Den Brandenburger Karnevalisten hat die Corona-Krise die fünfte Jahreszeit gehörig verhagelt. „Das öffentliche Karnevalsleben zum Rosenmontag ist völlig lahmgelegt“, sagte Fred Witschel, Präsident des Karnevalverbandes Berlin-Brandenburg. „Wir lassen uns aber nicht unterkriegen“, betonte er.
Per Videokonferenzen, Chats oder über die sozialen Medien würden Mitglieder in einigen Vereinen die Session online zu Ende bringen. Viel mehr sei ja nicht möglich. Man könne sich aber sehen, vielleicht zuprosten, von den vergangenen Ereignissen sprechen und Pläne für die Zeit machen.

Cottbuser Karneval-Umzug abgesagt

Matthias Schulze, Präsident des Lausitzer Karneval 1900, hätte vor einem Jahr um diese Zeit keine ruhige Minute gehabt. Die letzten Vorbereitungen für den 14. Februar wären erforderlich gewesen. Traditionell organisiert der Verband den Umzug „Zug der fröhlichen Leute“ in Cottbus - 2021 jedoch abgesagt wegen Corona.
In jedem Jahr kommen Zehntausende Besucher, um das Treiben zu bewundern und zu feiern. „Mehr als 100 Fahrzeuge und etwa 3500 bis 4000 aktive Karnevalisten wären auf der Strecke gewesen“, sagte Schulze.
„Das sind alles Enthusiasten, die für den Karneval leben“, bedauerte er. Sie seien nun seit Monaten zu Untätigkeit verdammt. Requisiten werden nicht gebaut, Kostüme nicht genäht. Der Lausitzer Verband vertritt allein 44 Vereine mit 5000 Mitglieder. Im Landesverband sind etwa 140 Vereine organisiert.
Die besten Bilder vom Zug der fröhlichen Leute 2020

Karneval in Cottbus Die besten Bilder vom Zug der fröhlichen Leute 2020

„Wir sind aber auch Stehaufmännchen“, sagt der 54-jährige Schulze. Man werde sich nicht unterkriegen lassen. Er wisse, dass sich viele Mitglieder derzeit auch Videos von Veranstaltungen der vergangenen Jahre anschauten. „Mit Tränen in den Augen, einem Glas in der Hand und Luftschlangen auf dem Wohnzimmertisch“, sagte er bedauernd. „Wir leben für den Karneval und brauchen die Gemeinschaft.“ Das fehle sehr und drücke die Stimmung.

Vor allem für junge Karnevalisten traurig

Auch die Jecken des Wittsstocker Carneval Club (WCC) (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) müssen auf den Karnevalsruf „Donner Wittstock“ aus vielen Kehlen in diesem Jahr verzichten. „Wenn der Ruf zu hören ist, dann maximal in den heimischen vier Wänden, etwas leiser, um zu testen, wie er klingt“, sagte Präsident Egbert Schröder.
Karneval in Plessa und Bad Liebenwerda Jetzt doch keine Schlüsselübergaben

Bad Liebenwerda/Plessa

Traurig sei er vor allem für die jungen Karnevalisten: „Funkenmariechen konnten seit Monaten nicht trainieren.“ Das sei ein Hochleistungssport, da verliere man wichtige Fähigkeiten, sagte Schröder. Auch das Prinzenpaar konnte nicht seines Amtes walten. Es werde nun in der nächsten Saison noch einmal antreten.
Die drei Präsidenten haben dann aber doch mal die Insignien ihres Amtes aus dem Schrank geholt, geben sie zu: Schulze, Schröder und Witschel trugen nach eigenen Angaben kürzlich wieder ihre Galauniformen und die Kappen - für Fotos oder einfach mal privat. „Alles passte noch. Es war ein schönes Gefühl“, meinen alle drei.