Energie Cottbus 3. Liga: DFB bestätigt Tor-Klau, bekommt der FCE jetzt die Punkte?

Die Spieler von Energie Cottbus sind fassungslos: Schiedsrichter Ben Henry Uhrig. erkennt das späte Tor gegen Waldhof Mannheim nicht an. Die Enttäuschung steht (von links) Tolga Cigerci, Nyamekye Awortwie-Grant und King Manu ins Gesicht geschrieben.
Frank HammerschmidtTor oder nicht Tor? Das war die entscheidende Frage beim Heimspiel von Energie Cottbus gegen Waldhof Mannheim (1:1). Nyamekye Awortwie-Grant hatte zwar in der Nachspielzeit ein Tor per Kopf erzielt, aber es zählte nicht, weil der Ball nach Ansicht des Schiedsrichters nicht hinter der Linie gewesen sei.
Eine Fehlentscheidung! Das räumt inzwischen auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ein. Im Interview mit der Sportredaktion erklärt DFB-Schiedsrichter-Sprecher Alex Feuerherdt, wie es zu dieser Fehlentscheidung kommen konnte. Feuerherdt spricht auch über mögliche Konsequenzen.
Alex Feuerherdt, was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie das inzwischen berühmte Bild vom nichtgegebenen Tor für Energie Cottbus sehen?
Das Foto beweist zweifelsfrei, dass der Ball im Tor war. Auch wenn es nicht exakt auf der Grundlinie aufgenommen worden ist, ist klar zu erkennen: Der Ball hat die Torlinie vollständig überquert. In den Fernsehaufnahmen konnte man das nicht eindeutig erkennen. Das ist auf dem Bild des Fotografen Frank Hammerschmidt anders.
Wie konnte es zu dieser Fehlentscheidung kommen?
Ich war selbst lange Schiedsrichter und Schiedsrichterassistent und kenne diese Situationen. Wenn ein Ball auf der Torlinie ist oder vielleicht dahinter war und wieder herausgeschlagen wird, steht man vor der Problematik, den exakt richtigen Moment gedanklich zu „fotografieren“. So schnell, wie das alles abläuft, ist das keine einfache Aufgabe. In der Nachspielzeit, bei einem Unentschieden, in der letzten Aktion – dramatischer geht es kaum, denn dadurch wird das Spiel entschieden. Aber wenn ich als Assistent Zweifel habe und nicht hundertprozentig überzeugt bin, dass der Ball hinter der Linie war, kann ich nicht auf Verdacht auf Tor entscheiden. Dann muss ich sagen: Ich habe es nicht zweifelsfrei gesehen – also kein Tor.
Viele Fans sagen: Wenn es eine klare Fehlentscheidung war, müssen die Punkte doch nachträglich vergeben werden. Kann Energie Einspruch erheben?
Nein. Das ist zwar verständlich aus Fansicht. Mit dem Foto ist ja der Beweis da. Aber hier greift die berühmte Tatsachenentscheidung. In den Fußballregeln steht ausdrücklich: Entscheidungen des Schiedsrichters zum Spiel und Spielausgang sind endgültig. Dazu gehört auch, ob der Ball im Tor war oder nicht. Diese Entscheidung ist unanfechtbar. Ein Einspruch kann nicht dazu führen, dass das Tor nachträglich anerkannt oder das Spiel wiederholt wird. Auch eine Wiederholung nur der letzten Minute ist nicht möglich.
So arbeitet der DFB die Fehlentscheidung auf
Unter den Fans von Energie Cottbus gibt es das Gerücht, der vierte Offizielle habe bei der Entscheidung nachgeholfen. Ist da etwas dran?
Nein, da ist nichts dran. Der vierte Offizielle ist ja weit entfernt und kann von seiner Position aus nicht beurteilen, ob der Ball die Torlinie überschritten hat. Deshalb wird er sich hüten, in so einer Situation eine Meinung zu äußern. Der Einzige im Team mit halbwegs geeigneter Sicht ist der Schiedsrichterassistent – auch wenn er hier nicht direkt auf der Linie stand, sondern etwas versetzt, um auch ein mögliches Abseits im Auge zu haben. Der Schiedsrichter selbst kann es aus seiner Position nicht sehen.
Wie werden solche Szenen vonseiten des DFB aufgearbeitet?
Man spricht mit dem Schiedsrichterteam über das gesamte Spiel und natürlich auch über diese konkrete Szene. Dann bespricht man die Frage: Hätte sich die Fehlentscheidung verhindern lassen, und wenn ja, wie? Etwa durch eine leicht andere Positionierung oder eine bessere Antizipation? Auch mit Videocoaching wird gearbeitet und die Wahrnehmung geschult. Aber Wahrnehmung bleibt menschlich. Erfahrung, Bauchgefühl und manchmal auch Glück spielen ebenfalls eine Rolle.

Alex Feuerherdt ist Leiter Kommunikation und Medienarbeit der Schiedsrichter des Deutschen Fußball-Bundes. Der Schiri-Sprecher war früher selbst als Schiedsrichter und Schiedsrichterassistent auf den Fußballplätzen unterwegs.
Matthias KochKönnen Sie den Unmut in der Lausitz verstehen? Für Energie Cottbus bleibt es eine sehr bittere Entscheidung.
Ja, zweifellos, und deshalb verstehen wir natürlich die Enttäuschung. Aber es ist wirklich so, dass diese Entscheidung kaum jemanden mehr ärgert als das Schiedsrichterteam selbst. Denn natürlich haben die Jungs den Ehrgeiz und den Anspruch, eine solche Situation korrekt zu lösen. Sie können mir glauben: Wenn man dann das Bild vom Tor sieht, rutscht einem schon das Herz in die Hose. Da denkt man einfach: Mist.
Welche Konsequenzen kann so eine Szene für den Assistenten haben?
Das ist nicht generalisierbar. Man schaut: War der Fehler vermeidbar? Lag es an Positionierung, Antizipation oder anderen Faktoren? Manchmal ist eine Pause sinnvoll, manchmal ist es besser, den Betroffenen schnell wieder einzusetzen, ähnlich wie bei den Spielern. Das hängt auch vom Typ ab und wird in persönlichen Gesprächen geklärt.
Pressekonferenz nach Energie Cottbus gegen Waldhof Mannheim
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