LR+LR+Protest in Frankreich
: Französischer Schüler erklärt, warum er an Schulblockade teilnimmt

Nils war Schüler am französischen Collège, das eine Partnerschaft mit Cottbus hat. Auch er ist vom Lehrermangel und den maroden Klassenräumen betroffen. Würden seine Forderungen auch in Cottbus zutreffen?
Von
Lisa Hör
Cottbus
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Im Oktober 2026 wurde das Gymnasium Jean Jaurès in Montreuil, Frankreich, mehrere Tage lang von Schülern blockiert. Könnte so etwas auch in Cottbus passieren?

Alexandra Barcons
  • Französische Schüler blockierten im Oktober 2026 das Gymnasium Jean Jaurès in Montreuil.
  • Nils protestiert wegen Lehrermangel, maroden Räumen und übervollen Klassen.
  • Stundenpläne belasten stark, zudem Kritik an „Parcoursup“ und ungleichen Chancen.
  • Polizei setzte Tränengas ein, Eltern begleiten Proteste aus Sorge um Sicherheit.
  • In Cottbus sieht die Schulleitung keine Schulblockaden, Lehrermangel ist dort kein Thema.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Nur zwei Monate Deutschunterricht im gesamten Schuljahr, nur die Hälfte des Französischunterrichts – und das wegen des Lehrermangels. Das hat Nils Barcons Pares erlebt, als er Schüler am Collège Marais de Villiers in Montreuil nahe Paris war. Die Schule hat eine Partnerschaft mit dem Humboldt-Gymnasium in Cottbus. Nun ist Nils 16 Jahre alt und beteiligt sich an den Schülerprotesten, die Frankreich seit September 2026 bewegen.

In Deutschland stoßen manche Forderungen auf Resonanz, die Art und Weise der Mobilisierung jedoch weitaus weniger. Eine Schulblockade in Cottbus könne sich Annett Engler, Leiterin des Humboldt-Gymnasiums, nicht vorstellen.

„Wir haben die Proteste gegen die Wehrpflicht und die Bewegung Fridays for Future gehabt, aber wer daran teilnimmt, bekommt eine unentschuldigte Fehlstunde und wenn dadurch eine Arbeit versäumt wird, gibt es eine Sechs. Das schreckt schon viele ab“, sagt Engler.

Unterrichtsausfälle und ungleiche Bildungschancen

Nils ist Schüler des Gymnasiums Jean Jaurès in Montreuil und hat sich ab dem 8. Oktober, zwei Tage nach Beginn der Bewegung, an dessen Blockade beteiligt. Bis zu den Herbstferien wurde die Schule dann von der Leitung geschlossen.

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„Das Gymnasium ist nicht in einem besonders guten Zustand. In vielen Toiletten fehlen die Türriegel. Manche Klassenräume werden seit sechs Jahren renoviert“, sagt der Jugendliche. „Es gibt nicht genug Stühle und Tische für alle Schüler in meiner Klasse, wir müssen sie aus anderen Klassenräumen holen.“

Das Humboldt-Gymnasium in Cottbus liegt im Stadtteil Schmellwitz. Er hat einen Schulpartnerschaft mit dem Collège Marais de Villiers in Montreuil.

Das Humboldt-Gymnasium in Cottbus liegt im Stadtteil Schmellwitz. Er hat einen Schulpartnerschaft mit dem Collège Marais de Villiers in Montreuil.

Lisa Hör

Viele Schüler fordern weniger belastende Stundenpläne. „Ich habe dienstags von 8 bis 18 Uhr Unterricht und außerdem samstagsvormittags“, sagt Nils. Dennoch hat er den Rest der Woche keine Lücken im Stundenplan. Die Hausaufgaben zu erledigen und noch an außerschulischen Aktivitäten teilzunehmen, sei eine Herausforderung.

Hinzu kommen die Probleme mit „Parcoursup“. Die französische Plattform für die Vergabe von Studienplätzen nach dem Abitur steht unter Kritik – unter anderem wegen der mangelnden Transparenz der Auswahlkriterien und wegen des Mangels an Studienplätzen. „Wir am Jean Jaurès werden weniger Chancen haben als andere Pariser Schulen“, sagt Nils.

