Heute werfen wir einen Blick auf die Rundschau-Titelseite vom 18. Juni 1953.
Kleine eingeblockte einspaltige „Mitteilung“: „Wie der demokratische Rundfunk mitteilt, hat das Presseamt beim Ministerpräsidenten der DDR bekanntgegeben, daß der Beschluß der Regierung über die Erhöhung der Normen vom 28. Mai 1953 aufgehoben ist.“

Arbeiteraufstand am Vortag

Der am Tag zuvor ausgebrochene Arbeiteraufstand vom 17. Juni hatte zahlreiche Ursachen, darunter den Beschluss zum beschleunigten Aufbau des Sozialismus in der DDR, die damit verbundene Ignoranz der DDR-Führung gegenüber den Bedürfnissen der Arbeiterklasse einschließlich des Beschlusses, die in der kleinen Mitteilung angesprochenen Arbeitsnormen zu erhöhen.
Wichtigster Beitrag auf dieser Titelseite vom 18. Juni 1953: „Groß-Berliner Parteiaktivtagung der SED/Otto Grotewohl und Walter Ulbricht erläutern die neuen Beschlüsse der Partei und der Regierung“. Interessant, dass die Funktionen der beiden führenden Genossen – Grotewohl war Ministerpräsident, Ulbricht Generalsekretär des Zentralkomitees der SED – nicht jedes Mal in aller Ausführlichkeit mitgenannt wurden. Später war das  Standard in DDR-Medien.

Bericht über eine „mächtige Kundgebung“

„Zu einer mächtigen Kundgebung der Kampfentschlossenheit und der Treue der Partei zu ihrer Führung und zur Regierung gestaltete sich die außerordentliche Parteiaktivtagung der Berliner Parteiorganisation am Dienstagabend im Friedrichstadt-Palast…
Dann ergriff, von minutenlangen Ovationen begrüßt, der Genosse Otto Grotewohl das Wort… Genosse Grotewohl unterstrich, daß die gemachten Fehler entstanden sind in der aufrichtigen Absicht, die Hebung der Lebenshaltung für das ganze Volk zu beschleunigen. . .
Die fehlerhaften Maßnahmen führten zur verstärkten  Anwendung der üblen Methode des Administrierens und zu verschärften Strafmaßnahmen, was falsch war und die Entfaltung der schöpferischen Kräfte des Volkes hemmte. Das zeigte sich in der Flucht zahlreicher ehrlicher Menschen nach dem Westen. . .“ 
Spektakuläre Titelseiten der Lausitzer Rundschau 1953: Bleiwüste und Propaganda

Cottbus

„Zu der Frage, welche Maßnahmen im Partei- und Staatsapparat ergriffen werden, um die Durchführung der neuen Linie zu gewährleisten, antwortete Walter Ulbricht, daß das Grundübel darin besteht, daß bei uns bisher mit der Methode des Administrierens gearbeitet wurde, statt die Beschlüsse so zu formulieren, daß jeder Mensch sie versteht…“

Ausnahmezustand und nächtliche Ausgangssperren

Jeder Mensch dürfte im Juni 1953 zumindest verstanden haben, was die Befehle der Militärkommandanten des sowjetischen Sektors von Berlin und des Bezirkes Cottbus meinten: Ausnahmezustand mit nächtlichen Ausgangssperren und Versammlungsverboten, verbunden mit der Aufforderung, „den Staatsorganen und der Volkspolizei bei der Feststellung und Festnahme von Provokateuren und anderen, die öffentliche Ordnung gefährdenden Elementen Hilfe zu leisten.“ Denn: „Die Unruhen, zu denen es … gekommen ist, sind das Werk von Provokateuren und faschistischen Agenten ausländischer Mächte aus deutschen kapitalistischen Monopolen“, wie es in der ebenfalls auf dieser Titel-Seite abgedruckten „Bekanntmachung der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik“ heißt.
Letzter Punkt der Befehle zur Verhängung des Ausnahmezustandes: „Diejenigen, die gegen diesen Befehl verstoßen, werden nach den Kriegsgesetzen bestraft.“