"Wir sehn die kleine dann die große Welt", legt Mephisto kurz nach der Paktszene fest. Dieses Zitat aus "Faust", 1. Teil, hat der Cottbuser Autor Hartmut Schatte sehr passend für seine Gubener Theatergeschichte gewählt. Denn am 1. ktober 1874 wurde das Haus auf der damaligen Gubener Schützeninsel mit einer "Faust"-Inszenierung eingeweiht.

Die 400 Seiten starke reich illustrierte Theatergeschichte aus dem Regia-Verlag wird beim Frühlingsfest am 6. Juni ab 15 Uhr auf der Gubener Theaterinsel präsentiert. Dazu werden auch einige teils hochbetagte Künstler erwartet, die in Guben engagiert waren, verspricht der Autor. Auch eine Schlechtwettervariante soll es geben. In diesem Fall finden Buchvorstellung und Gespräch in der Alten Färberei der Neiße-Stadt statt.

Auch für Cottbuser dürften sich der Weg zur Präsentation wie der Blick ins Buch lohnen, denn zwischen den Theatern in Cottbus und Guben gibt es durchaus Verbindendes. "Das Gubener Stadttheater war bis zur Eröffnung des Großen Hauses in Cottbus im Jahr 1908 das führende Theater in der Lausitz und hat Cottbus häufig mitgespielt", stellt Hartmut Schatte fest. In der Zeit von 1805 bis 1890 gastierten häufig die gleichen Theatergesellschaften in beiden Städten. In den Jahren danach gab es mehrere Versuche ein Städtebund-Theater Guben-Cottbus zu etablieren, die aber scheiterten.

Im September 1945 wurde die Spielstätte auf der Gubener Theaterinsel unter bis heute nicht ganz geklärten Umständen zerstört. Das ehemalige Hotel "Kronprinz" wurde zur Behelfsbühne. Im Juli 1950 kam es zum endgültigen Aus eines eigenständigen Gubener Theaters. Bis 1961 gab es noch Gastspiele des Cottbuser Stadttheaters in der Neißestadt.

Hartmut Schatte, der bereits im Jahr 2003 eine Broschüre über die Geschichte des Gubener Nachkriegstheaters vorgelegt hat, hat jetzt die erste alle Entwicklungsetappen des Hauses umfassende Abhandlung verfasst, die historisches Lesebuch, Nachschlagewerk und Bildband zugleich ist.

Davor liegen 20 Jahre intensiver Recherchen und Sammlungstätigkeit. "Im Schreibtisch meines 1995 verstorbenen Vaters Edgar Schatte habe ich eine Menge Material über das Gubener Stadttheater gefunden", berichtet der Autor.

Edgar Schatte war einer der Gubener Theaterintendanten der Nachkriegszeit. Mit der Kulturstätte in der Stadt, die ihre Blüte der Textil- und Hutindustrie zu verdanken hat, verbinden sich viele große Namen. So gastierten hier Berühmtheiten des deutschen Theaters wie Max Reinhardt, Götz George oder Gret Palucca. Für andere wurde es zum Sprungbrett für eine große Karriere, so für Werner Krauss und Eduard von Winterstein.

Sonnabend, 6. Juni, 15 Uhr, Theaterinsel Guben, Eintritt: frei