Glaswerk Döbern
: Cristalica-Chef unterliegt vor Gericht gegen Planungsbüro

„Wie geht es weiter mit der Glasproduktion in Döbern“, hatte die RUNDSCHAU Anfang Februar getitelt. Vermeintlicher Subventionsbetrug, Fördermittelrückzahlung und unbezahlte Forderungen stehen im Raum. Jetzt hat es ein erstes Urteil gegeben.
Von
Christian Taubert
Cottbus
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Hochwertige Fan-Artikel wie die für Bayern-Profi Robert Lewandowski ersetzen nicht die vereinbarte Glasproduktion in Döbern.

Christian Taubert

Die Cristalica GmbH in Döbern und ihr Geschäftsführer Lutz Stache haben am Landgericht Cottbus eine erste Niederlage im Rechtsstreit um ausstehende Forderungen gegenüber Dienstleistern erlitten. Ein Planungsbüro aus Tschernitz, das beim Bau der Döberner Glaspyramide „Cristalica Kingdom“ bis zur Eröffnung im Oktober 2013 praktisch Generalauftragnehmer für Planungsleistungen war, hatte 40.000 Euro Außenstände eingefordert. Nach drei Monaten entschied das Gericht jetzt vollumfänglich zugunsten des Klägers.

Streitpunkt in dem Zivilprozess waren Planungsleistungen für ein neues Projekt von Lutz Stache am traditionellen Standort für Glasproduktion in Döbern. Unmittelbar neben der weithin sichtbaren Glaspyramide sollte eine Erlebnisgastronomie entstehen.

Cristalica-Chef hat Vergleichszahlung abgelehnt

Wie ein Zeuge, der seit 2009 als Unternehmensberater für Cristalica gearbeitet hatte, in dem Prozess erläuterte, sei ein unterirdisches Dschungel-Restaurant angedacht gewesen. Das neue Projekt sollte über eine weitere zum Firmenkonsortium gehörende Gesellschaft, die I.S.A. Serini GmbH, laufen. Wie der Zeuge vor Gericht bestätigte, habe das Tschernitzer Planungsbüro in einer Beratung den mündlichen Auftrag für die Dienstleistung erhalten.

Gezahlt wurde aber nicht, sodass es zur gerichtlichen Auseinandersetzung kam. Einen vor Gericht ausgehandelten Vergleich über die Zahlung von 30.000 Euro hatte Lutz Stache letztlich abgelehnt. Nach dem vom Landgericht ergangenen Urteil erhält der Kläger jetzt mit Zinsen gut 48.000 Euro. Weiterhin anhängig ist ein ähnlich gelagertes Verfahren vor dem Landgericht Cottbus über einen Streitwert von rund 100.000 Euro. Eine weitere Klage über nicht bezahlte Elektro-Dienstleistungen in derselben Höhe soll nach RUNDSCHAU-Informationen bereits beim Landgericht Cottbus eingegangen sein.

Cristalica ist im Rechtsstreit mit Ex-Partner aus Holland

Schwerer dürfte unterdessen der Ausgang eines Verfahrens wiegen, das der Lausitzer Unternehmer seit Monaten mit seinem ehemaligen holländischen Kooperationspartner und Besitzer einer Maschine zur Herstellung von Glasnuggets/-murmeln über strittige Vertragsfragen in Berlin führt. Die Halbkugeln sind eine Rohstoffform, in der sich Glas bei einer späteren Einschmelze einfacher und effektiver zum Herstellen von Produkten verarbeiten lässt. Zudem ist die Maschine in der Lage, Glasmurmeln mit Keramikinlett in hoher Stückzahl herzustellen, die Lutz Stache für seine VIP Pictures World GmbH zur Produktion von Merchandising-Artikeln verwenden könnte. In Berlin wird deshalb um Beträge im siebenstelligen Bereich gestritten.

Keine Glasproduktion mehr in Döbern?

Infolgedessen wird nach RUNDSCHAU-Recherchen in Döbern seit langer Zeit kein Glas mehr produziert. Da die Zahlung von Fördermitteln in Höhe von 4,5 Millionen Euro durch die Landesinvestitionsbank (ILB) aber an den Erhalt der Glasproduktion am Traditionsstandort gebunden war, ist ein Widerrufsbescheid der ILB an Cristalica erlassen worden.

Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft Cottbus weiter wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug. Auch wenn Lutz Stache mehr als 40 Millionen Euro in den Standort Döbern investiert hat, ohne dafür Kredite in Anspruch genommen zu haben: Auf Subventionsbetrug stehen bis zu fünf Jahre Freiheitsentzug.

*Hierbei handelt es sich um einen Archiv-Artikel. Die Online-Redaktion von LR.de hat den Beitrag noch einmal aufbereitet, da derzeit ein Prozess gegen den Geschäftsführer der Cristalica GmbH am Landgericht Cottbus verhandelt wird.