Energie Cottbus: Als in der ganzen Stadt nach dem Aufstieg Ramba-Zamba war

Energie Cottbus feiert im Mai 2000 den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga: Franklin Bittencourt und Antun Labak genießen den Autocorso durch die Innenstadt.
Michael Helbig- Energie Cottbus stieg im Mai 2000 in die Bundesliga auf, gefeiert von 5.000 Fans mit Autocorso.
- Präsident Dieter Krein und Fußball-Gott Detlef Irrgang wurden besonders geehrt.
- Die Mannschaft besuchte ein Kinderfest, spendete für das Projekt "Elternhaus für Kinder".
- Spieler Christian Beeck erwartete die Geburt seiner zweiten Tochter.
- Fans feierten weiter bis zum Kreishausfest in Forst.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Energie Cottbus – aus unserem Archiv
Die Geschichte von Energie Cottbus bewegt die Fußballfans – nicht nur in der Lausitz. In unserer Archiv-Serie blicken wir mit historischen Artikeln auf wichtige Spiele und Ereignisse in der FCE-Geschichte zurück. Der Text „Das war Ramba-Zamba ohne Ende“ von Wolfgang von der Burg ist am 29. Mai 2000 in der Lausitzer Rundschau erschienen.
„Wie spät ist es denn eigentlich?“, blinzelte Energie-Präsident Dieter Krein etwas verschlafen, als er Samstag gegen 9:30 Uhr auf dem Stadiongelände aus seinem BMW stieg. Denn dort hatte er sich früh um sieben zur „Nachtruhe“ begeben, um wenigstens pünktlich zum Beginn des Autocorsos zu sein. Der setzte sich auch mit ein wenig Verspätung in Richtung Staatstheater in Bewegung. Die Cottbuser Straßen säumten rund 5.000 Fans, und etwa genauso viele hatten sich auf dem Theatervorplatz eingefunden, um ihren Helden zu huldigen.
Zigmal erklang die „Energie-Hymne“ zur Einstimmung, und es war ein Ramba-Zamba ohne Ende. Zusätzliche Euphorieschübe bei den Wartenden verursachten noch einmal die entscheidenden Szenen des Spiels gegen Köln auf einer Videowand – der Torjubel genauso laut wie am Vortag. Im Theaterfoyer wartete der Cottbuser Oberbürgermeister Waldemar Kleinschmidt auf seine Gäste, die sich später ins „Goldene Buch“ der Stadt eintrugen.
„Grafiker Dieter Nemitz hat extra eine Nachtschicht eingelegt, um die Seiten mit den Namen im Goldenen Buch vorzubereiten“, erzählt der OB und zeigte auch noch den silbernen Stadttaler, den jeder Kicker zur Erinnerung erhielt. „Dieser sensationelle Erfolg wird sicher der Region insgesamt nutzen. Cottbus wird deutschlandweit seinen Bekanntheitsgrad erhöhen, was hoffentlich auch in den wirtschaftlichen Bereich umschlägt“, so noch einmal der Cottbuser Oberbürgermeister.
„Fußball-Gott“Detlef Irrgang steht im Mittelpunkt
Als die Nobelkarossen näher ans Theater rollen, verstärkt sich der Beifall hörbar. Die Helden sind nach der durchzechten Nacht müde, aber immer noch sanges- und interviewfreudig. Ein Mann stand natürlich besonders im Mittelpunkt: „Fußball-Gott“ und Geburtstagskind Detlef Irrgang: „Ich kann kaum beschreiben, was in mir vorgeht, ich danke allen Fans auch im Namen der Mannschaft. Wie sie uns immer wieder nach vorn trieben und uns auch in brenzligen Situationen die Treue hielten, ist schon Spitze.“
Ob seine Zukunft weiter auf dem Fußballplatz liegt, ließ Irrgang offen. Zumindest sein Chef, Eduard Geyer, nährte Hoffnungen diesbezüglich, als er dem „Langen“ zum Geburtstag mit den Worten gratulierte: „Einen Fünfjahresvertrag können wir dir nicht mehr geben, aber mal sehen ...“
Die Jubelfeier vor dem Staatstheater endete mit einer „Zweiteilung“ der Mannschaft. Einige Profis, wie Steffen Heidrich, Thomas Köhler, Christian Beeck oder Sebastian Helbig, mischten sich als Gäste unter ein Kinderfest bei McDonald’s – natürlich sofort umringt von einer Fantraube. Autogramme und Fotos mit den Idolen waren am begehrtesten.
Übrigens stieß bei diesem Fest ein „Versprengter“ zur Truppe, der den Autokorso „geschwänzt“ hatte: Rayk Schröder, der Cottbus in Richtung Hansa Rostock verlässt, brauchte wohl erst ein paar Mützen voll Schlaf, um sich dann wieder ins Getümmel zu stürzen.
Christian Beeck wartet auf Nachricht von seiner Frau
Die Cottbuser Profis erlebten dann noch mit, wie dem Projekt „Elternhaus für Kinder“ ein Scheck von 10.000 Mark von McDonald’s und Staatssekretär Frank Szymanski, der 500 Mark aus seiner Privatschatulle beisteuerte, überreicht wurde. Manchem wurde da auch noch einmal klar, dass das Leben nicht nur aus Freude, Jubel und Feiern besteht.
„Ich finde es sehr gut, dass so ein freudiger Anlass auch genutzt wird, für die zu spenden, die gerade nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen“, sah es Olaf Renn. Noch auf dem Kinderfest versuchte der etwas „partygeschädigte“ Christian Beeck, seine Frau im Krankenhaus von Ludwigsfelde zu erreichen. Denn der Abwehrrecke erwartete stündlich die Nachricht, dass er zum zweiten Mal Vater einer Tochter geworden ist. Zumindest zu diesem Zeitpunkt konnte er nach dem Aufstiegsglück noch nicht über neues Familienglück jubeln.
Auf dem Kreishausfest in Forst erwarteten am Nachmittag hunderte Energie-Fans den Auftritt einiger Cottbuser Profis wie Vasile Miriuta oder Tzanko Tzvetanov, die sich dann auf dem Jacobs-Truck an Autogrammen fast die Finger wund schrieben. Zuvor hatten sie sich als Gäste von Landrat Dieter Friese, selbst glühender Energie-Anhänger, im Gästebuch des Landkreises verewigt.
Der „letzte Mohikaner“ der Energie-Profis war am Samstagnachmittag Rayk Schröder bei einem Fan-Turnier in Cottbus, wo er nach einigen Sangeseinlagen das Endspiel pfiff. Doch jede Feier geht einmal zu Ende, und die Energie-Profis wissen, dass nach einigen wohlverdienten Urlaubswochen in ihrem Premierenjahr in der 1. Fußball-Bundesliga nicht nur Jubelfeiern auf sie warten.

