Uni-Medizin in Cottbus: Warnstreik – Mehr als 500 Beschäftigte legen Arbeit nieder

Nichtärztliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie Azubis der neuen Uni-Klinik streiken am 3. Juli 2025 den ganzen Tag für einen gerechten Lohn. Wie lauten die Forderungen?
Solveig Schneider- Über 500 Beschäftigte und Azubis der Uni-Klinik Cottbus streiken am 3. Juli 2025 ganztägig.
- Sie fordern gleiche Bezahlung wie in Berlin/Dresden – aktuell bis zu 4.200 € weniger in zwei Jahren.
- Streik betrifft Früh- und Spätschicht, nur Notfälle werden behandelt, geplante OPs fallen aus.
- Bündnis für gute Daseinsfürsorge kritisiert Überlastung und sammelte über 1.000 Unterschriften.
- Neuer Tarifvertrag gefordert: Arbeitsbelastung und Unzufriedenheit steigen nach Klinik-Umstrukturierung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wer am Donnerstagfrüh (3. Juli) zur Uni-Klinik in Cottbus kommt, wird schon am Eingang von zahlreichen Mitarbeitenden in gelben Warnwesten empfangen. Mit Trillerpfeifen, Plakaten und klaren Botschaften machen deutlich mehr als 500 nichtärztliche Beschäftigte und Azubis ihrem Ärger Luft.
Zum ersten Mal in der Geschichte der Klinik wird hier ganztägig sowohl in der Früh- als auch in der Spätschicht gestreikt. Das bedeutet, dass in den Operationssälen heute nur Notfälle behandelt werden. Alle geplanten Operationen fallen aus. Auch in der Radiologie und Diagnostik herrscht Ausnahmezustand.
Krasse Lohnunterschiede im Vergleich mit Berlin und Dresden
Der Grund: Eine Pflegekraft verdient an der MUL-CT in Cottbus über einen Zeitraum von zwei Jahren rund 4.200 Euro weniger als an vergleichbaren Kliniken in Berlin, Dresden oder Potsdam. Dabei wird die medizinische Leistung hier von den Krankenkassen genauso vergütet wie in anderen Städten. „Für eine Entbindung erhält die Uni-Klinik beispielsweise denselben Betrag wie die Charité, zahlt ihrem Personal aber trotzdem weniger. Sie nimmt also die volle Fallpauschale, gibt den Beschäftigten aber weniger als die anderen Kliniken. Das ist vollkommen absurd und sorgt für großes Unverständnis unter den Kolleginnen und Kollegen“, sagt Verdi-Verhandlungsführer Ralf Franke.

Vollkommen absurd findet Verdi-Verhandlungsführer Ralf Franke die Tatsache, dass die Uni-Klinik in Cottbus die volle Fallpauschale von den Krankenkassen einnimmt, den Beschäftigten aber weniger als die anderen Kliniken auszahlt.
Solveig Schneider„Wir sind Uni und wir möchten auch genauso fair bezahlt werden wie andere Universitätskliniken im Land Deutschland“, sagt Stefanie Pelthe, Gesundheits- und Krankenpflegehelferin in der Hämatologischen Onkologie. Sie hat kein Verständnis für das aktuelle Angebot ihres Arbeitgebers, das noch immer deutlich unter dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) liegt, – bei Lohn, Arbeitszeit und Urlaub.
Arbeitsbelastung – Uni-Klinik Cottbus fordert TVöD-Angleichung
„Unser Arbeitsalltag ist von hoher Belastung geprägt – die Patientenversorgung steht für uns an erster Stelle, außer am heutigen Streiktag. Wichtig ist uns: Wir fordern lediglich eine faire Angleichung, denn der Abstand zum öffentlichen Dienst wächst stetig. Bald stehen die nächsten Tarifverhandlungen beim öffentlichen Dienst an – wir bleiben dauerhaft zurück. Und das, obwohl wir Universitätsklinik sind und als solche auch auf Augenhöhe mit anderen Uni-Häusern bezahlt werden sollten“, ergänzt Stefanie Pelthe.

„Wir sind Uni...zum Sparpreis!!!“, steht auf dem Schild von Stefanie Pelthe, Gesundheits- und Krankenpflegehelferin in der Hämatologischen Onkologie. Sie und ihre Kolleginnen demonstrieren heute für gerechte Löhne.
Solveig Schneider„Man versteht nicht, warum die Krankenhäuser in Deutschland für gleiche Arbeit unterschiedlich bezahlen“, sagt Diana Kerzmar. Sie sei mit ihren Kolleginnen gerne für die Menschen da und liebten den Job. „Gerade deshalb kämpfen wir jetzt dafür, dass wir auch in Zukunft gesund und körperlich fit bis zur Rente arbeiten können. Aber die Krankenhausleitung muss mitziehen“, fordert Diana Kerzmar, sie arbeitet schon seit vielen Jahren als Pflegerin im Zentral-OP der Uni-Klinik.
Ihr Kollege Marcus Lelanz ergänzt: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um aktiv zu werden und sich zu organisieren. Durch die Umstrukturierung zur Universität muss ohnehin ein neuer Tarifvertrag her.“ Gleichzeitig wüchsen Arbeitsbelastung und Unzufriedenheit. Deshalb seien bei dem Streik so viele dabei. „Wir wollen zeigen: So kann es nicht weitergehen. Der Beruf muss wieder attraktiv werden, sonst kommt auch kein Nachwuchs mehr nach“, sagt Marcus Lelanz.
Bündnis für gute Daseinsfürsorge sammelt bereits 1000 Unterschriften
Um Missstände in Gesundheit, Pflege und Verwaltung zu bekämpfen, wurde vor Kurzem das Bündnis für gute Daseinsfürsorge in Cottbus gegründet. Das Bündnis will auf Personalmangel, Überlastung, schlechte Arbeitsbedingungen und lange Schichten aufmerksam machen. Innerhalb kürzester Zeit konnten die Mitglieder über eine Petition schon über 1.000 Unterschriften von Bürgern und Bürgerinnen in Cottbus einsammeln, die sich für das Bündnis einsetzen wollen.