Eltern unterstützen Schülerproteste in Frankreich

Nils’ Mutter Alexandra Barcons, die selbst in Deutschland aufgewachsen ist, unterstützt die Schülerproteste: „Sie tun das nicht, um nicht zur Schule zu gehen, sondern um eine bessere Zukunft einzufordern.“ Die Jugendlichen knüpften damit an eine lokale Bewegung an, die vor zwei Jahren von den Gewerkschaften ins Leben gerufen wurde, um einen Notfallplan für die Bildung zu fordern.

Für Alexandra Barcons sei es wegen des Vorgehens der Polizei allerdings sehr belastend, ihren Sohn an Demonstrationen oder Blockaden teilnehmen zu sehen. Sie und andere Eltern haben sich organisiert, um die Jugendlichen regelmäßig zu begleiten.

„Sie protestieren, um eine bessere Zukunft einzufordern.“
Alexandra Barcons
Mutter eines Schülers in Frankreich

Bei einem Schülerprotest in der nordfranzösischen Stadt Lens wurde einem 15-jährigen Gymnasiasten durch die Explosion einer Polizeigranate am 5. Oktober eine Hand abgerissen. Vor dem Gymnasium Jean Jaurès in Montreuil sei es nicht zu so heftigen Auseinandersetzungen gekommen, wie Nils erzählt. Doch: „Wir wurden einmal alle mit Tränengas angegriffen, weil eine kleine Gruppe Mülltonnen in Brand setzen wollte und die Polizei es vorzog, gegen alle vorzugehen.“

Das habe ihn jedoch nicht entmutigt, weiter zu protestieren. Am Samstag, 17. Oktober, demonstrierte er gemeinsam mit seinem älteren Bruder in Paris. Sie befanden sich in einem Teil des Demonstrationszugs, in dem es „sehr friedlich“ zuging, sagt die Mutter erleichtert.

Kein Lehrermangel am Humboldt-Gymnasium in Cottbus

Nils war 14 Jahre alt, als er mit seiner Klasse Cottbus besuchte. Vom Humboldt-Gymnasium erinnert er sich vor allem an einen nach außen offenen Schulhof, an dem kein Schulpersonal das Betreten und Verlassen des Schulgeländes durch die Schüler überwacht. Er hat Klassenräume in Erinnerung, die in einem besseren Zustand sind als die in Montreuil.

Annett Engler ist seit 2024 Leiterin des Humboldt-Gymnasiums in Cottbus. Sie unterrichtet auch Französisch an dieser Schule und hat viele Klassen auf Reisen nach Montreuil begleitet.

Annett Engler ist seit 2024 Leiterin des Humboldt-Gymnasiums in Cottbus. Sie unterrichtet auch Französisch an dieser Schule und hat viele Klassen auf Reisen nach Montreuil begleitet.

Lisa Hör

Zwar wurde das Gebäude 1989 errichtet und sei inzwischen renovierungsbedürftig, doch die Bedingungen seien noch immer recht gut, sagt die Schulleiterin. Auch über den Lehrermangel, der viele Schulen in Brandenburg trifft, könne sich Annett Engler nicht beklagen.

„Wir können unsere Kontingentstunden-Tafel absichern“, sagt sie. „Ich habe im Moment nur einen Seiteneinsteiger. Ansonsten sind das alles ausgebildete Kollegen.“ Die Klassen sind mit 28 Schülern gefüllt – in Montreuil sind es um die 35.

Engler verfolgt die Proteste in Frankreich aus der Ferne. Mit Sozialbewegungen hat das Humboldt-Gymnasium Erfahrung: 2024 saßen Cottbuser Schüler in Paris fest – allerdings nicht wegen der Proteste in Frankreich, sondern wegen eines Streiks bei der Deutschen Bahn. Die Stadt Cottbus schickte damals einen Bus aus der polnischen Partnerstadt Zielona Góra, um sie abzuholen.