In der Stichwahl bestimmen die Cottbuser am Sonntag, 9. Oktober 2022, den Oberbürgermeister, der die kommenden acht Jahre die zweitgrößte Stadt im Land Brandenburg führen soll. Tobias Schick (SPD) und Lars Schieske (AfD) treten gegeneinander an.
Für Cottbus wird ein knappes Wahlergebnis im Rennen um den Einzug ins Rathaus erwartet. Der Politikwissenschaftler Gideon Botsch, Professor an der Universität Potsdam, hat gegenüber der Deutschen Presse-Agentur eingeschätzt: „Eine strukturelle Mehrheit für die AfD gibt es auch und gerade in Cottbus nicht.“
Aber ob der sozialdemokratische Mitbewerber es aktuell schaffen wird, die strukturelle demokratische Mehrheit in Wählerstimmen zu übersetzen, sei keineswegs sicher.

Stichwahl in Cottbus wird bundesweit mit Spannung verfolgt

Die OB-Wahl in Cottbus wird bundesweit mit Spannung verfolgt. Denn entschieden wird auch, ob die AfD mit Lars Schieske den ersten Oberbürgermeister einer deutschen Stadt stellen wird. Derzeit bestehe für die AfD eine günstige, für die SPD eine sehr ungünstige Lage, sagt der Politologe, der die Forschungsstelle Antisemitismus und Rechtsextremismus am Moses Mendelssohn Zentrum in Potsdam leitet.
Der Protest auf den Straßen infolge von Ängsten in der Energiekrise und steigender Inflation, den die AfD und Sympathisanten der Partei in Cottbus aktiv begleiten und nutzen, könne „zu einer Paralysierung des demokratischen Wählerspektrums“ beitragen.
Etwa 300 Menschen sind am Freitagabend zur Kundgebung der Alternative für Deutschland (AfD) auf den Oberkirchplatz in Cottbus gekommen. Es war der Wahlkampf-Abschluss des OB-Kandidaten Lars Schieske (AfD/MdL).
Etwa 300 Menschen sind am Freitagabend zur Kundgebung der Alternative für Deutschland (AfD) auf den Oberkirchplatz in Cottbus gekommen. Es war der Wahlkampf-Abschluss des OB-Kandidaten Lars Schieske (AfD/MdL).
© Foto: Kathleen Weser
Hinter Organisatoren von "#unteilbar-Südbrandenburg" und dem Cottbuser Aufbruch haben den Veranstaltern zufolge etwa 1.000 Menschen am Freitag gegen Nazis am Rathaus demonstriert und um Stimmen für Tobias Schick (SPD) geworben.
Hinter Organisatoren von „#unteilbar-Südbrandenburg“ und dem Cottbuser Aufbruch haben den Veranstaltern zufolge etwa 1.000 Menschen am Freitag gegen Nazis am Rathaus demonstriert und um Stimmen für Tobias Schick (SPD) geworben.
© Foto: Frank Hammerschmidt
Parteien und Wählergruppen der bürgerlichen Mitte und des linken Spektrums der Lausitz haben die Cottbuser aufgerufen, den SPD-Kandidaten Tobias Schick zu wählen. Der Politologe Botsch schätzt ein: Die demokratisch orientierte Mehrheit der ostdeutschen Wählerinnen und Wähler habe bei den letzten Wahlen immer eine hohe staatsbürgerliche Disziplin gezeigt und bislang verhindert, dass die AfD als stärkste Kraft in verantwortliche Positionen einrücke. Das könne den Unterstützerinnen und Unterstützern des SPD-Kandidaten auch diesmal wieder gelingen.
Oberbürgermeisterwahl in Cottbus 2022 So gehen die OB-Kandidaten in die Stichwahl

Cottbus

Deutlich mehr Briefwähler zur Stichwahl in Cottbus

Etwa 79.000 Wahlberechtigte sind in Cottbus an die Urnen gerufen. Der Anteil der Briefwähler liegt deutlich höher als bei der Hauptwahl im September. Der Cottbuser Wahlleiter Carsten Konzack bestätigt, dass mehr als 19.600 Wahlberechtigte die Unterlagen angefordert und erhalten haben. In der ersten Wahlrunde hatten etwa 17.000 Bürger die Briefwahl genutzt.
Die Wahllokale öffnen am Sonntag um Punkt 8 Uhr.
Weitere Beiträge zur Oberbürgermeisterwahl in Cottbus finden Sie auf einer Themenseite.

Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters von Cottbus

In der Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt in Cottbus treten Tobias Schick (SPD) und Lars Schieske (AfD) gegeneinander an.
Tobias Schick hat den Hauptwahlgang im September gewonnen, zwar das Quorum, aber nicht die erforderlichen Stimmen erreicht. Der Sozialdemokrat wurde von 13.300 Cottbusern gewählt. Lars Schieske (AfD) hat 11.026 Stimmen auf sich vereint. Damit trennen die beiden Stichwahl-Kandidaten fast 2300 Stimmen.
Die Stichwahl beginnt aber bei Null für beide Kontrahenten. Gewählt ist am Ende des Wahlsonntages, wer in der Stichwahl mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen erhalten hat, sofern diese Mehrheit mindestens 15 Prozent der wahlberechtigten Personen umfasst. Der neue Cottbuser Oberbürgermeister soll das Amt am 30. November 2022 von Holger Kelch (CDU) übernehmen.