Rührei oder Weißwurst? Oder sogar beides? In normalen Zeiten sind es auch solche Fragen, die Korrespondenten in Berlin zu Beginn einer jeden Bundestagswoche durch den Kopf gehen. Die Antwort hängt dann davon ab, welche Informationen von der jeweiligen Frühstücksrunde zu erwarten sind.

Jetzt allerdings, in Zeiten von Corona, ist alles anders. Da gibt es weder Eierspeisen bei der CDU noch Brühwurst bei der CSU. Die üblichen Termine zwischen Medien und Politik fallen entweder ganz aus oder werden als knarzende Telefonschaltungen abgehalten, Pressekonferenzen sind auf ein Minimum reduziert, alle achten auf Abstand. Der Informationsfluss gerät ins Stocken.

Umfangreiche Gesetze werden durch den Bundestag gejagt

Zugleich aber – und das macht die Lage doppelt besonders – läuft die Politikmaschine im Kampf gegen das Virus und seine Folgen auf Hochtouren. Quasi im Minutentakt sollen heute ebenso umfang- wie auch folgenreiche Gesetze durch den Bundestag gejagt werden: Aussetzen der Schuldenbremse, milliardenschwere Hilfsprogramme, Schaffung eines Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Mit einem stolzen Lächeln hielt Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) am Montag den fetten Papierstapel in die Kameras: „Das ist das Paket der Gesetze, die wir beschlossen haben.“ Doch was der Vizekanzler gerade noch mit einer Hand greifen konnte, lässt sich inhaltlich kaum mehr umfassen. Weder von Journalisten, die kritisch berichten wollen, noch von den Abgeordneten, die darüber entscheiden sollen. „Sorgfalt vor Schnelligkeit“ – auch diesen Leitspruch des parlamentarischen Betriebs hat Sars-CoV-2 außer Kraft gesetzt.

Cottbus

Gerade eineinhalb Wochen ist es her, dass mit den Schulschließungen das begann, was jetzt den fast völligen Stillstand des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens hierzulande bedeutet. Während einerseits also massiv heruntergefahren wurde, musste an anderer Stelle kräftig hochgedreht werden: Es galt, den drohenden Absturz einer ganzen Volkswirtschaft abzufedern – und das möglichst sofort.

Verzerrung der Gewaltenteilung droht

Am Freitag stand die Grundsatzeinigung, am Montag tagte das Kabinett: Das, was normaler­weise in zweiwöchiger Ressortabstimmung geschieht, hatte nun an einem Wochenende stattzufinden. Das war „relativ intensiv“ sagt einer, der dabei war. Das ein oder andere „intensivere“ Telefonat soll es demnach auch gegeben haben. Denn  Vorbehalte, Bedenken, Kompetenzgerangel lösen sich auch durch Pandemiealarm nicht völlig auf.

Unter Hochdruck läuft aber nicht nur die Arbeit der Regierung. „Ich habe zwischen Donnerstag und Sonntag durchgehend mindestens zwölf Stunden täglich gearbeitet“, berichtet beispielsweise der FDP-Abgeordnete Stefan Ruppert, der als einer der Parlamentarischen Geschäftsführer die Oppositionsarbeit seiner Fraktion aus dem Homeoffice koordinierte. Der Jurist legt Wert darauf, „dass auch in der Krise die normalen Reflexe nicht ausgeschaltet werden“. Schnell helfen, das ja, aber „wir müssen aufpassen, dass es auf Dauer keine Verzerrung der Gewaltenteilung gibt“, mahnt Ruppert.

Auch die Medien als eine Art vierte Gewalt im Staat kommen kaum hinterher. Zeit, die Paragrafenwerke in Ruhe durchzuforsten und zu bewerten, ist kaum. Zudem waren in den ersten atemlosen Tagen die meisten Journalisten vor allem damit beschäftigt, die Flut aktueller Entscheidungen nachzuvollziehen.

Zu viel Kritik schien selbst den Berufskritikern angesichts der Katastrophe unangebracht. Auch hier sollte es auf Dauer keine Verzerrung geben.

Coronavirus zwingt LR-Sportredaktion zum Umdenken

Keine Termine mehr, keine Pressekonferenzen und natürlich keine Spiele am Wochenende: Auch für die Sportredaktion der Lausitzer Rundschau hat sich die Arbeitsweise in diesen Tagen gravierend verändert. Die Corona-Krise zwingt uns zu einem völligen Umdenken. Es ist völlig normal, dass wir nun oft gefragt werden: Worüber berichtet ihr jetzt eigentlich? Es findet doch gar nichts mehr statt! Das stimmt. Aber genauso, wie sich die Sportler jetzt umstellen müssen, sind auch wir Journalisten gefragt, sämtliche Arbeitsprozesse völlig neu zu definieren. Die Sportler halten sich zu Hause fit – und auch wir arbeiten meistens aus dem Homeoffice.

Und das Interesse vieler Leser zeigt, dass die Lausitzer gerade in dieser unsicheren Zeit viele Fragen haben: Wie geht es weiter mit dem FC Energie Cottbus? Wann finden bei meinem heimatlichen Handballverein wieder Training und Spiele statt? Wie wird in der vorzeitig beendeten Saison meines Kegelvereins ein Meister oder ein Aufsteiger bestimmt? Wie können die finanziell alle nicht auf Rosen gebetteten Sportvereine in der Region diese Krise überstehen? Insofern gehen die Themen aktuell nicht aus. Ganz im Gegenteil.

Live-Talk aus dem Homeoffice bei Instagram

Eine wichtige Erkenntnis der ersten Tage im Homeoffice lautet auch: Die Planung und Koordination ist jetzt noch viel wichtiger. Der erste Termin des Tages für die dreiköpfige Sportredaktion ist die gemeinsame Videokonferenz am Vormittag. Dort besprechen wir die wichtigsten Themen des anstehenden Tages und passen bereits geplante Themen der aktuellen Nachrichtenlage an.

Außerdem haben wir ein neues Nachrichtenformat entwickelt. Jeden Tag um 12 Uhr gehen jeweils zwei Kollegen bei Instagram live und sprechen dort über den Sport in der Lausitz inmitten der Corona-Krise und aktuelle Entwicklungen. Daneben gibt es auch Specials, bei denen wir externe Gäste zuschalten. Der vierfache Bahnrad-Weltmeister Maximilian Levy aus Cottbus hat beispielsweise über seinen komplizierten Trainingsalltag unter Corona-Bedingungen berichtet. Außerdem hat Olympia-Kandidat Levy detailliert geschildert, warum er als einer wenigen Sportler sich wünschen würde, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) sich mit seiner Entscheidung zu den Spielen in Tokio unbedingt noch Zeit lassen sollte. Seine pointierten Aussagen wurden in der ganzen Republik aufgegriffen.

Die aktuellen Informationen zum Thema Corona in der Lausitz gibt es hier.

Die Veranstaltungsabsagen wegen des Coronavirus gibt es gebündelt für die Region hier.

Fragen und Antworten rund um das Thema Corona gibt es hier.