Nach sechs Wochen Schule daheim hat Deutschland etwas Wichtiges gelernt: Unterricht geht auch ohne Klassenzimmer. Mitunter lernt es sich sogar besser. Schüler können zusammen an Aufgaben arbeiten, in denselben Dokumenten schreiben. Kinder unterschiedlicher Leistungsstufen können individuell gefördert werden. Mit guter technischer Ausstattung geht es sogar besser. Doch die ist nicht überall vorhanden.

Die Bundesregierung will armen Kindern nun 150 Euro spendieren, damit die sich Laptops oder Tablets kaufen können. Das hat der Koalitionsausschuss von CDU und SPD in der vergangenen Woche beschlossen. 500 Millionen Euro werden dafür locker gemacht. Ist das der entscheidende Schritt hin zu mehr Bildungsgerechtigkeit?

Zumindest greift die Politik mit dem Vorstoß an der richtigen Stelle an. Fehlende Geräte und schlechte Netze sind das größte Hindernis beim Homeschooling in der Covid-19-Pandemie. Das zeigen etliche Studien, die seit den Schulschließungen Mitte März entstanden sind: Kinder, die ohne Laptop nicht richtig mitarbeiten können, sind oft dieselben, die auch sonst mit dem Lernen hinterherhinken und zu Hause wenig Unterstützung bekommen. Experten warnen davor, dass Corona die bereits bestehenden Bildungsunterschiede zwischen den Schülern zementiert.

Schule wird nach Corona digitaler

Zumal das Online-Lernen in Zukunft eine größere Rolle spielen wird als bisher. Viele Schulen haben mit dem online-gestützen Homeschooling gute Erfahrung gemacht. Mancherorts ist das Verhältnis zwischen Lehrer und Schülern besser geworden durch die intensivere Chat-Kommunikation. Dieses Rad wird sich nicht mehr zurückdrehen lassen, wenn die Schulen wieder laufen wie gewohnt. Die Digitalisierung der Schulen wird schon allein deshalb voranschreiten, weil sie Schüler, Lehrer und Eltern nun lauter einfordern. Umso wichtiger wird es, jetzt die Schüler anzukoppeln, die das allein nicht schaffen.

Wie das gelingen kann, wird gerade eifrig diskutiert. „Eigentlich müssten wir jedem Schüler ein Notebook zur Verfügung stellen“, sagt der Lausitzer CDU-Mann Ingo Senftleben. Ihm schweben Klassensätze vor, die die Schüler in der Schule und zu Hause verwenden können. „Wenn man in einem Jahrgang damit anfängt - etwa in Klasse 4 - dann wäre das ein Gewinn auch für die Zeit nach Corona.“

Klar ist aber: Für 150 Euro gibt es kein Gerät. Die Lehrergewerkschaft GEW nannte den Vorstoß der Koalition deshalb „blanken Hohn“. Weniger kritisch sieht das Stefan Bischoff, Lehrer an der Ludwig-Leichhardt-Oberschule in Goyatz: „Das Geld könnte in kinderreichen Familien wirklich helfen.“

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