Montag, 14. August 1961. Am Tag zuvor hat die DDR mit dem Bau der Mauer begonnen. In der Rundschau ist nach offizieller Sprachregelung zu lesen: „Der Frieden wurde gestärkt.“ Die Regierungen der Warschauer-Vertrags-Staaten erklären sich, der Ministerrat der DDR erklärt sich. Die Rede ist vom „Schutz gegen Sabotage und Diversionen“, von „Bürgerkriegsvorbereitungen der Bonner Ultras“, denen ein „Riegel vorgeschoben werden“ müsse.
„Vorgeschoben“ ist sicher das richtige Wort. Der „Antifaschistische Schutzwall“ sollte vor allem verhindern, dass noch mehr Menschen den ersten Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden gen Westen verließen.
Aber gab es nicht auch Zustimmung? War es denn nicht wichtig, den Frieden zu sichern? Wollten nicht auch viele DDR-Bürger endlich ein besseres Deutschland aufbauen? Ohne ständige Einmischung aus dem Westen? Musste nicht der Verlust bester Arbeitskräfte gestoppt werden?

Volle Zustimmung der Bürger?

Es gab Zustimmung, natürlich. „Schon kurze Zeit nach dem Bekanntwerden der Maßnahmen der Regierung der DDR sprachen Redakteure unserer Zeitung mit vielen Bürgern unseres Bezirkes. In allen Meinungsäußerungen und Diskussionen brachten die Bürger ihre volle Zustimmung zu den Maßnahmen zum Ausdruck.“
Das darf angezweifelt werden. Sicher wäre die genauere Formulierung gewesen: „In allen hier veröffentlichten Meinungsäußerungen.“

„Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“

Trotzdem gab es Zustimmung, natürlich. Aber vielen Menschen ging spätestens jetzt auf, dass etwas mit diesem Sozialismus nicht stimmte. Acht Jahre zuvor, am 17. Juni 1953, hatte die Sowjetarmee den Arbeiteraufstand in der DDR niedergeschlagen, jetzt mauerte sich das Land ein – aufgrund eines Beschlusses der politischen Führung der Sowjetunion Anfang August 1961 und einer wenige Tage später ergehenden Weisung der DDR-Regierung.
Und entgegen den Beteuerungen zuvor: Internationale Pressekonferenz am 15. Juni 1961 im Haus der Ministerien in Berlin, Hauptstadt der DDR. Staatsratsvorsitzender Walter Ulbricht antwortet auf eine Frage: „Ich verstehe Ihre Frage so, daß es Menschen in Westdeutschland gibt, die wünschen, daß wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR mobilisieren, um eine Mauer aufzurichten, ja? Mir ist nicht bekannt, daß [eine] solche Absicht besteht, da sich die Bauarbeiter in der Hauptstadt hauptsächlich mit Wohnungsbau beschäftigen und ihre Arbeitskraft dafür voll ausgenutzt wird, voll eingesetzt wird. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten. Wir sind für vertragliche Regelung der Beziehungen zwischen Westberlin und der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik. Das ist der einfachste und normalste Weg zur Regelung dieser Fragen.“ (Wikipedia)
Die Mauer sollte mehr als 28 Jahre, bis zum 9. November 1989, stehen, obwohl sie für die Ewigkeit gebaut schien. Und, irgendwie kaum zu fassen, jetzt ist sie schon länger wieder weg als sie jemals stand.