• Die Polizei hat in Dresden mehr als 2000 Polizisten eingesetzt, um die Proteste von Gegnern der Corona-Beschränkungen zu verhindern.
  • Das Oberverwaltungsgericht in Sachsen hat die Querdenker-Demos in Dresden untersagt.
  • Dresdner Polizei und Bundespolizei erteilen knapp 100 Platzverweise, zwei Gruppen werden gleich am Hauptbahnhof in Dresden wieder zurückgeschickt
  • Medien berichten über Angriffe auf Journalisten und neue Querdenker-Proteste nach dem Rückzug der Polizei - und von neuen Polizeieinsätzen am Samstagabend, 17. April 2021
Die Polizei hat mit einem Großaufgebot in Dresden am Samstag, 17. April 2021, das Verbot von Corona-Protesten durchgesetzt. Mehr als 2000 Polizisten waren im Einsatz. „Unsere Einsatzidee ist aufgegangen. Wir haben den potenziellen Teilnehmern einer verbotenen Versammlung kaum Flächen gelassen, auf denen sich große Gruppen hätten sammeln können“, sagte der Dresdner Polizeipräsident Jörg Kubiessa.

Corona in Dresden: Abends versammeln sich wieder Querdenker

Laut einem Bericht von saechsische.de mit dem Stand 20.35 Uhr liefen dann nach dem Rückzug des Großteils der Polizisten erneut Demonstranten durch die Dresdner Innenstadt. „Ungefähr 100 Personen“ seien unterwegs gewesen. Demnach löste sich der Protest auf, als wiederum Polizisten eintrafen. Dem Bericht zufolge wurde ein Mann festgenommen, der verdächtigt worden sei, zum Protest aufgerufen zu haben.
Sowohl saechsische.de als auch das Reporterteam von Straßengezwitscher berichteten, dass es bei den Protesten der Gegner von Corona-Beschränkungen erneut zu Übergriffen auf Medienvertreter gekommen ist. „Drei Personen schlugen dabei mehrfach Journalistinnen“, heißt es auf Twitter bei Straßengezwitscher.
Die Corona-Proteste in Dresden waren vom Sächsischen Oberverwaltungsgericht in Bautzen verboten worden. Um das Verbot durchzusetzen, war seit den Morgenstunden des 17. April Polizei in der Dresdner Innenstadt präsent. An Straßenkreuzungen standen Mannschaftswagen, Polizisten kontrollierten Gruppen und Fahrzeuge.

Dresden: Polizei baut Absperrgitter gegen Querdenker-Demo auf

Rund 2,5 Kilometer Absperrgitter wurden laut Polizei verbaut. Damit waren unter anderem der Neumarkt, der Landtag, die Brühlschen Terrassen sowie zahlreiche Straßen abgesperrt. Unter anderem auf der Brühlschen Terrasse sowie auf der Augustusbrücke versammelten sich im Laufe des Tages kleinere Menschengruppen - manche ohne Maske und Mindestabstand.
„Ihnen standen wir sprichwörtlich auf den Füßen, indem wir sie schnell ansprachen und letztlich wegschickten“, sagte Dresdens Polizeichef Kubiessa. Auch auf dem Dresdner Hauptbahnhof hatte die Polizei zwei kleinere Gruppen von mutmaßlichen Corona-Protestlern nach der Anreise gestoppt. Laut Bundespolizei konnten 14 Reisende aus Leipzig dem Umfeld von Querdenkern und Reichsbürgern zugeordnet werden.
Zudem waren etwa ein Dutzend mutmaßlich rechte Anhänger der Fußball-Hooligan-Szene offenbar unterwegs zu den verbotenen Protesten. Laut dem Reporter von Straßengezwitscher kam diese Gruppe aus Zwickau.
Polizeiangaben zufolge wurden beide Gruppen wieder zurückgeschickt. Die Bundespolizei, die mit rund 250 Einsatzkräften vor Ort war, registrierte 50 Identitätsfeststellungen sowie 35 Platzverweise.

Corona in Sachsen: Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) greift AfD an

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) kritisierte in Dresden das Verhalten der AfD und eines Teils der Bevölkerung im Freistaat in der Corona-Krise scharf. In einer Rede auf dem Landesparteitag der CDU warf er der AfD, Querdenkern und anderen „verschwurbelten Menschen“ vor, die Verantwortlichen von der Arbeit abzuhalten, Leute zu irritieren und den klaren Kurs, den man bei der Bekämpfung der Pandemie brauche, kaputt zu machen.
Die Dresdner Polizei erteilte bis zum Samstagabend mehr als 60 Platzverweise und ging rund 200 Verstößen gegen die sächsische Corona-Schutz-Verordnung nach. Gegen sechs Personen wurden Ermittlungen wegen Fälschung von Gesundheitszeugnissen eingeleitet.
Unterstützt wurde die Dresdner Polizei von der Bereitschaftspolizei sowie der Bundespolizei sowie von Kollegen aus anderen Bundesländern. Ein Polizeihubschrauber war im Einsatz, Wasserwerfer standen in Bereitschaft.

Dresden am 13. März 2021: Demo-Chaos, verletzte Polizisten

Die Polizei wollte Bilder wie am 13. März 2021 verhindern. Damals hatten sich in der Landeshauptstadt trotz eines auch von Gerichten bestätigten Verbotes einer Querdenken-Demo Hunderte Kritiker der Corona-Maßnahmen versammelt – zeitweise gerieten die Proteste außer Kontrolle, mehrere Beamte wurden verletzt.
Das Sächsische Oberverwaltungsgericht hatte am Freitag, 16. April 2021, das Verbot der Querdenker-Versammlungen in Dresden bestätigt. Auch eine geplante AfD-Kundgebung hatte die Stadt untersagt.