Ex-Cottbuser startet durch: Tim Kleindienst auf Rekordkurs – über Mailand in den Europacup?

Tim Kleindienst jubelt nach dem 2:1-Sieg von Borussia Mönchengladbach beim 1. FC Union Berlin. Der Angreifer sorgt mit seinen Toren für den Aufschwung bei den Fohlen in der Bundesliga.
Sebastian Räppold/Matthias Koch- Tim Kleindienst führt Borussia Mönchengladbach mit wichtigen Toren zu Erfolgen in der Bundesliga.
- Nach einem 2:1-Sieg gegen Union Berlin hat Kleindienst nun 14 Saisontore erzielt.
- Der 29-Jährige ist auf Rekordkurs und könnte Gladbachs bester Torschütze des Jahrtausends werden.
- Kleindienst wurde von Bundestrainer Nagelsmann für die Nations League gegen Italien nominiert.
- Gladbach hofft auf einen Europapokal-Platz.
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Es war sicher nicht das komplizierteste Tor, das Tim Kleindienst in der Fußball-Bundesliga erzielt hat, aber es könnte ein sehr wichtiges gewesen sein. Die zwischenzeitliche 2:0-Führung für Borussia Mönchengladbach beim 1. FC Union Berlin, bei der Kleindienst den Ball nur noch aus Nahdistanz über die Linie drücken musste, reichte am Samstag zum 2:1-Auswärtssieg seiner Mannschaft im Stadion an der Alten Försterei. Nahezu mühelos konnten die Gäste zweimal die Viererkette von Union Berlin aushebeln.
Mit den mitgereisten Gladbacher Fans, sowie Familie und vielen Freunden aus seiner brandenburgischen Heimat Jüterbog konnte Kleindienst ausgelassen feiern. Die Borussen sind hinter Bayern München das zweitbeste Rückrundenteam und können sogar in Richtung Europapokal schielen. „Wir sind zwar optimistisch, aber ich will hier auch nichts lostreten, was wir dann am Ende vielleicht nicht erreichen. Es wäre doch schöner, wenn wir Undercover da oben mit reingehen“, erklärte Kleindienst den verdeckten Erfolgsplan bei „Sky“.
Tim Kleindienst sorgt für Aufschwung in Mönchengladbach
Der 29-Jährige, der von 2008 bis 2015 bei Energie Cottbus ausgebildet wurde, ist dabei das Gesicht des Gladbacher Aufschwungs. Trainer Gerardo Seoane lobte nach dem Sieg in Berlin: „Tim hilft der Mannschaft nicht nur mit seinen Toren, sondern auch mit seiner Art und der Persönlichkeit.“ Nach einer „beschissenen Saison“, wie es Borussen-Sportchef Roland Virkus ungeschönt formulierte, hatte er im Sommer mit der Verpflichtung des Angreifers ins Schwarze getroffen. Kleindienst erzielte beim Sieg gegen Union Berlin sein fünftes Tor in Folge und ist mit inzwischen 14 Saisontoren auf Rekordkurs. Er könnte Gladbachs bester Torschütze in diesem Jahrtausend werden. Die Bestmarke hält Marco Reus mit 18 Treffern aus der Saison 2011/12. Unerreichbar dürfte indes Jupp Heynckes mit 30 Toren in der Spielzeit 1973/74 bleiben.
Kleindienst selbst will ohnehin nicht nur an die eigene Torquote denken. Er betonte gegenüber der ARD: „Es gibt generell eine gute Entwicklung in der Mannschaft. Die Spieler um mich herum setzen mich sehr gut ein. Ich bin oft derjenige, der am Ende dann Dankeschön sagen kann. Deshalb zählt da die gesamte Mannschaft dazu.“ So will es auch Sportchef Virkus, der sich wünscht: „Wir dürfen nicht nur über Tim Kleindienst reden.“ Allerdings schwärmte auch er: „Tim ist ein ganz wichtiger Faktor in unserem Spiel.“ Virkus fügte an: „Aber die ganze Mannschaft hat sich weiterentwickelt. Es ist schön, dass die Mannschaft aus dem schwierigen Jahr gelernt hat.“
Viertelfinale in der Nations League gegen Italien
Ist der Europapokal nun tatsächlich für Gladbach möglich? „Wir müssen auch gegen die großen Teams punkten. Das ist uns in dieser Saison noch nicht so häufig gelungen“, so Kleindienst, der sich und sein Team in die Pflicht nimmt: „Wenn man Ambitionen haben will, dann muss man da auch mithalten können.“ Allerdings: Ganz große Gegner stehen vorerst nicht an: Augsburg, Heidenheim, Mainz und Bremen – mit Kleindienst in seiner aktuellen Form ist da sich viel möglich.

Tim Kleindienst erzielte für Borussia Mönchengladbach das zwischenzeitliche 2:0 gegen Union Berlin. Das war bereits sein 14. Saisontreffer.
Andreas Gora/dpaUnd dann kommt Italien – gleich zweimal als Gegner im Viertelfinale in der Uefa Nations League. Dass Kleindienst von Bundestrainer Julian Nagelsmann erneut für die Nationalmannschaft nominiert wird, scheint angesichts der aktuellen Rekordjagd des Stürmers nur Formsache. Bei den Spielen im Stadion San Siro in Mailand sowie im Signal-Iduna-Park von Dortmund dürfte ihm das Torschießen allerdings nicht ganz so leicht gemacht werden wie am Samstag im Stadion an der Alten Försterei.

