Nach mehrmonatiger Pause hatte der Golßener Verein Zukunft Heimat am Wochenende zu einer Kundgebung am Cottbuser Stadtbrunnen aufgerufen. Rund 250 Menschen waren dem Aufruf gefolgt: Neben Teilnehmern aus Cottbus waren zahlreiche Gruppen aus Wittenberg, Elbe-Elster, Dresden, Berlin und Niedersachsen angereist.

Neben AfD- und Landesfahnen zeigten die Demonstranten Reichskriegs- und Preußenflaggen sowie das Symbol der Identitären Bewegung.

Keine Abgrenzung von Rechtsextremen

Christoph Berndt, Chef von Zukunft Heimat und Abgeordneter der AfD im Potsdamer Landtag sagte dazu: „Wir brauchen keine Abgrenzungsbeschlüsse, wir brauchen eine geschlossene patriotische Bürgerbewegung.“ Unerwähnt ließ er, dass die auch in Teilen der AfD umstrittene Identitäre Bewegung vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft wird.

Extremismus in der Lausitz Neue Bewegungen am rechten Rand

Cottbus

Lobeshymne auf Donald Trump

Berndt beklagte eine Verrohung der Sprache und die zunehmende Aggressivität gegenüber Ärzten und Rettungskräften. Beides stellte er in den Kontext der Migration und suggerierte hier einen Zusammenhang, der nicht durch Fakten abgedeckt ist.

Zum Abschluss seiner Rede zog er Parallelen zwischen der Perestroika-Bewegung von Michail Gorbatschow und der Regentschaft des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Seinen Auftritt auf der politischen Bühne nannte Berndt „ein Mirakel“.

Der Cottbuser AfD-Abgeordnete Lars Schieske wetterte gegen „Öko-Faschisten“, nannte den Kinderkanal Kika in einem Atemzug mit der radikalen Umweltbewegung Extinction Rebellion und beklagte eine aus seiner Sicht zunehmende Islamisierung der Politik.

Damit spielte er auf den neu gewählten Oberbürgermeister von Hannover an. Der Grüne muslimischen Glaubens ist in Goslar geboren. Seit seiner Wahl muss er sich mit rassistischen Hetz-Kommentaren und Fake-News auseinandersetzen.

Tragischer Fall aus Wittenberg

Zu den Rednern in Cottbus gehört auch Karsten Hempel aus Wittenberg. Sein Sohn Marcus starb 2017 nach einem Schlagaustausch mit einem jungen Syrer.

Der Fall ist bis heute juristisch ungeklärt, auch wegen der umstrittenen Arbeit der zuständigen Staatsanwaltschaft. Hempel solidarisiert sich seitdem mit der AfD Sachsen-Anhalt und ist froh, seine Geschichte in Cottbus erzählen zu können.

Im Anschluss an die Reden wird, wie bei Zukunft Heimat üblich, die Nationalhymne angestimmt. Mehrere Besucher murren: „Die Hymne hat aber drei Strophen.“

In einer früheren Version des Textes wurde Christoph Berndt eine Äußerung zugeschrieben, welche er in der Weise nicht getroffen hatte. Dies ist korrigiert worden.