Umfrage zur „Rente mit 63“: Knapp 75 % der Befragten gegen Abschaffung

Die Mehrheit der Befragten ist gegen die Abschaffung der „Rente mit 63“.
Fernando Gutierrez-Juarez/dpaDie geplante Abschaffung der sogenannten Rente mit 63 findet in Deutschland kaum Zustimmung. Wie aus dem am 23. Oktober 2026 veröffentlichten ZDF-Politbarometer hervorgeht, lehnen 74 Prozent der Befragten das Vorhaben der Bundesregierung ab. Lediglich 21 Prozent befürworten eine Abschaffung. Die übrigen fünf Prozent machten keine entsprechende Angabe.
Bemerkenswert ist, dass die Ablehnung quer durch die Bevölkerung geht. Nach Angaben der Forschungsgruppe Wahlen sprechen sich Mehrheiten in sämtlichen Altersgruppen und unter den Anhängern aller Parteien gegen die geplante Abschaffung aus. Der Widerstand beschränkt sich damit weder auf ältere Arbeitnehmer noch auf bestimmte politische Lager.
Große Mehrheit sieht dennoch Reformbedarf
Obwohl die meisten Deutschen an der Rente mit 63 festhalten wollen, erkennen sie grundsätzlich einen erheblichen Reformbedarf beim Rentensystem. Laut Politbarometer halten 83 Prozent der Befragten eine grundlegende Reform zur Stabilisierung der gesetzlichen Rente für wichtig oder sehr wichtig – selbst dann, wenn diese mit Einschnitten und zusätzlichen finanziellen Belastungen verbunden ist.
Nur zwölf Prozent betrachten eine solche Reform als weniger wichtig oder völlig unwichtig.
Die Ergebnisse zeigen damit ein Spannungsfeld in der Rentendebatte: Eine breite Mehrheit hält Veränderungen am Rentensystem für notwendig, lehnt aber die Abschaffung der Rente mit 63 als konkrete Maßnahme ab.
Was steckt hinter der Rente mit 63?
Die sogenannte Rente mit 63 ermöglicht besonders langjährig Versicherten, nach mindestens 45 Versicherungsjahren ohne Abschläge vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Der Begriff stammt aus der Einführung der Regelung im Jahr 2014.
Allerdings können längst nicht mehr alle Berechtigten tatsächlich mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. Die Altersgrenze wird schrittweise angehoben. Für Versicherte des Jahrgangs 1964 und jünger liegt sie bei 65 Jahren.
Eine Abschaffung der Regelung würde damit vor allem die Möglichkeiten für einen abschlagsfreien vorzeitigen Renteneintritt nach besonders langer Versicherungszeit betreffen.
Rentenpolitik bleibt eine Herausforderung
Die Diskussion um die Rente mit 63 ist Teil der größeren Debatte über die langfristige Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung. Angesichts des demografischen Wandels und des Eintritts geburtenstarker Jahrgänge in den Ruhestand steht das Rentensystem unter wachsendem Druck.
Befürworter einer Abschaffung argumentieren, dass längere Erwerbszeiten zur Finanzierung des Rentensystems beitragen und dem Fachkräftemangel entgegenwirken könnten. Kritiker verweisen dagegen auf Menschen, die bereits in jungen Jahren ins Berufsleben eingestiegen sind und nach jahrzehntelanger Arbeit auf einen früheren Renteneintritt angewiesen sein könnten.
Das aktuelle Politbarometer macht deutlich, wie schwierig die politische Umsetzung entsprechender Reformen sein dürfte. Während 83 Prozent der Befragten grundsätzliche Veränderungen für notwendig halten, lehnen nahezu drei Viertel die Abschaffung der Rente mit 63 ab.
Zur Umfrage: Die Forschungsgruppe Wahlen befragte für das ZDF-Politbarometer vom 20. bis 22. Oktober 2026 insgesamt 1.225 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte in Deutschland. Die Interviews wurden telefonisch und online durchgeführt. Die Erhebung ist repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung.
Quelle: ZDF-Politbarometer Oktober II 2026, veröffentlicht am 23. Oktober 2026.
