Studierende in Sachsen können in der Corona-Pandemie trotz weniger Präsenzveranstaltungen an den Hochschulen nicht auf reduzierte Semesterbeiträge hoffen. Wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa bei Universitäten, Studentenwerken und Studentenräten ergab, werden die Beiträge gebraucht, um die Leistungen der Studentenwerke und der studentischen Selbstverwaltung aufrecht zu erhalten sowie um das Semesterticket für eine vergünstigte Nutzung des Nahverkehrs zu finanzieren.
Auch wenn in Sachsen für das Erststudium keine Studiengebühren erhoben werden, so gibt es doch einen Semesterbeitrag, den jeder Student zu entrichten hat. An der TU Dresden etwa liegt er derzeit bei 276,10 Euro, von denen 87,50 Euro als Beitrag auf das Studentenwerk, 181,00 Euro auf das Semesterticket und 7,60 Euro auf den Studentenrat entfallen. Die Beiträge variieren. An der Universität Leipzig liegt er aktuell bei 235 Euro, an der TU Chemnitz bei 269,73 Euro.

Leistungen für Studenten müssen weiter vorgehalten werden können

„An eine Senkung des Semesterbeitrages ist nicht gedacht“, sagte Sandy Hofmann vom Studentenwerk der Technischen Universität Dresden. Der Beitrag werde benötigt, um alle Leistungen weiter vorhalten zu können. So gebe es etwa in Dresden drei Mensen, in denen Studenten und Mitarbeiter der Hochschulen Speisen zum Mitnehmen kaufen können.
Michael Mohr vom Studentenwerk Leipzig räumt ein, dass mit weniger Veranstaltungen an der Uni auch die Nachfrage in den Mensen und Cafeterien sank. Dafür sei der Bedarf an Studienfinanzierungshilfen, Sozialberatung, psychosozialer Beratung, Rechtsberatung oder auch Jobvermittlung deutlich gestiegen. Einige der bisher geschlossenen Mensen sollen öffnen und Speisen zum Mitnehmen anbieten. „Die Nachfrage ist gestiegen“, sagte Mohr. „Wir haben den Eindruck, dass sich viele Studierende trotz Corona in Leipzig aufhalten und die Leistungen des Studentenwerkes in Anspruch nehmen wollen.“

Kurzfristige Anpassung am Semesterticketpreis in Dresden nicht möglich

Auch am Beitrag für das Semesterticket für die verbilligte Nutzung des öffentlichen Nahverkehr wird nicht gerüttelt. Das sei ein Solidarbeitrag unabhängig von der tatsächlichen Nutzung, hieß es beim Leipziger Studentenwerk. „Der Preis für das Semesterticket wird alle zwei Jahre neu verhandelt, so dass eine kurzfristige Anpassung an die Coronasituation nicht möglich ist“, erklärte Claudia Meißner vom Dresdner Studentenrat. Zudem sei das Semesterticket trotz Corona noch immer wichtig für die studentischen Mobilität in der Stadt.
„Der Beitrag für die studentische Selbstverwaltung ist der einzige, den wir selbstständig frei festlegen können“, sagte Meißner. Es sei geplant, diesen Beitrag stabil zu halten. Mit ihm würden viele Vorhaben unterstützt wie etwa Ringvorlesungen, Seminare und weitere „coronakonforme“ Projekte vor allem digitaler Art, die auch in der aktuellen Situation den Studierenden zugute kämen.

Keine Gebühren für Langzeitstudenten

Freuen können sich immerhin Langzeitstudenten. Denn wer in Sachsen die Regelstudienzeit um mehr als vier Semester überzieht, muss pro Semester eigentlich eine Gebühr von 500 Euro zahlen. Wegen der Corona-Pandemie will das Wissenschaftsministerium die Regelstudienzeit nun abermals verlängern. Es zeichne sich ab, dass viele Studierenden ihr Studium nicht während der Regelstudienzeit beenden könnten, hieß es beim Ministerium.
Geraten Studenten wegen der Corona-Pandemie in finanzielle Notlagen, können sie über die Studentenwerke Überbrückungshilfen des Bundes von bis zu 500 Euro monatlich beantragen. Das Studentenwerk Leipzig hat nach eigenen Angaben bisher 4477 Anträge mit mehr als 1,13 Millionen Euro bewilligt.
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