Filmfestival Cottbus 2023: So schlägt sich Cottbus in Sachen Filmwissen

Neben viel Kino hat das 33. Filmfestival Cottbus erneut eine Menge Rahmenprogramm zu bieten – unter anderem ein Filmquiz.
Patrick Pleul/dpaDer Showdown findet an den Gleisen statt. Nicht mehr lange und der letzte Zug rollt aus dem Bahnhof. Doch wer hier ist, ist gekommen, um zu bleiben. Das Ziel: als Gewinner vom davonzuziehen. Fokussierte Blicke mustern die Gegner. Es kann losgehen. Klingt wie die Anfangsszene aus „Spiel mir das Lied vom Tod“? Ganz so ernst wie in Sergio Leones Western-Klassiker geht es in Cottbus an diesem Abend nicht zu. Den Film dürften hier im Scandale wohl trotzdem einige bestens kennen.
Der Club auf dem Cottbuser Bahnhofsgelände hat zum Filmquiz geladen. Die Hand befindet sich also nicht am Holster, sondern am Stift. Das einstige Bahnhofsgebäude hat von Techno-Nächten bis Live-Konzerten schon alles gesehen. MTV-Legende und Musik-Feinschmecker Markus Kavka hat hier schon aufgelegt, die Beatsteaks inmitten tanzender Fans gespielt, doch an diesem Abend heißt es: „Filmfestival Spezialquiz“. Es ist eine der vielen Abendveranstaltungen, die im Dunstkreis des 33. Filmfestival Cottbus stattfinden, das noch bis Sonntag läuft.
Lokale Cineasten stellen ihr Filmwissen unter Beweis
Und die lokalen Cineasten – oder jene, die sich dafür halten – lassen sich nicht zweimal bitten. Ganze 14 Teams treten an diesem Donnerstagabend gegeneinander an. Sie tragen so illustre Namen wie „Die drei glorreichen Sieben“, „Die Anstaltskinder“, „Stranger Thinks“ und „Synapsenbitches“. Tisch an Tisch gereiht, teilweise das Dutzend an Teammitgliedern vollmachend, sind sie gekommen, um ihr filmhistorisches Wissen unter Beweis zu stellen und den Sieg davonzutragen.
Und den Preis selbstverständlich. Der besteht aus Jutebeuteln und zehn Freikarten für Vorführungen auf dem Cottbuser Filmfestival. Das ein oder andere Team darf sich auch während des Quiz über eine Runde Frei-Schnaps als zusätzlichen Launemacher freuen. Doch die Freikarten bleiben fast die einzige Referenz an das Festival des osteuropäischen Kinos. Die Bandbreite reicht eher von Al Bundy bis „Das Zeichen des Zorro“. Fans von Hollywood-Blockbustern haben an diesem Abend also bessere Karten.
Quizmaster Fipo ist in Cottbus bereits eine kleine Stadtbekanntheit
Unter ihnen sind Katharina und Vanessa. Die beiden Nachbarinnen leben unweit vom Bahnhofsgelände, kennen das Scandale gut – und bringen Quizerfahrung mit. Wenn auch eher im Bereich Musik, wie Katharina gesteht. Da ihre Gruppe am Ende kleiner ausfiel als gedacht, findet sich netterweise noch Platz für einen einsamen LR-Reporter in ihren Reihen (so viel sei bereits verraten: auch er konnte nicht zum Sieg verhelfen). Kurz noch vorgestellt, dann geht es direkt los.

Moderatoren-Duo: Jonas (links) und Fibo vom Quizlabor führten durch das Filmquiz in Cottbus.
Michael HeiderDurch den Abend führen die beiden Quizmaster Fipo – mit Tweed-Anzügen und Hut schon eine kleine Stadtbekanntheit – und Jonas. Beide gehören zum Quizlabor, das sich auf Kneipenraterunden spezialisiert hat. Ihr bewährtes System exportiert die Truppe auch in andere Städte. Zum Portfolio gehört von Wissenschafts-Show über Musikquiz bis hin zum Zeichentrick-Spezial so gut wie alles, was sich über einem Bier noch erraten lässt.
Ein Abend voller Memes und kreativer Kategorien
Doch weil nur einmal im Jahr Filmfest ist, geht es im Scandale diesmal ums ganz große Kino. Ausgestattet ist das Moderatoren-Duo nicht nur mit reichlich Memes und Katzen-Videos, sondern auch mit ausgefallenen Kategorien. „Titel zum Abgewöhnen“ ist eine. Und siehe da… Der deutschen Unart, Filmtitel unfreiwillig komisch zu übersetzen, wird hier tatsächlich Positives abgewonnen. Das Grübeln darüber, was sich hinter „Zwei abgewichste Profis“ oder „Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ verstecken könnte, macht eine Menge Spaß.
Welcher Film verbirgt sich hinter dem Bilderrätsel? Welche Intromusik gehört zu welchem Filmstudio? Welcher Klassiker gilt als „bester Film der Geschichte“? Und wie hießen nochmal alle Teile der Twilight-Saga? Langweilig wird es bei derartigen Fragen in keiner der drei Runden. Einzig das osteuropäische Kino vermisst man in der Woche des Filmfestivals etwas. Darüber tröstet auch die Fragerunde nicht hinweg, in der es um die Hollywood-Blockbuster hinter fantastisch amateurhaft gezeichneten Filmplakaten aus Osteuropa geht.
Festivalgäste sind beim Filmquiz kaum anwesend
Das einstige Bahnhofsgebäude eignet sich bestens für ein solches Format. Holzbalken an der Decke, schummrig herumbaumelde Lichterketten und eine selbst gezimmerte Bar – hier wird in sehr entspannter Atmosphäre gequizzt. Das Publikum scheint jedenfalls zu wissen, was es an der Veranstaltungsstätte hat. Glaubt man den bestens vernetzten Quiz-Kolleginnen aus Cottbus, sind ohnehin die meisten lokale Stammgäste. Angereiste Festivalgäste sind an diesem Abend eher rar.
Ausreichend Expertinnen und Experten gab es trotzdem. Und auch wenn es der Autor dieser Zeilen mit Teamkolleginnen und -kollegen nur ins (obere) Mittelfeld schaffte… Ehre, wem Ehre gebührt: Das Sieger-Team hieß an diesem Abend „Bräut*innen des Reanimators“. Ihr beachtenswertes Filmwissen können sie nun mit verdient gewonnenen Freikarten auf dem Filmfestival Cottbus weiter vertiefen. Der Showdown hat sich trotzdem für alle gelohnt.



