Der Tod von George Floyd in den USA hat Schockwellen bis nach Deutschland gesendet. In vielen Städten gehen Menschen für ein friedliches Miteinander auf die Straße. Diese Demonstrationen zeigen, dass rassistische Diskriminierung von vielen als Problem wahrgenommen wird. Nicht nur von denen, die davon betroffen sind.
Von solchen alltäglichen Erfahrungen berichten zwei junge Frauen aus Cottbus. Suzan Abu Shawish und Eva Wolf sind Anfang 20 und kamen wegen des Studiums in die Stadt. In Cottbus zu leben als People of Colour, das ist doch etwas anderes als in ihrer Heimatstadt Berlin, erzählten die beiden der RUNDSCHAU.
Kommentar zum Alltagsrassismus in der Lausitz Sprache kann rassistisch sein

Cottbus

„Am typischsten sind die Blicke, die wir bekommen, gerade wenn wir zusammen unterwegs sind“, sagen sie in der Umfrage von Rundschau-Volontärin Julia Siebrecht. „Manche starren auch richtig. Das erleben wir in Berlin natürlich viel weniger“. Ähnliches berichten viele Schwarze gerade aus ostdeutschen Städten.

Zuwanderung wird für die Lausitz wichtiger

Eine neue Generation von Deutschen mit ausländischen Wurzeln will das nicht mehr hinnehmen. Junge Leute fordern die Gesellschaft auf, sich ihrem Rassismus-Problem zu stellen. Was sie anprangern, sind die vielen Formen von Diskriminierung im Alltag. Rassismus reicht von kleinen abfälligen Bemerkungen bis hin zur Ungleichbehandlung im Arbeitsleben. Dabei ist Diskriminierung nicht immer böse gemeint – dient aber immer dazu, Menschen abzukanzeln aufgrund ihrer Herkunft.
Die Zahlen zeigen, wie gegenwärtig Rassismus im Alltag ist. Laut dem Antidiskriminierungsbüro in Sachsen etwa ist Rassismus der häufigste Grund für Diskriminierungen. Allein von Oktober 2019 bis März 2020 wurden der zentralen sächsischen Anlaufstelle für Diskriminierung 134 Fälle gemeldet. Das waren 13 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Rassismus scheint – solchen Zahlen nach – wieder salonfähig zu werden in einer erhitzten politischen Debatte, in der extreme Meinungen aufeinanderprallen.
Diese Debatte – die meist in den sozialen Netzwerken ausgetragen wird – hat auch das gesellschaftliche Klima in der Lausitz verändert. Das bekommen Schwarze Menschen zu spüren, die in Deutschland geboren sind, aber auch Zuzügler mit anderen Nationalitäten. Dabei ist die Lausitz kein Hotspot von Zuwanderung. Selbst Cottbus liegt mit einem Ausländeranteil von 8,9 Prozent weit unter Metropolen wie Leipzig (15 Prozent) und Berlin (35).
Doch wird für die Zukunft der Region das Thema Zuwanderung immer wichtiger. Die Lausitz leidet unter Abwanderung und ist angewiesen auf Zuzügler von anderswo. Die Zukunft als Wissenschaftsstandort wird ohne Fremde nichts werden. Schließlich müssen die Forschungsinstitute, die zurzeit aufgebaut werden, attraktiv für internationale Forscher werden, um dauerhaft erfolgreich zu sein.

Warum Weiße Menschen bei sich anfangen sollten

Wie offen Cottbus für People Of Colour ist, erfährt Sarah Fartuun Heinze täglich. Rundschau-Reporter Steven Wiesner hat mit der jungen Theaterpädagogin über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen mit Rassismus gesprochen. Herausgekommen ist neben einem Interview auch ein Rollenspiel, das vor allem weiße Menschen dazu bringen soll, sich endlich mit ihrer Hautfarbe zu beschäftigen und sich ihrer Privilegien bewusst zu werden.

Cottbus

Herr Hung war nie auf den Fidschi-Inseln

Neugierig auf die Fremde war Nguyen The Hung schon immer. Deshalb kam er 1988 nach Cottbus. Damals war die Lausitzer Wirtschaft auf Vertragsarbeiter aus Vietnam angewiesen. Als sein Vertrag auslief, entschied sich Hung für Cottbus.
Dafür musste er sich eine neue Existenz aufbauen. Wie er das schaffte und wie er sich fühlt, wenn einer „Fidschi“ zu ihm sagt, das erzählt er Lausitzreporterin Christine Keilholz. (Den Beitrag lesen Sie kommende Woche auf lr-online.de)

Was tun gegen Diskriminierung im Job?

Welche Ursachen Rassismus heute noch hat, erläutert die Soziologin Susanne Veit im Interview mit Christine Keilholz. Veit hat Diskriminierung dort erforscht, wo sie am häufigsten passiert: in der Arbeitswelt.
Das Ergebnis: Es gibt eine Gruppe von Migranten, die bei Bewerbungen die schlechtesten Karten hat.

Cottbus/Berlin

Polizei unter Rassismus-Verdacht

Der Fall George Floyd hat auch in Deutschland eine Debatte über Polizeigewalt ausgelöst. In Talkshows und bei Demonstrationen sieht sich die Polizei mit dem Vorwurf des strukturellen Rassismus konfrontiert. Wir wollen wissen, ob in Deutschland farbige Menschen tatsächlich häufiger in Polizeikontrollen geraten. Ob sie öfter Opfer von Polizeigewalt werden. Und wie sich die Polizei diesen Vorwürfen stellt. (Die Beiträge lesen Sie kommende Woche auf lr-online.de)

Cottbus/Dresden

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Info


Fremdenfeindlichkeit bezeichnet nach Definition der Bundeszentrale für politische Bildung ablehnende und feindselige Haltungen gegenüber allem, was als fremd und deshalb bedrohlich empfunden wird. Fremdenfeindlichkeit richtet sich gegen Menschen, die sich durch Herkunft, Nationalität (Ausländerfeindlichkeit), Religion (Antisemitismus) oder Hautfarbe (Rassismus) von der eigenen Umwelt unterscheiden.

Rassismus beschreibt eine Haltung, die Menschen nach Hautfarbe oder Herkunft unterteilt. Die Zuschreibung bestimmter Eigenschaften ist willkürlich und „ganz überwiegend ein Mittel, Menschen herabzuwürdigen und auszuschließen“, erklärt die Antidiskriminierungsstelle des Bunds.

Diskriminierung ist Ungleichbehandlung von Personen, die zur Benachteiligung einzelner führt. Eine unmittelbare Benachteiligung liegt vor, wenn eine Person eine weniger günstige Behandlung als eine Vergleichsperson erfährt, erfahren hat oder erfahren würde.