerwehr (112) oder die Polizei (110) anrufen“, sagt Polizeisprecher Meier. „Versuchen Sie eine Rettung möglichst vom Ufer aus mit einem langen Seil oder Rettungsring, einer Stange oder Leiter. Auf dem Eis legen Sie sich am besten flach auf die Fläche, um Ihr Gewicht zu verteilen“, so der Sprecher weiter.
Und Meier gibt noch einen wichtigen Hinweis: Helfern sollten die unmittelbare Einbruchsstelle, wenn möglich meiden. Dort ist das Eis besonders brüchig. Retter sollten sich daher möglichst selbst mit einer Leine sichern, wenn das irgendwie möglich ist.
Wichtig ist auch zu wissen, dass besondere Vorsicht an Brückenpfeilern, unter Brücken sowie an Stegen und im Schilfgürtel angeraten ist. Dort ist die Beschaffenheit des Eises besonders unkalkulierbar.