Ruth Fuchs ist tot
: Speerwurf-Olympiasiegerin und Linken-Politikerin mit 76 Jahren gestorben

Die zweifache DDR-Olympiasiegerin im Speerwurf und ehemalige Abgeordnete Ruth Fuchs ist tot.
Von
dpa
Jena
Jetzt in der App anhören
  • Die frühere Speerwerferin Ruth Fuchs sitzt im Jahr 2016 in Bucha in Thüringen in ihrem Wohnzimmer. Die in Egeln bei Magdeburg geborene Fuchs war die erste Frau, die einen Speer über 60 Meter geworfen hatte.

    Die frühere Speerwerferin Ruth Fuchs sitzt im Jahr 2016 in Bucha in Thüringen in ihrem Wohnzimmer. Die in Egeln bei Magdeburg geborene Fuchs war die erste Frau, die einen Speer über 60 Meter geworfen hatte.

    Martin Schutt / dpa
  • Die damalige DDR-Speerwerferin Ruth Fuchs steht bei der Siegerehrung mit ihrer Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen 1976 in Montreal in Kanada auf dem Podium. Die zweimalige Olympiasiegerin im Speerwurf ist mit 76 Jahren gestorben.

    Die damalige DDR-Speerwerferin Ruth Fuchs steht bei der Siegerehrung mit ihrer Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen 1976 in Montreal in Kanada auf dem Podium. Die zweimalige Olympiasiegerin im Speerwurf ist mit 76 Jahren gestorben.

    dpa
  • Die damalige DDR-Speerwerferin Ruth Fuchs setzt bei den Leichtathletik-Wettbewerben der Olympischen Sommerspiele 1972 im Münchener Olympiastadion zum Wurf an und gewinnt. Die zweimalige Olympiasiegerin im Speerwurf ist mit 76 Jahren gestorben.

    Die damalige DDR-Speerwerferin Ruth Fuchs setzt bei den Leichtathletik-Wettbewerben der Olympischen Sommerspiele 1972 im Münchener Olympiastadion zum Wurf an und gewinnt. Die zweimalige Olympiasiegerin im Speerwurf ist mit 76 Jahren gestorben.

    dpa
1 / 3

Doppelte Speerwurf-Olympiasiegerin, Politikerin, Inhaberin eines Modegeschäfts: Nach einem abwechslungsreichen Leben ist die ehemalige Thüringer Weltklasse-Athletin Ruth Fuchs am Mittwoch, 20. September, im Alter von 76 Jahren in Jena gestorben. Das bestätigten Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und der Deutsche Leichtathletik-Verband unter Berufung auf das unmittelbare private Umfeld von Fuchs.

Die in Egeln bei Magdeburg geborene Fuchs war die erste Frau, die einen Speer über 60 Meter geworfen hatte. Zum Ende ihrer zwischen 1967 und 1980 dauernden Karriere im Leistungssport scheiterte die weltbeste Speerwerferin mit dem sechsten und letzten Weltrekord um vier Zentimeter an der 70-Meter-Marke. „Schon damals hatte es mich kurz geärgert, dass vier Zentimeter an den 70 Meter fehlten. Insgesamt ist das eine wunderschöne Zeit gewesen. Auf meine Leistungen bin ich stolz“, sagte Fuchs einmal.

Die „Frau mit dem eisernen Arm“

Im Jahr 1967 holte Ruth Fuchs ihren ersten von insgesamt elf DDR-Meistertiteln. Neben den Olympiasiegen in München 1972 und vier Jahre später in Montreal siegte die Athletin des SC Motor Jena auch zweimal bei Europameisterschaften, mehrmals beim Europacup sowie beim 1977 erstmals ausgetragenen Weltcup. Angesichts ihrer Erfolge wurde die nur drei Mal bezwungene Fuchs auch als die „Frau mit dem eisernen Arm“ genannt.

Ruth Fuchs saß für PDS im Bundestag

Neben dem Sport studierte Fuchs an der DHfK in Leipzig und promovierte 1984. Nach der Wende saß Fuchs, die seit 1971 der SED angehörte, für die PDS bis 2002 im Bundestag. 1994 gab sie die Einnahme von Dopingmitteln zu. Ihr zweiter Mann und Trainer Karl Hellmann galt in der DDR als Dopingspezialist.

Die Speerwurf-Olympiasiegerin und damalige PDS-Bundestagsabgeordnete Ruth Fuchs spricht am Rednerpult 1998 im Deutschen Bundestag während einer Debatte. Die zweimalige Olympiasiegerin im Speerwurf ist mit 76 Jahren gestorben.

Fotoreport / Deutscher Bundestag / dpa

Nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag saß Fuchs noch bis 2009 im Thüringer Landtag. „Ein starkes Herz hat aufgehört zu schlagen“, kommentierte Ramelow auf der Plattform X, vormals Twitter. An Fuchs gerichtet schrieb er, „manchmal warst du mir zu hart und manchmal zu kompliziert, aber immer warst du klar“.

„Pfundskerl“ wie aus dem Bilderbuch

„Ruth nahm kein Blatt vor den Mund und war als Genossin ein ,Pfundskerl‘ wie aus dem Bilderbuch – verlässlich, ehrlich, das Herz am rechten Fleck“, schrieb Dietmar Bartsch, Chef der Linksfraktion im Bundestag, auf der Plattform X. Der Fraktionschef der Linken im Thüringer Landtag, Stefan Dittes, äußerte: „Ruth Fuchs wird nicht nur als eine herausragende Sportlerin und Politikerin in Erinnerung bleiben, sondern auch als eine engagierte und kämpferische Frau, die stets bereit war, anderen zu helfen.“

Nach der politischen Karriere führte Fuchs ein Modegeschäft in Jena. „Ich bin meinen Grundprinzipien immer treu geblieben, auch wenn ich dafür von vielen Seiten angespuckt wurde. Das war sehr lehr- und erlebnisreich“, sagte Fuchs vor ihrem 70. Geburtstag. Noch bis in hohe Alter erreichten sie Autogrammkarten, berichtete sie.