Der Taxifahrer Gerhard Reinschke folgt seinem Gefühl, ruft die Polizei und verhindert damit eine finanzielle Katastrophe für eine alte Dame in Cottbus.
Am Donnerstag steigt eine Frau am Bahnhofsvorplatz zu Gerhard Reinschke ins Taxi. Sie sagt zu ihm, sie müsse unbedingt zu einer Bank, um Geld abzuheben. Denn ihr Sohn habe sie angerufen: Er liege im Krankenhaus und brauche finanzielle Hilfe.

Betrüger tischen Cottbuser Rentnerin Lügengeschichte auf

Gerhard Reinschke erinnert sich: „Als ich diese Geschichte hörte, wunderte ich mich schon.“ Im Laufe des Gesprächs habe die Rentnerin erwähnt, dass sie bei einer Bank „sowieso nur 5000 Euro“ bekomme. Der Taxifahrer fragt sich: Was will sie mit einer dermaßen hohen Summe, die ohnehin kaum jemand bar mit sich herumträgt? Die Frau spricht davon, dass ihr Sohn eine Spritze bekommen und sich einem medizinischen Test unterzogen habe. Dafür brauche er das Geld, sagt sie dem Fahrer.
Zwar setzt Gerhard Reinschke die Rentnerin bei einer Bankfiliale in Cottbus ab. Doch dann ruft er bei der Polizei an, weil seine Zweifel an dieser abenteuerlichen Geschichte wuchsen. „Ich bekam den Rat, die Frau doch direkt auf die Wache an der Juri-Gagarin-Straße zu bringen.“ Als die Rentnerin wieder aus der Bankfiliale kam und ins Taxi steigen wollte, folgte ihr wiederum ein umsichtiger Mitarbeiter des Geldinstituts. Er bekundete ebenfalls seine Skepsis und riet ihr, das abgehobene Geld sofort wieder zurück auf ihr Bankkonto zu zahlen.
Gerhard Reinschke berichtet: „Die Dame war auf alle Fälle ziemlich nervös.“ Er selbst fragt bei ihr nach, ob sie sich sicher sei, dass der Mann am Telefon ihr Sohn war. Sie antwortet: „Naja, ich weiß es nicht genau.“
So widerspricht sie ihm auch nicht, als er ihr anbietet sofort zur Polizei mit ihr zu fahren.

Zweiter Betrugsversuch in Cottbus angezeigt

Die Mitarbeiter der Polizei bestätigen, dass sich der Betrugsversuch so zugetragen hat, verhindert durch den 63-jährigen Taxifahrer und den Mitarbeiter der Bankfiliale. Nach Angaben der Pressestelle versuchten die Betrüger offenbar, neben der 88-jährigen Frau noch eine weitere 82-jährige Rentnerin hereinzulegen. Am Telefon gaben sie sich demnach als Ärzte aus. Sie berichteten von der angeblichen Corona-Erkrankung eines nahen Verwandten. Die Spritze im Wert von mehreren Tausend Euro sei nötig, um ihn zu heilen. Die zweite Rentnerin fiel jedoch nicht auf den Trick herein.
Bei der Pressestelle der Polizei in Cottbus arbeitet Ralph Meier. Er sagt: „Wir danken dem Taxifahrer dafür, dass er so klug gehandelt und sich um die Frau gekümmert hat.“ Gerhard Reinschke selbst erklärt dazu: „Das gehört sich doch so.“

Ähnlicher Fall in Cottbus aus dem Jahr 2019

Schon im Juli 2019 hatte ein Cottbuser Taxifahrer einen Betrugsversuch vereitelt und so eine Rentnerin vor finanziellem Schaden bewahrt. Olaf Reichmuth aus Willmersdorf brachte die 87-jährige Frau zur Polizei, statt sie mit seinem Taxi an einer Bank abzusetzen. Zuvor hatte sie ihm erzählt, eine ihrer Schwestern habe sie angerufen, und sie brauche dringend 30 000 Euro. Olaf Reichmuth sagte damals, er staune darüber, wie leichtgläubig manche ältere Menschen auf Kriminelle hereinfallen.
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Neue Version des Enkeltricks


Vor allem ältere Menschen werden derzeit Opfer einer Abwandlung des Enkeltricks, bei der die Betrüger die Angst vor dem Corona-Virus ausnutzen. Das berichtet das Programm für polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. „Am Telefon geben sich die Täter als Angehörige aus und behaupten, mit dem Coronavirus infiziert zu sein“, warnen die Fachleute der Polizei. „Die Kriminellen täuschen vor, finanzielle Unterstützung für die Behandlung zu benötigen.“ Sie bitten demnach ihre Opfer um Geld und andere Wertgegenstände, die ein Freund abholen wird. Die Kriminalprävention rät vor diesem Hintergrund: Personen, die von erkrankten Angehörigen telefonisch kontaktiert werden, sollten bei Geldforderungen besonders misstrauisch werden. Wer eine solche Situation für verdächtig halte, solle sofort die Polizei unter der Telefonnummer 110 anrufen.