Wenn Hartmut Schatte nach langer und intensiver Archivarbeit „bis oben hin satt“ ist, dann fallen ihm Reime und Aphorismen ein. „Das ist wohl ein Schutzmechanismus des Gehirns“, sagt er schmunzelnd. Wie lange die Phase dauert, weiß er vorher nie. Doch er nutzt die Auszeit und schreibt seine Gedanken auf. „Greis am Stiel – Poesie vom Alten“ heißt sein neuestes Buch. Es enthält doppeldeutigen Sprachwitz und ist sein 50. Buch, also eine Jubiläumsausgabe.

Das hat den Autor selbst einigermaßen überrascht, als er seine bereits erschienenen Bücher unlängst zusammenzählte. Angefangen hatte es im Jahr 1999 mit der Dorfchronik von Groß Drewitz, der weitere folgten. Seither hat ihn die Schreiblust nicht mehr verlassen Sein bisher umfangreichstes Werk ist das 2015 erschienene Buch über die Gubener Theatergeschichte. Sein Vater Edgar Schatte war einer der Theaterintendanten der Nachkriegszeit in der Neißestadt.

Ideen fliegen Hartmut Schatte an unmöglichsten Orten zu

Ob er von ihm künstlerisches Talent geerbt hat, kann Hartmut Schatte nicht mit Gewissheit sagen. Aber immerhin sei seine Schwester eine Meisterin im Schnellreimen. Das könne er nicht, wie der Autor bedauernd einräumt. Ihm fliegen die Ideen allerdings an den unmöglichsten Orten zu, beispielsweise auf einer Radtour entlang der Neiße oder nachts im Bett. „Heft und Stift muss ich immer dabei haben“, sagt er.

Zwei Jahre lang hat Hartmut Schatte seine Reime und Aphorismen für das knapp 80-seitige Buch gesammelt. Die Illustrationen stammen von Meinhard Bärmich. Der Regia-Verlag druckt das Buch aktuell – zunächst in einer Erstauflage von 150 Stück. Bei Interesse wird nachgedruckt. Doch der Autor rechnet mit einer begrenzten Leserschaft. Seiner Erfahrung nach haben es regionale Schriftsteller mit fortschreitender Globalisierung immer schwerer, sich gegen die Konkurrenz aus aller Welt zu behaupten, was nicht an der Qualität, sondern den Vermarktungsstrategien der großen Verlage liege.

Deshalb freut sich der gebürtige Gubener auch ganz besonders über Reaktionen seiner Leser. So habe ihm beispielsweise sogar ein Ehepaar aus Chemnitz bescheinigt, dass sie sich bei der Lektüre von „Lyrelei“, dem Vorgängerband, köstlich über die tiefgründigen Aphorismen amüsiert und noch lange darüber nachgedacht hätten. „Das ist das schönste Lob für mich“, gesteht Schatte.

Knackiger Satz als große Kunst

Die große Kunst ist für ihn, aus den aktuellen Tagesereignissen das Zeitlose und Allgemeingültige herauszufiltern und in einen knackigen Satz zu verpacken. Angst, dabei nicht politisch korrekt zu sein, hat der 74-Jährige nicht. Während einer Lesung wurde er schon wegen eines Waldorfschulen-Gags gerügt. Doch das steckt Schatte ein – und weg. Über Polizistenwitze lache schließlich auch jeder, begründet er.

„Ich will niemanden belehren oder bekehren“, betont er. Seine Reime würden lediglich die eigenen Gedanken widerspiegeln und im besten Fall den Leser zum Denken anregen. Dabei fühlt sich Schatte der alten Schule verpflichtet. Moderne Lyrik sei nicht sein Fall, wie er einräumt. Große Vorbilder habe er keine. Weder Rilke, noch Ringelnatz. Wichtig sei ihm, dass die Gedichte authentisch sind. „Es muss Kunst von mir sein, selbst wenn es keine hohe Kunst ist“, sagt er.

Die Themen Politik, Religion und die Probleme der Natur bewegen Schatte ganz besonders. „Widersinnig“ findet er beispielsweise, dass Landwirte gegen das Verbot des umstrittenen Umweltiftes Glyphosat protestieren, obwohl gerade für sie eine intakte Umwelt unmittelbare Arbeitsgrundlage ist.

Buch zu Gubener Herausgeber geplant

Doch auch in Sachen Heimatgeschichte ist Hartmut Schatte schon wieder aktiv. Dem Leben und Wirken des 1957 verstorbenen Autors Karl Hübner, der zu Lebzeiten in Guben sehr bekannt wir, will er auf den Grund gehen. „Er hatte sehr viele Beiträge rund um Guben verfasst und damals noch Zugang zu Originalquellen, die heute nicht mehr existieren“, erklärt Schatte. Er selbst ist in Guben aufgewachsen, lebt heute aber in Branitz.

Das Buch „Greis am Stiel“ wird am 11. März 2020, um 19 Uhr in der Buchhandlung Hugendubel in Cottbus erstmals öffentlich präsentiert. Durch den Abend mit Hartmut Schatte und Meinhard Bärmich führt Klaus Wilke. Für die musikalische Umrahmung sorgen die Saspower Dixieland Stompers.