Hund in Cottbus: Der verschmuste Riese Barney kämpft gegen alte Ängste an

Barney muss die erste Zeit seines jungen Lebens in einer Dreizimmerwohnung verbringen. Zu eng für den Herdenschutzhund.
Luise MösleEines braucht Barney, das wird schon auf den ersten Blick klar: Platz. Schon allein um seine langen Gliedmaßen mit noch jugendlicher Tollpatschigkeit zu koordinieren. Ganz zu schweigen von seinem Übermut und seiner Freude, die Gegend zu erkunden.
Trotzdem haben seine ersten Besitzer versucht, den Arbeitshund in einer Dreizimmerwohnung in der fünften Etage zu halten. Kaum mehr vorstellbar. Heute ist der zweijährige Herdenschutzhund mindestens hüfthoch.
„Barney kommt aus einer Wohnungshaltung hier in Cottbus zu uns“, erzählt Jürgen Niche, Leiter des Hundeteams im Tierheim Cottbus. „Von Menschen, die überhaupt nicht mit dem Hund umgehen konnten. Das waren junge Leute, die dachten, ein großer Hund ist ein Statussymbol.“
Das Statussymbol entpuppt sich dann als jugendliches Arbeitstier, eigentlich dafür gezüchtet, Raubtiere von Schaf- oder Rinderherden fernzuhalten. Als Barney neun Monate alt ist, sind die Eigentümer endgültig überfordert, und müssen ihn abgeben, erzählt Niche.
Niche geht davon aus, dass Barney in der Dreizimmerwohnung nicht immer gut behandelt worden ist. „Als er zu uns kam, hat sich gezeigt, dass er definitiv geschlagen wurde“, erzählt der Hundepfleger. „Das muss bei ihm in der Prägephase gewesen sein, also als er noch sehr jung war.“ Wenn Menschen sich schnell bewegen, mache Barney das heute noch Angst. „Er macht sich dann ganz klein, legt die Ohren an und geht weg“, erklärt Niche.
Trotzdem ist der junge Herdenschutzhund Menschen gegenüber aufgeschlossen und freundlich geblieben. Selbst Fremden gegenüber zeigt er kein Misstrauen. Ganz im Gegenteil, der imposante Teenager ist verschmust und verspielt und scheint sich zu freuen, wenn jemand seinen Übermut teilt.
Herdenschutzhunde: Auch Barney will arbeiten
Barney findet nach seiner ersten Zeit im Tierheim auch schnell ein Zuhause. Mit großem Grundstück, das er bewachen kann, erzählt Niche. Scheinbar perfekt für den jungen Herdenschutzhund. Endlich eine Aufgabe, die er erledigen kann.
Die brauchen diese Hunderassen, auch, die speziell für die Arbeit gezüchtet sind. Diese Hunderassen leben gemeinsam mit Schaf- oder Rinderherden, teilweise auch mit Geflügel zusammen. Sie sind es gewohnt, ihr ganzes Leben im Freien zu verbringen, selbständig zu entscheiden und zu handeln und ihre Herde im Notfall auch gegen Raubtiere oder Menschen zu verteidigen. Daher sind diese Hunderassen auch so groß. In Brandenburg werden diese Tiere vor allem zum Schutz gegen Wölfe eingesetzt.

Barney ist Menschen gegenüber aufgeschlossen und freundlich, so auch bei seinem Pfleger Jürgen Niche.
Luise Mösle„Diese Auslastung und Bewegung braucht Barney auch“, erklärt Niche. „Und die kann in einer Wohnung eben nicht gewährleistet werden, auch nicht in einer Fünfzimmerwohnung mit 100 Quadratmetern.“
Daher sind die Grundvoraussetzungen in seinem neuen Zuhaus für Barney auch scheinbar nicht schlecht. Aber dann können die neuen Besitzer Barney aus persönlichen Gründen nicht mehr länger bei sich behalten. Für Barney geht es wieder zurück ins Tierheim – schon zum zweiten Mal in seinem jungen Leben.
Dass es ihm dort zu eng ist, zeigt sich bei einem kleinen Spaziergang: Schier unbändig ist die Freude des tollpatschigen Teenagers, als Niche ihn aus dem Zwinger holt, um einen Spaziergang zu machen. „Er will einfach arbeiten, will etwas erleben“, kommentiert Niche das freudige Gebaren seines Schützlings.
Um wirklich als Herdenschützer zu arbeiten, dafür ist Barney trotz seiner jugendlichen zwei Jahre schon zu alt. „Die Herdenschützer werden mit hineingeboren in die Schafherde und wachsen dort auf“, erklärt Niche. Das kann Barney nicht mehr aufholen. Aber ein freundlicher Gefährte für eine Familie mit standfesten Kindern und noch dazu das Grundstück bewachen, dafür ist der junge Herdenschutzhund ideal, schätzt der Hundepfleger ein.
Herdenschutzhunde – einige Rassen
Herdenschutzhunde gehören, wie auch die Hütehunde, zu den Arbeitshunden. Während Hütehunde aber zum Treiben und Zusammenhalten der Herde eingesetzt werden, müssen Herdenschutzhunde die Herde gegen Angreifer verteidigen. Sie sind deshalb oft auch deutlich größer als Hütehunde. Die bekanntesten Rassen sind:
- Kangal: Kommt ursprünglich aus der Türkei. Ist ein anspruchsloser, starker und selbständiger Arbeitshund
- Kaukasischer Schäferhund: Langhaarige, große Hunderasse aus dem Kaukasusgebiet.
- Pyrenäenberghund: Langhaariger, weiß-graue Hunderasse aus den französischen Pyrenäen
Interessenten für Barney oder andere Hunde des Tierheims Cottbus können sich unter folgender Nummer melden: 0157-58 51 32 65.

