Weinfest in Cottbus: Branitz wird zur ersten Adresse für Lausitzer Weine

Branitz wird am 26. und 27. August zur Bühne für Lausitzer Weine.
Catrin Winn-Janetz/Stiftung Branitz, Gabriela Weidner/Andreas Franke/SFPM, Montage: Lehmann/lrFürst Pückler war ein Genießer durch und durch. Der Gutschmecker, wie er sich selbst nannte, veranstaltete zahllose Diners auf Schloss Branitz. Zu seinen Gästen zählten Könige, Prinzen und Gelehrte. Die Hautevolee flog gern in der Lausitz ein. Dabei erwies sich der Gastgeber als Connaisseur edler Tropfen. Heimische Weine taugten für ihn zu jener Zeit allerdings höchsten als Essigtrinkkur – verschrieben von seinem Leibarzt. Dabei war die Lausitz einst eine Region mit üppigem Weinanbau und überrascht heute wieder so manchen Feinschmecker.
Tatsächlich prägte der Weinbau die Lausitz mehr als 700 Jahre lang. Rheinländische und fränkische Siedler brachten das Wissen im 12. und 13. Jahrhundert in die Niederlausitz. Der erste urkundliche Nachweis stammt aus dem Jahr 1210, als die Steuer für einen Weinberg bei Schlabendorf dem Kloster Dobrilugk übereignet wurde. Lausitzer Weine – im Besonderen aus Guben, Schlieben und Senftenberg – wurden einst bis an den russischen Zarenhof geliefert. Dabei war die Lausitz nie ein eigenständiges Weinanbaugebiet; selbst heute zählen die Brandenburger Winzer zu Sachsen und lassen ihre Kunst erneut aufleben.
In Fürst Pücklers Tafelbüchern werden 62 Weine aufgelistet
Damit haben sie mit Fürst Pückler einiges gemeinsam. Der musste sich schließlich nach dem Verkauf seiner Standesherrschaft Muskau mit 60 Jahren in Branitz auch neu erfinden. Er gestaltete nicht nur einen Landschaftspark nach englischem Vorbild, sondern ließ auch das Schloss umbauen, wo er fortan immer wieder gern und groß auftafeln ließ.
Die Historikerin und Pückler-Kennerin Marina Heilmeier merkt an: „Pückler war ab Mitte des 19. Jahrhunderts als Feinschmecker so anerkannt, dass ihn Kronprinzessin Augusta von Preußen 1854 bat, ihr doch aus Paris die neuesten Kochbücher zu schicken.“ Und der Historiker Christian Friedrich erstellte anhand des Fürsten Tafelbüchern eine stattliche Liste von 62 Weinen, die zwischen 1845 und 1870 nachweislich in Branitz kredenzt wurden.
Darum konnte Fürst Pückler kaum Lausitzer Weine genießen
Künstlerin und Sängerin Anne Schierack, die immer wieder als Fürstin Lucie in Branitz auftritt, weiß: „Champagner und Weine standen jeden Tag auf seiner Tafel.“ So schrieb der Fürst über sich selbst: „Gern führe ich Wein im Munde.“ Das waren vor allem französische Tropfen, aber auch Weine von Mosel und Rhein; gelegentlich kamen sie aus Meißen. Die bestellte der Fürst bei seinen Weinhändlern in Berlin, Hamburg oder Frankreich. Und war er mit der Qualität nicht zufrieden, musste der Lieferant die Ware auf eigene Kosten zurücknehmen.
Aber warum genoss der Fürst kaum heimische Weine? Schließlich zählte die Region zu Beginn des 17. Jahrhunderts noch mehr als 200 Weinberge. Zu Pücklers Zeiten (1785 bis 1871) lag der Weinanbau in der Lausitz schlicht brach. Gründe dafür waren mehrere harte Winter im 18. Jahrhundert und die Napoleonischen Kriege. Die 1820 in Preußen eingeführte Besteuerung der Weinerträge tat ihr Übriges. Und mit dem Ausbau der Eisenbahn und veränderten Zollbestimmungen wurde der Import von ausländischen, qualitativ hochwertigen Weinen lukrativ. Die eingeschleppte Reblaus machte den heimischen Weinstöcken schließlich endgültig den Garaus. So wurde vielerorts anstelle des Weins nun Obst angebaut.
