Verdrängt die CDU die SPD nach Jahrzehnten vom Chefsessel im Leipziger Rathaus? Nach der ersten Runde der Oberbürgermeisterwahl in der Großstadt stehen in dieser Woche wichtige Weichenstellungen für den entscheidenden zweiten Wahlgang an. Keiner der Kandidaten hatte am Sonntag die absolute Mehrheit in Sachsens größter Stadt erreicht. Die meisten Stimmen holte überraschend Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (41) für die CDU. Er lag mit 31,6 Prozent knapp vor dem langjährigen SPD-Amtsinhaber Burkhard Jung (61) – er kam auf 29,6 Prozent.

Der zweite Wahlgang am 1. März muss die Entscheidung bringen, ob tatsächlich erstmals seit drei Jahrzehnten nicht die SPD den Leipziger Oberbürgermeister stellt. Der Generalsekretär der sächsischen CDU, Alexander Dierks, gab sich optimistisch: Das Ergebnis des ersten Wahlgangs zeige, dass die Leipzigerinnen und Leipziger den Wechsel wollten, erklärte er.

Welcher Bewerber zieht zurück?

In Sachsen gibt es keine Stichwahl, sondern alle Kandidaten können beim zweiten Wahlgang noch einmal antreten. Viel wird darum davon abhängen, wie die anderen der insgesamt acht Bewerber sich entscheiden.

Das drittbeste Ergebnis hatte mit 13,5 Prozent Franziska Riekewald von den Linken erzielt vor der Grünen-Bewerberin Katharina Krefft mit 12,0 Prozent. Der AfD-Kandidat Christoph Neumann erreichte mit 8,7 Prozent nur ein einstelliges Ergebnis. Katharina Subat (Die Partei) kam auf 2,4 Prozent, Marcus Viefeld (FDP) auf 1,2 Prozent und die überparteiliche Kandidatin Ute-Elisabeth Gabelmann auf 0,9 Prozent.

Kostet AfD-Mann CDU den Sieg?

Bei den Linken hieß es, dass in einer Sondersitzung am Dienstag entschieden werden soll, ob Riekewald erneut antritt. Katharina Krefft von den Grünen sagte, sie werde die Lage überdenken, bevor dann ein Parteitag basisdemokratisch entscheide. AfD-Kandidat Neumann sagte, er stehe für einen zweiten Wahlgang bereit, aber die endgültige Entscheidung treffe ebenfalls ein Parteitag in dieser Woche.

Oberbürgermeisterwahl in Leipzig Zeitenwende in der Boom-Metropole

Leipzig

Für den Sieger vom Sonntag ist der Ausgang des Rennens noch nicht absehbar. „Ich denke, es ist ganz offen“, sagte Gemkow, der aus der Stadt stammt. Er wolle jetzt möglichst viele Leipzigerinnen und Leipziger von seinen Ideen überzeugen. SPD-Amtsinhaber Jung gab sich entschlossen und stimmte seine Anhänger auf den Wahlkampf ein: „Jetzt gehts um die Wurst“, sagte der 61-Jährige am Wahlabend.