• Die Corona-Zahlen in Sachsen sind weiterhin extrem hoch und deutschlandweite Höchstwerte.
  • Die Landesregierung hat am Freitagabend deshalb neue Regeln beschlossen.
  • Gelten sollen diese ab Montag, 22. November.
  • Ab Montag müssen Kultur- und Sporteinrichtungen schließen.
  • Großveranstaltungen und Weihnachtsmärkte werden abgesagt.
  • Auch die sogenannten körpernahen Dienstleistungen dürfen nicht mehr angeboten werden, Frisöre bleiben davon ausgenommen. Aber auch hier gelten strenge Regeln.
  • Für den Einzelhandel gilt 2G. Auch hier gibt es Ausnahmen.
Weihnachtsmärkte werden abgesagt, Kultur- und Freizeiteinrichtungen geschlossen und Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte in Corona-Hotspots eingeführt: In Sachsen sollen ab Montag neue schärfere Corona-Regeln gelten. Das haben der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und seine Minister nach Beratungen am Freitagabend bekanntgegeben. 2G- oder 2G-Plus-Regeln allein reichten nicht mehr aus, nötig sei jetzt ein "Wellenbrecher".
Was Sachsen erlebe, werde in vielen Teilen Deutschlands in den kommenden Wochen und Monaten eintreten. Grundsätzlich müssten die Geimpften weniger Einschränkungen hinnehmen, aber auch diese Menschen müssten mit Beschränkungen leben. "Wir brauchen zur Bekämpfung der Pandemie mehr Wir und weniger Ich", betonte Kretschmer. "Hier geht es ganz klar um Solidarität."

Lauterbach glaubt, dass andere Länder dem Vorbild Bayerns und Sachsens folgen

Angesichts weiter rasant steigender Fallzahlen steuert Deutschland in der Corona-Pandemie auf immer stärkere Einschränkungen des öffentlichen Lebens zu. Er gehe davon aus, dass nach Bayern und Sachsen weitere Bundesländer Teilschließungen veranlassen würden, sagte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im Deutschlandfunk. Am Samstag traten auch im Saarland und Hamburg schärfere Corona-Regeln in Kraft.
"Ich hoffe wirklich, dass wir ähnlich drastische Maßnahmen wie in Österreich noch verhindern können", sagte Lauterbach dem Nachrichtenportal t-online mit Blick auf den dort beschlossenen landesweiten Lockdown. Ob in Deutschland beim nächsten Bund-Länder-Treffen am 9. Dezember auch neue Einschränkungen beschlossen werden müssten, hänge nun vom Verhalten aller ab.

„Kein Lockdown, aber zwingend“: Neue Corona-Regeln in Sachsen ab Montag

Die Maßnahmen in Sachsen seien "kein Lockdown", betonte Kretschmer. Es sei aber "zwingend", dass die Maßnahmen nun durchgesetzt würden. Die niedrige Impfquote sei der eigentliche Grund für diese Situation. "Wir sind hier alle in einem Boot, und wir sind alle in einer kollektiven Mithaftung."
Demnach sollen ab 22. November Kultur- und Sporteinrichtungen im Freistaat schließen, ausgenommen hiervon sind Bibliotheken. Bars, Clubs und Diskotheken bleiben zu. Großveranstaltungen wie Weihnachtsmärkte werden abgesagt. Fußballspiele sind wohl ohne Zuschauer weiterhin möglich. Auch die sogenannten körpernahen Dienstleistungen wie Kosmetik dürfen nicht mehr angeboten werden. Ausgenommen hiervon sind Frisöre. Diese dürfen unter der Einhaltung der 2G-Regel (geimpft oder genesen) weiterhin Kunden empfangen. Haushalte dürfen sich nur mit einer ungeimpften Person treffen.
Tanz-, Musik- und Kunstschulen dürfen genau wie Volkshochschulen nicht unterrichten. Eine Ausnahme sind Angebote für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre. Für Zugang zum Arbeitsplatz gilt die 3G-Regel. Alle neue Regeln für Sachsen sollen bis 12. Dezember gelten.

Das soll ab Montag im Einzelhandel gelten

Auch im Einzelhandel gibt es die 2G-Regel. Hiervon wiederum ausgenommen ist die sogenannte Grundversorgung, wie Lebensmittelhändler, Apotheken oder Tierfuttermärkte.
Auch untersagt sind die touristischen Beherbergungen. Das heißt, Hotelzimmer, Ferienwohnungen und Campingplatzstellplätze dürfen nicht mehr an Urlauber vermietet werden. Ausgenommen von dieser Regel sind dienstliche Reisen. Diese sind unter Beachtung der 3G-Regel weiterhin möglich.
Zudem ist in sogenannten Corona-Hotspots eine nächtliche Ausgangssperre für Ungeimpfte im Gespräch. Diese soll für Regionen gelten, wenn die Inzidenz dort den Wert von 1000 überschreitet.

Schulen und Kitas in Sachsen sollen weiter offen bleiben

Offen bleiben sollen in Sachsen weiterhin grundsätzlich Schulen und Kindergärten. Eine genaue Übersicht zu den dort geltenden Regeln gibt es in diesem Beitrag:
Profisport ist ohne Zuschauer möglich, auf den Fußball kommen also wieder Geisterspiele zu. Fitnessstudios bleiben zu. Kirchen und Religionsgemeinschaften können unter der Maßgabe von 3G zusammenkommen. Das trifft auch für Versammlungen zu, sie dürfen aber nur bis zu 10 Teilnehmer haben und müssen an festen Orten stattfinden.
Die Maßnahmen seien „schwer, aber notwendig“, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Mit diesem „Wellenbrecher“ wolle man erreichen, dass die täglich steigenden Infektionszahlen sinken, die Gesundheitsämter wieder Kontakte nachverfolgen können und die Krankenhäuser nicht überlaufen. Ob man das mit den Maßnahmen erreichen könne, sei aber unklar: „Die niedrige Impfquote ist der eigentliche Grund für diese Situation.“ Man wende 2G und 3G dort an, wo es möglich ist. „Deshalb ist das auch kein Lockdown.“

2G soll in Sachsen streng kontrolliert werden

Kretschmer kündigte konsequente Kontrollen bei 2G und 3G an. Es gebe eine große Zahl von Fälschungen bei Impfzertifikaten. Die kommenden Wochen werde man nutzen, diese Leute zu finden und mit drastischen Strafen zu belegen. „Das ist kein Kavaliersdelikt, das ist eine wirkliche Gefährdung für die öffentliche Gesundheit.“ Eine Pandemie könne man nicht bekämpfen, wenn die Regeln nicht eingehalten würden.
Alle Maßnahmen werden begründet mit den weiter stark steigenden Coronazahlen. Nach Angaben des Sozialministeriums wurde am Freitag ein neuer Rekord bei den nachgewiesenen Neuinfektionen registriert – binnen 24 Stunden waren es 7791.
Außerdem kamen weitere 26 Todesfälle im Zusammenhang mit Corona hinzu. Eine korrekte Sieben-Tage-Inzidenz – die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen – konnte aufgrund technischer Probleme bei der Übermittlung von Daten an das Robert Koch-Institut zunächst nicht ausgewiesen werden.
Sachsen trägt bei der Impfquote deutschlandweit die rote Laterne. Nur 57,6 Prozent der Menschen im Freistaat sind doppelt geimpft. In Bremen liegt der Wert bei 79,5, im Bundesschnitt bei 67,9 Prozent.