Energie Cottbus
: „Drecksack“ Tim Kleindienst – sein Weg über den FCE zu Nagelsmann

Bei Energie Cottbus wurde Tim Kleindienst in der 3. Liga zum Profi geformt. Nun hat ihn Julian Nagelsmann in die Nationalmannschaft geholt.
Von
Frank Noack
Cottbus
Jetzt in der App anhören
Tim Kleindienst

Über Energie Cottbus in die DFB-Auswahl: Der aus Jüterbog stammende Tim Kleindienst wurde durch Bundestrainer Julian Nagelsmann erstmals für die deutsche Nationalmannschaft nominiert.

David Inderlied/dpa

Bis 2015 trug Tim Kleindienst das rot-weiße Trikot des FC Energie Cottbus. Und auch an den neuen Anblick kann sich der aus Jüterbog im Landkreis könnte sich Tim Kleindienst sicher gewöhnen. Die Grafik, die sein Verein Borussia Mönchengladbach zur erstmaligen Nationalmannschafts-Nominierung des Stürmers verbreitete, zeigt ihn im Vereinstrikot vor einem Spiegel stehend. Kleindienst schaut hinein und sieht sich selbst: im DFB-Dress mit dem Adler auf der Brust.

„Für mich geht ein Traum in Erfüllung“, sagte der Fußball-Profi. Als Spätberufener gehört er mit seinen 29 Jahren erstmals zum Kreis der A-Nationalelf für die Nations-League-Partien gegen Bosnien-Herzegowina und die Niederlande.

Er reist ins DFB-Quartier nach Herzogenaurach als Ersatz für den verletzten Niclas Füllkrug. Womöglich entpuppt sich Kleindienst aber auch als ernstzunehmender Konkurrent für den im Sommer von Borussia Dortmund zu West Ham United gewechselten Stürmer.

Kleindienst könne sich jetzt „beweisen“, sagte Bundestrainer Julian Nagelsmann und lobte unter anderem die defensive Verlässlichkeit des Spielers. Das ist insofern bemerkenswert, als die zentrale Aufgabe eines Angreifers ja eigentlich das Toreschießen ist. Kleindienst jedoch überzeugt seit jeher durch das Gesamtpaket, das er bietet. Der 1,94-Meter-Mann ist ein Mittelstürmer mit Gardemaß, aber kein klassischer Neuner, sondern ein echter Malocher.

Wechsel zu Energie Cottbus und an die Sportschule

In den Worten von Kleindienst, als Fußballer ähnlich rustikal veranlagt wie Füllkrug, klingt das dann so: Er sei, sagte der Mittelstürmer über sich in der Süddeutschen Zeitung, „vielleicht nicht immer der filigranste Fußballer, aber dafür lebe ich auch so ein bisschen diese Drecksack-Mentalität“.

Tim Kleindienst hatte von 2008 bis 2015 bei Energie Cottbus im Nachwuchs sowie im damaligen Drittliga–Team gespielt. Seine Karriere begonnen hat der Angreifer bei Viktoria Jüterbog. Im Sommer 2008 wechselte er nach Cottbus und kam in der 7. Klasse an die Lausitzer Sportschule. Zur Saison 2015/16 war Tim Kleindienst zum SC Freiburg gewechselt, damals noch in die 2. Liga.

Tim Kleindienst spielte bis 2015 im Trikot von Energie Cottbus.

Tim Kleindienst spielte bis 2015 im Trikot von Energie Cottbus.

Steffen Beyer

Aber zurück zu den Trikots von Tim Kleindienst. Auf der Ostalb wurde er einst auch zum Aufstiegshelden, erzielte in der Zweitliga-Spielzeit 2022/23 satte 25 Tore und vor allem das alles Entscheidende zum Bundesliga-Einzug – damals am letzten Spieltag in der neunten Minute der Nachspielzeit eines völlig wilden Ritts in Regensburg.

Auf 83 Treffer in 172 Pflichtspielen kam er im beschaulichen Heidenheim. 2020 hatte er den FCH schon einmal verlassen. Der internationale Schritt zu KAA Gent nach Belgien erwies sich aber als Reinfall. Immerhin: Energie Cottbus durfte sich dank des internationalen Wechsels über eine stattliche Ausbildungsentschädigung freuen.  Ein halbes Jahr später kam Kleindienst nach Heidenheim zurück.

Auf zwei Tore und eine Vorlage kommt Tim Kleindienst bislang für seinen neuen Club Borussia Mönchengladbach. Eindrucksvoller sind aber zwei andere Statistiken: Seit Beginn der vergangenen Spielzeit ist Kleindienst der Profi, der in der Bundesliga die meisten Zweikämpfe und Sprints absolviert hat. Nun wird er erstmals im DFB-Trikot in die Zweikämpfe gehen und damit seine Karriere krönen, die in Jüterbog begonnen und in der Lausitz bei Energie Cottbus dann richtig Fahrt aufnahm. (mit dpa und SID)