Leag und Kohleausstieg
: Woidke fordert Klarheit bei Kohle und Strom

Brandenburgs Ministerpräsident Woidke drängt in Schwarze Pumpe auf einen überfälligen Zwischenbericht der Bundesregierung zum Kohleausstieg.
Von
Jan Siegel
Schwarze Pumpe/Cottbus
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) gemeinsam mit dem Botschafter der Tschechischen Republik, S.E. Jiří Čistecký (3. v.l.) in Schwarze Pumpe bei der Leag-Tochter MCR, die sich von der einstigen Hauptwerkstatt des Kohlekonzerns mit der Aufarbeitung von bis zu 6000 Radsätzen pro Jahr zu einem großen Bahndienstleister wandeln will

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) in Schwarze Pumpe bei der Leag-Tochter MCR Lausitz gemeinsam mit dem Botschafter der Tschechischen Republik, S.E. Jiří Čistecký (3. v.l.). Die 250 Mitarbeiter der einstigen Hauptwerkstatt des Kohlekonzerns wollen bis zu 6000 Radsätze pro Jahr aufarbeiten und so zum großen Bahn-Dienstleister werden.

Jan Siegel
  • Woidke fordert den überfälligen Zwischenbericht zum Kohleausstieg – „Wir brauchen Klarheit“.
  • Er verlangt Antworten zu Versorgungssicherheit, Strompreisen und regionaler Entwicklung.
  • Anlass war ein Besuch bei MCR Lausitz in Schwarze Pumpe mit dem tschechischen Botschafter.
  • Hintergrund ist das Kohleverstromungsbeendigungsgesetz, der Bericht fehlt seit dem 15. August 2022.
  • MCR investiert 11 Mio. Euro in ein Radsatz-Service-Center und beschäftigt 250 Mitarbeitende.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat die Bundesregierung aufgefordert, endlich den überfälligen Zwischenbericht zur Evaluation des Kohleausstiegs vorzulegen. „Wir brauchen Klarheit“, machte Woidke am Montag (20. April 2026) bei einem Besuch im Industriepark Schwarze Pumpe deutlich.

In dem Bericht müssten die Fragen beantwortet werden nach der „Zuverlässigkeit der Stromversorgung im Land, der Preisentwicklung im Strommarkt und nach den Perspektiven für die regionale Entwicklung in den Kohleregionen“, stellte Woidke klar.

Auslöser für Woidkes Forderungen war ein gemeinsamer Termin mit dem tschechischen Botschafter Jiří Čistecký bei der Firma MCR im Industriepark Schwarze Pumpe, einer Tochter des Lausitzer Energieunternehmens Leag.

Kohleausstieg – warum Zwischenbericht für die Lausitz wichtig ist

Hintergrund ist das Kohleverstromungsbeendigungsgesetz. Danach hätte die Bundesregierung bereits bis zum 15. August 2022 einen ersten Bericht zur Überprüfung des Ausstiegspfads vorlegen müssen. Bis heute steht dieser aus. Dabei soll in den Berichten geprüft werden, welche Folgen der Kohleausstieg für Versorgungssicherheit, Strompreise, Beschäftigung und Klimaschutz hat – und ob der Zeitplan vielleicht gar angepasst werden muss.

Für Woidke ist das keine Formalie. Brandenburg pocht seit Jahren darauf, dass der Strukturwandel in der Lausitz verlässlich begleitet wird und Entscheidungen nicht allein aus Berliner Perspektive getroffen werden. Schon in der Vergangenheit hatte Woidke davor gewarnt, beim Kohleausstieg „über das Knie zu brechen“. Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Vertreter aus den Revieren hatten immer wieder gefordert, Versorgungssicherheit, Industriestrompreise und den Ausbau neuer Wertschöpfung stärker zu berücksichtigen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Ende März 2026 den gesetzlich für spätestens 2038 geplanten Kohleausstieg infrage gestellt. Bei einer Veranstaltung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärte Merz, dass Kohlekraftwerke möglicherweise länger am Netz bleiben müssen als bisher geplant, um die Energieversorgung nicht zu gefährden. Merz betonte, er sei nicht bereit, die Sicherheit der Energieversorgung aufs Spiel zu setzen, nur weil vor einigen Jahren bestimmte Ausstiegsdaten beschlossen wurden.

Blick in eine Halle der MCR Lausitz im Industriepark Schwarze Pumpe

Blick in eine Halle der MCR Lausitz im Industriepark Schwarze Pumpe

Jan Siegel

Auf Bundesebene wiederum drängten Grünen-Politiker und Klimaökonomen auf einen möglichst früheren Ausstieg, teils schon bis 2030. Genau deshalb sind die gesetzlich vorgeschriebenen Überprüfungen politisch so brisant.

MCR Lausitz in Schwarze Pumpe wird zum Bahn-Dienstleister

Woidkes Vorstoß kam nicht zufällig beim Besuch der Leag-Tochter MCR Lausitz in Schwarze Pumpe. Das Unternehmen ist ein Beispiel dafür, wie der Umbau in der Kohleregion gelingen soll. Die 2022 aus der früheren Leag-Hauptwerkstatt hervorgegangene Firma investiert derzeit 11 Millionen Euro in ein neues Radsatz-Service-Center, das im Sommer den Betrieb aufnehmen soll. Künftig können dort 6000 Radsätze für Bahnunternhemen pro Jahr instand gesetzt werden. Zudem hat sich MCR mit neuen Geschäftsfeldern wie 3D-Laserdruck für Maschinenbauteile etabliert. Am Standort arbeiten 250 Beschäftigte.

Gerade solche Projekte, so die Botschaft aus Schwarze Pumpe, zeigen den Transformationswillen der Lausitz. Umso wichtiger sei es aus Sicht Woidkes, dass der Bund endlich offenlegt, wie er die Folgen des Kohleausstiegs bewertet – und auf welcher Grundlage weitere Entscheidungen getroffen werden sollen.

Berichte zum Kohleausstieg – eine wichtige Untersuchung aber fehlt bis heute

Ein zentraler Zwischenbericht zur Versorgungssicherheit beim Kohleausstieg und zu den Klimazielen steht bis heute aus. Im Jahr 2022 war lediglich ein unverbindlicher „Zwischenstand“ veröffentlicht worden, der den Bericht jedoch nicht ersetzte.

Aktiver ist die Bundesregierung bei Strukturwandel-Berichten, in denen es um Investitionen in Kohlerevieren geht. Am 16. August 2023 verabschiedete das Kabinett den ersten Evaluationsbericht zum Investitionsgesetz Kohleregionen. Ein weiterer Zwischenbericht zur Evaluierung der Strukturhilfen und des STARK-Bundesprogramms wurde am 5. November 2025 veröffentlicht. Am 31. Oktober 2025 legte die Bundesregierung zudem einen Bericht zum aktuellen Umsetzungsstand des Investitionsgesetzes Kohleregionen vor, der sich vor allem auf die Mittelverwendung und Ansiedlung von Bundesbehörden konzentriert.