Heute gibt es wieder 14 Winzer in der Lausitz
Anne Schierack erzählt: „Von den heute noch gekelterten Weinen konnte der Fürst nur den Schliebener Wein und den Schlesischen Grünberger genießen.“ Wobei letzterer damals weniger als Genuss galt, sondern dem Fürsten als Essigtrinkkur – also als Medizin – verschrieben worden war.
Wüsste der Fürst nur von der Renaissance der Lausitzer Weine, er wäre wohl sein liebster Gast beim Branitzer Weinfest am 26. und 27. August zwischen Cavalierhaus und Schloss. Heute bieten 14 Winzer oder Weinbauern in der Niederlausitz ihre Tropfen an. Sie keltern die Weine im Verein, als Gewerbetreibende oder im Nebenerwerb. Ihre Weinberge bestellen sie in einem Gebiet zwischen Neuzelle und Senftenberg im Norden und Süden und im Osten und Westen zwischen Guben und Bad Liebenwerda.
Branitz bietet einen Überblick über die Lausitzer Weinszene
Acht von ihnen werden ihre Weine beim Branitzer Weinfest vorstellen. Hinzu kommen noch ein Oberlausitzer Winzer und zwei polnische Weingüter. Damit avanciert das Schloss Branitz zur ersten Adresse der Lausitzer Weine und die Gutschmecker von heute bekommen den besten Überblick über die regionale Weinszene.
Und die bildet tatsächlich auch räumlich die alten Niederlausitzer Weinbaugebiete ab, die sich damals in Luckau – Baruth, Sommerfeld (heute das polnische Lubsko), Calau, Forst – Triebel (heute das polnische Trzebiel), Senftenberg, Lübben – Lieberose – Friedland, Cottbus und Guben konzentrierten. In der gesamten Niederlausitz finden sich 346 historische Weinbaustandorte. Zwar haben nur wenige von ihnen Bestand. Dafür überraschen die Winzer die Gourmets mit Neuzüchtungen und Weinen vom Tagebaurand.
Lausitzer Weinraritäten ganz groß
Die Brandenburger Rebstöcke machen nur circa 0,03 Prozent der Weinanbauflächen Deutschlands aus. Das Rebrecht ist auf 30 Hektar begrenzt.
Damit bleiben Lausitzer Weine auch künftig eine Rarität. Dabei bringen es die 14 Winzer auf eine erstaunliche Vielfalt.
Einen Überblick darüber gibt es beim Branitzer Weinfest am 26. und 27. August rund um das Schloss. Unter den schattigen Bäumen des Bürgergartens reichen die Winzer aus der Lausitz und der Woiwodschaft Lebus ihre Tropfen dar. Sie bieten ihre Weine zum Kosten und Kaufen an. Und damit der Wein nicht allzu schnell zu Kopfe steigt, wird dazu allerlei Kulinarik gereicht.
Musik von Klassisch bis Elektro sorgt an beiden Tagen für Vergnügen. Samstag darf von 12 bis 21 Uhr im Park der Wein gefeiert werden, am Sonntag geht es von 12 bis 18 Uhr weiter. Den feierlichen Abschluss der Feierlichkeiten setzt das Staatstheater mit einem Konzert zum Auftakt der neuen Spielzeit ab 17 Uhr am Schloss.
Und weil der Fürst stets wert auf guten Stil legte, haben die Weißwasseraner Glasmacher von Stölzle extra Gläser mit einem Pückler-Wappen für das Weinfest hergestellt. Darauf steht Amor et Virtus – Liebe und Tugend. Die Kristallgläser werden zu einem Pfand von zehn Euro das Stück ausgereicht.


